«Du bekommst Ängste»

21. April 2018 08:13; Akt: 21.04.2018 12:20 Print

Das exzessive Partyleben war für Avicii pures Gift

Die dauernden Auftritte und Partys wurden DJ Avicii zu viel. 2016 zog er die Reissleine.

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Es werde eine «private» Beerdigung geben, «in Gegenwart der Leute, die Tim am nächsten waren»: Avicii bei einem Auftritt in San Francisco. (7. Februar 2016) Der schwedische Star-DJ Avicii wurde am 20. April 2018 im Oman tot aufgefunden. Tim Bergling, wie Avicii mit bürgerlichem Namen hiess, wurde 28 Jahre alt. Seine Pressebeauftragte bestätigte den Tod. «Die Familie ist am Boden zerstört, und wir bitten alle, ihr Bedürfnis nach Privatsphäre in dieser schwierigen Zeit zu respektieren», heisst es seitens des Managements. Laut mehreren Quellen soll Avicii Suizid begangen haben. Auch das Statement seiner Eltern liess darauf schliessen. Bekannt wurde der Schwede mit Hits wie "Wake me up" und "Levels". Der Dj und Produzent gehörte zu den weltweit erfolgreichsten Künstlern der elektronischen Musikszene. 2016 kündigte er das Ende seiner Bühnenkarriere an. Das Partyleben werde giftig, er habe etwas für seine Gesundheit tun müssen, begründete er den Rücktritt von der Bühne. «Das Live-Ende bedeutete nie das Ende von Avicii oder meiner Musik. Stattdessen ging ich zurück zu dem Ort, an dem alles einen Sinn ergab - das Studio.» Von prestigeträchtigen Fachmagazinen wurde er während seiner rund zehnjährigen Karriere regelmässig unter die Top 10 der wichtigsten und einflussreichsten Djs der Welt gewählt. Trotz Bühnenabstinenz arbeitete er noch kurz vor seinem Tod an neuen Musikproduktionen, die 2018 erscheinen sollten. Wie seine Familie mitteilte, hatte er sich das Leben genommen. Avicii hinterlässt ein geschätztes Vermögen von umgerechnet rund 86 Millionen Franken. 20 Minuten Friday hat Avicii vor seinem Durchbruch interviewt. Tim Bergling ist am 8. September 1989 in Stockholm auf die Welt gekommen. «Der Name Avicii wird abgeleitet von der tiefsten buddhistischen Hölle, die den Namen ‹Avici› trägt. Da ‹Avici› als Name bei Myspace schon vergeben war, setzte er ein zweites ‹i› hinten an», heisst es auf Wikipedia. Avicii hatte 2013 mit «Wake me Up» einen Sommerhit gelandet. 2014 räumte Avicii zwei Trophäen beim wichtigsten deutschen Musikpreis Echo ab: für «Wake Me Up» als «Hit des Jahres», ausserdem gewann er in der Kategorie «Künstler Electronic Dance Music». Einige Monate später sagte er seine Tour wegen gesundheitlicher Probleme ab.

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Es war ein Schock für die Fans, als Avicii – der Überflieger, der Superstar – am 29. März 2016 in einem langen Facebook-Post seinen Rücktritt von der Bühne ankündigte.

«Ich musste etwas für meine Gesundheit tun», begründete er später seine Entscheidung, dem Partyleben den Rücken zu kehren. Avicii hatte in den Jahren zuvor exzessiv Alkohol konsumiert, was zu einer Entzündung seiner Bauchspeicheldrüse geführt haben soll. 2014 sagte er, dass die Arbeit seinem Körper schade und er immer dünner werde.

2017 wurde eine Dokumentation veröffentlicht, die Aviciis Kampf mit Stress und Erschöpfung zeigt. Diese zeigt, wie er in Australian wegen seiner Gallenblase ins Spital eingeliefert werden musste – und seine PR-Tour schon einen Tag darauf offensichtlich übermüdet fortsetzt.

Mit nur 26 Jahren zog er sich deshalb ins Studio zurück. «Wir alle erreichen einen Punkt in unserem Leben, wo wir verstehen, was am meisten zählt», schrieb er auf seiner Website.

«Partys werden giftig»

In mehreren Interview führte er aus, weshalb er nicht mehr auftreten wollte: «Partys können fantastisch sein, aber es ist sehr einfach, an Orten wie Ibiza zu sehr an Partys zu hängen. Du wirst einsam und bekommst Ängste. Es wird giftig», sagte Avicii im September 2017 zum«Rolling Stone»-Magazine.

Gegenüber dem «Hollywood Reporter» ergänzte er: «Die Szene war nichts für mich. Ich bin eher eine introvertierte Person, deswegen war es immer sehr schwer für mich. Ich denke, ich habe dort zu viel negative Energie mitgenommen.»

Er habe rausfinden müssen, was er mit seinem Leben will. «Das Ganze drehte sich nur um Erfolg. Ich zog kein Glück mehr daraus.»

Avicii arbeitete danach weiter im Studio. Im vergangenen Jahr produzierte er mehrere Stücke mit der britischen Sängerin Rita Ora. Am Freitag starb er mit 28 Jahren im Golfstaat Oman.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leon am 20.04.2018 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Er war ein talentierter Produzent und scheint ein bodenständiger Mensch gewesen zu sein. Danke für die Musik und die damit verbundenen Erinnerungen.

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  • Margrith am 20.04.2018 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP

    Er sieht sehr dünn aus auf dem Foto...Finde es sehr traurig. So jung von uns gegangen. RIP Avicii - deine Hits werden uns für immer begleiten

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  • Raffi am 20.04.2018 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP AVICII

    unglaublich. einer der beste dj den es je gab..rip avicii.. ich werde dich sooo vermissen.. du bist und bleibst der GRÖSSTE

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Othmar am 22.04.2018 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Happy family

    Denkt man mal das bum, bum, bum weg, sind es schon arge Ohrwürmer...

  • Viola T. am 22.04.2018 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Besten!

    Erst Naddel mit ihrer Leberzhirrose und jetzt DJ Avicii mit einer Pankreatis! Auch Ernst August von Hannover, der Prinz mit der Regenschirm-Attacke, litt unter dieser mysteriösen Krankheit. Wer hätte schon geahnt, dass ein kleines Bierchen ab und an zum Tode führen kann?

  • Jenny am 22.04.2018 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgenutzt bis in den Tod

    Mit 28 war dieser junge Mann ein so schwerer Alkoholiker, dass seine Organe dauerhaft geschädigt waren und er schlimme Operationen über sich ergehen lassen musste. Ich befürchte, dass der Hype, der jetzt um seinen Drogentod gemacht wird, von den Musikfirmen ausgeht, die nochmal so richtig Kohle damit machen wollen.

  • A.Surrer am 22.04.2018 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    junges und Mädels

    absichtlich Komplet unpolitisch...da gab es während den 80-90, also, als der "Krieg" gewonnen war, viele gute Künstler, bis Ende 90er..dann kam die "Hilton"...und was habt ihr jetzt? Zuki sitzt auf Milliarden und ihr "schnorrt beim Sozialamt ein paar Nike-Schuhe"...denn alle die "Reich" sind werden sich nicht "öffentlich" darüber äussern, ..hat mir mein älterer ruder beigebracht.

  • tim am 22.04.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ruhe lassen

    lasst ihn doch in frieden. er ist uns keine rechenschaft schuldig. höchstens seinen eltern und geschwister.