Eurovision Song Contest

12. Mai 2009 20:20; Akt: 13.05.2009 09:47 Print

«Ich bereue nichts!»

Einmal mehr hat sich die Schweiz nicht für das Finale des Eurovision Song Contest qualifiziert. Im ersten Halbfinal setzten sich die Türkei, Schweden, Israel, Portugal, Malta, Finnland, Bosnien, Rumänien, Armenien und Island durch. Die Lovebugs wurden vom internationalen Publikum nicht goutiert.

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Willkommen in Moskau zum ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest! Und los gehts ... Montenegro will mit einer Komposition des deutschen Eurovisions-Komponisten Ralph Siegel punkten ... Der Song ähnelt aber mehr als nur ein bisschen dem Donna-Summer-Hit «Hot Stuff». Das gibt noch ne Plagiatsklage! ... Tschechien bietet einen Brockenhaus-Superman, der Zigeunermusik zum Besten gibt. Titanic trifft auf Bombast-Rock: So könnte man den weissrussischen Beitrag umschreiben. Eigentlich das Beste an der Sendung: Die Nummerngirls. Belgien tötet den Rock'n'Roll. Der echte Elvis dreht sich im Grab ... Das ist nicht Agnetha von ABBA, sondern die stimmgewaltige Schwedin, die einen bizarren Mix aus Disco-Pop und Oper zum Besten gibt ... Ebenfalls bizarr, aber dafür folkloristisch-authentisch kommt der armenische Beitrag daher ... Andorra bietet braven Girlie-Pop ... Gorillas in the mist? Nein, das sind die Schweizer Lovebugs ... Ob sie entgegen den Erwartungen doch noch punkten können? Viel Haut ... ... aber wenig Stimme bietet Hadise aus der Türkei. Dafür hat sie die Konzertvideos von Shakira sehr genau studiert ... Hadise performt «Düm Tek Tek» (nicht zu verwechseln mit vergangenen türkischen ESC-Klassikern wie «Didai Didai Dai», «Bana Bana» oder «Rimi Rimi Ley»). Israel tritt an mit einer israelischen einer palästinensischen Sängerin. Ihr Duett heisst dementsprechend «There Must Be Another Way». Feuer. Feuer! FEUER! Bulgarien ist die Hölle ... ... und deren Sänger Krassimir Avramov ist der Teufel. Man nehme: Einen Wikinger, Akrobaten, ein paar abgelehnte Statisten aus «Harry Potter» und jede Menge Feuereffekte ... und schon hat man die Zutaten für einen bulgarischen Eurovisions-Auftritt. Island hingegen setzt auf meerblaue Augen und eine Power-Ballade. Ein Traum in blau: Yohanna aus Island. Pop-Metal soll ausser Mode sein? Nicht in Mazedonien! Das ist er, der mazedonische Bon Jovi. Eine schwache Stimme, ein noch schwächerer Song ... ... aber ein grosszügiger Ausschnitt! Auf welche Karte wohl setzt Rumänien mit dem Song «Balkan Girls»? Nik Kershaw hat angerufen. Er will seinen Song zurück. Finnland covert «Wouldn't It Be Good» aus den Achtzigern ... Portugal: Die Kelly Family trifft auf Lily Allen. Malta will mit Power-Frau und Power-Ballade punkten. Martialische Bosnier mit viel Pathos: Regina nennt sich diese Band ... Für Befremden sorgte beim westlichen Publikum ein Auftritt des Alexandrow-Chors der Roten Armee, der ein Medley mit sowjetischen Liedern, darunter auch den Militärschlager «Katjuscha», vortrug ... ... Zusammen mit den Uniformierten trat in dem Kontrastprogramm auch das pseudolesbische Pop-Duo Tatu auf. Am Ende setzten sich Schweden ... ... die Türkei ... ... Rumänien ... ... Israel ... ...Island ... ... Finnland ... ... Bosnien-Herzegowina sowie Malta, Portugal und Armenien durch. Die Liebeskäfer passten dem paneuropäischen Publikum offensichtlich nicht.

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«Schafft es die Schweiz ins Finale?», fragte 20 Minuten Online seine User im Vorfeld. Und siehe da: Ganze drei Viertel aller User rechneten fest mit einem Scheitern des Schweizer Beitrags (siehe Poll). Das nennt man Defätismus!

Dies allerdings aus gutem Grund: Seit Céline Dions Triumph anno 1988 (und sie war erst noch Kanadierin …) konnte die Schweiz am Eurovision Song Contest keinen Blumentopf mehr gewinnen. Besonders schmerzhaft waren die Nullnummern von Piero Esteriore und Gunvor sowie das Scheitern des als Weltstar gepriesenen DJ Bobo.

Schliesslich behielten die 20-Minuten-Online-User recht. Im ersten Halbfinal am 12. Mai 2009 setzten sich die Türkei, Schweden, Israel, Portugal, Malta, Finland, Bosnien, Rumänien, Armenien und Island durch.

Von den in den letzten Jahren meist so erfolgreichen osteuropäischen Staaten kamen somit zunächst nur drei zum Zuge. Bereits ausgeschieden sind dagegen neben Montenegro und der Schweiz auch Tschechien, Weissrussland, Bulgarien, Mazedonien sowie Belgien und Andorra.

Gegenüber 20 Minuten zeigte sich Lovebugs-Sänger Adrian Sieber als guter Verlierer: «Ich bereue nichts, es war ein tolles Erlebnis. Ich bin stolz auf unseren Auftritt.»

Im zweiten Halbfinale am Donnerstagabend werden weitere zehn Finalisten ausgewählt. Automatisch qualifiziert sind die grössten Eurovisions-Geldgeber Spanien, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich sowie Vorjahressieger Russland.

Unter den Qualifizierten befanden sich martialische Balkaner, karg bekleidete Rumäninnen, eine folkloristische Pseudo-Lily-Allen ... doch vor allem eines: Grosse Singstimmen mit viel Pathos.

«Das ist schon nicht so meine Welt», sagte Lovebugs-Frontmann Adrian Sieber (36) im Voraus. Wie recht er doch hat ...

(obi)

Talkback: War der Lovebugs-Beitrag «The Highest Heights» ohnehin ein billiger U2-Verschnitt und deshalb zu recht nicht im Finale? Oder sind mit Blick auf Siegertitel wie «Balkan Girls» einmal mehr wieder osteuropäische Seilschaften am Werk? Diskutieren Sie mit im Talkback!

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • a99 am 13.05.2009 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Keine faulen Ausreden mehr!

    "Ostblockmafia, keiner mag uns, die Schweiz steht im abseits, da kein EU-Mitglied" - alles Schwachsinn! Der Lovebugs-Auftritt war grottenschlecht und unterirdisch mies von A-Z. Bitte mehr Selbstkritik, Schweizer! Ohne Wenn und Aber zu Recht draussen!

  • Pat am 14.05.2009 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Chance

    Es geht in diesem Wettbewerb ja weniger um Musik als um alles andere. Das zeigt auch die Show in Moskau, oder warum singt ein Militärchor und es werden eine MIG und ein Panzer aufgetellt? Die Musik ist nicht im Vordergrund...

  • Mimi am 12.05.2009 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich könnte

    würde ich Lysassia schicken, dann würden wir sicher gewinnen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 20.11.2009 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Fühlt den Puls!! Mal was anderes...

    Wir brauchen eine junge, neue, aufstrebende Rockband, die Stimmung macht. Einen PrixWaloSprungbrett-Teilnehmer, zB PULZ aus Zürich - obs zum Sieg reicht weiss ich nicht - wie ich gelesen habe, waren sie jedenfalls schon in Prag, also auch international bekannte Gesichter. Fühlt den Puls!!!

  • Michelle Marty am 28.05.2009 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    bringts das???????

    Ich finde, wir sollten nicht mehr am ESC mitmachen. Wir gewinnen ja sowieso nie, wir kommen nicht mal ins Finale. Das bringt es echt nicht, wenn wir nachher wieder enttäuscht sind. Wahrscheinlich könnten wir noch tausende gute Schweizer Bands bringen, aber wir hätten trotzdem nie eine Chance.

    • René am 29.05.2010 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Gewinnen ist nicht alles...

      ... wir machen ja schliesslich auch bei Fussballmeisterschaften mit und gewinnen auch nicht....

    einklappen einklappen
  • Sandra am 27.05.2009 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    LOVEBUGS

    DIE LOVEBUGS HATTEN EINEN GUTEN SONG,ICH HATTE SCHON SCHLECHTERE GEHÖRT UND STRESS KANN WEDER SINGEN NOCH RÄPEN UND WENN IHR SCHON ÜBER DIE SCHWEIZER MUSIKER NÖRGELT,DANN TRETTET DOCH SELBST AUF

  • Nadine am 19.05.2009 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gesangswettbewerb?

    Mal ehrlich, was an dieser Veranstaltung ist noch ein eigentlicher Wettbewerb? Es sind meist etablierte Stars/Künstler die antreten. Mit dem ursprünglichen Gedanke hat dies gar nichts mehr zu tun. Eigentlich gehört es in die Rubrik: News Bizarre......

  • Istanbul am 17.05.2009 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    damals

    ja ja als der liebe westen damals in den 80er immer mit den schundliedern gewann war ja alles ok und jetzt motzt man wieder vor allem gegen die bands aus dem balkan