Schweizer Hitparade

28. Mai 2019 11:43; Akt: 28.05.2019 11:45 Print

Wer Streams fakt, fliegt aus den Charts

Auch in der Schweiz sind Deutschrap-Künstler erfolgreich, deren Manager nun unter Verdacht stehen, Klicks gekauft zu haben. Wie werden die Charts vor Betrug geschützt?

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Der deutsche Journalist Ilhan Coskun hat einen eigenen Song und ein Video produziert, um herauszufinden, wie weit er mit manipulierten Streaming-Zahlen kommen kann. Tatsächlich schaffte er in kurzer Zeit mehrere Tausend Views auf Youtube, auch sein Instagram-Kanal wuchs mithilfe eines Hackers aus dem Nichts auf Zehntausende Follower. Jedoch entdeckten Kontrollinstanzen der GfK, die die Charts erhebt, den Betrug – der Song wurde von den Plattformen gelöscht. Das Video ist aber noch auf Youtube und hat fast 500'000 Views. Mit dem Selbstversuch und der Enthüllungsstory erhob das Reporter-Team Y-Kollektiv auch indirekt Vorwürfe an das Label Groove Attack, geführt von Xatar, bei dem Druchstarter wie Sero El Mero und Mero unter Vertrag sind. Auch die Luzernerin Loredana ist bei Groove Attack. Das Label wies in einem Statement alle Vorwürfe von sich. «Wir stellen klar, dass wir zu keinem Zeitpunkt Klicks gekauft oder sonstige Manipulationsbestrebungen unternommen haben, um Artists künstlich zu Ruhm zu verhelfen», heisst es da. Loredanan hat sich zum Video noch nicht geäussert. In der Y-Kollektiv-Reportage «Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden» erklärt ein Hacker, wie sich deutsche Rapper angeblich in die Charts kaufen. Durch manipulierte Klickzahlen soll ein künstlicher Hype entstehen. «Du musst dir vorstellen: Ich hab 150'000 oder 250'000 deutsche Accounts auf Spotify. Und die hören dann nonstop den Song», so der Hacker. Kai schmeisst im Video Skripte an, die Dutzende Spotify-Tabs öffnen. Dazu nutzt er, in die er sich gehackt hat – und diese lässt er automatisiert immer wieder denselben Song hören. Die hohen Klickzahlen werden demnach von echten, aber gehackten Accounts generiert. Das macht es umso schwieriger, den Betrug aufzudecken. Weiter erklärt Kai, dass er mehrere Playlists mit Tausenden Followern erstellt. Songs, die er manipulieren will, tauchen in diesen Listen in Dauerschleife auf. Um dies zu kaschieren, füge er in den Playlists ebenfalls Songs anderer Künstler ein – auch sie profitieren also von seinem Geschäft. Wie Kai an die Anmeldedaten der Nutzer kommt, verrät er nicht. Dass Youtube und Spotify kostenlosen Zugriff auf die Videos erlauben, erleichtere die Manipulation. «Je nach finanziellem Background sind 10 Millionen Streams absolut kein Problem», so der Hacker. Für 50'000 Euro liege eine Goldene Schallplatte drin.

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Ein deutscher Hacker sorgt mit seinem Geständnis, dass er die Streaming-Zahlen von Deutschrap-Songs – und damit letztlich auch die Charts – manipuliert, für Aufregung im Rap-Geschäft. Und bei den Verantwortlichen, die sich um die Charts kümmern.

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Denn auch hierzulande sind Mero, Sero El Mero oder Loredana mit ihrem Deutschrap immer wieder ganz vorn in den Charts gelandet. Sie alle sind beim Label Groove Attack unter Vertrag, das im Zentrum der Reportage steht.

Für die Schweiz erhebt wie in Deutschland GfK Entertainment die Hitparade. Wie geht das Unternehmen mit dem Problem gekaufter Klicks um? Gibt es die Möglichkeit, Betrug zu ahnden? Andy Renggli, General Manager der GfK Schweiz, nimmt Stellung.

«Es liegt nahe, dass mit krimineller Energie nicht nur versucht wird, mittels gehackter Accounts auf Streaming-Plattformen auf illegale Weise Geld zu generieren, sondern damit auch Einfluss auf die offiziellen Chartplatzierungen zu nehmen.»

«GfK Entertainment nimmt solche Angelegenheiten und Hinweise sehr ernst. Wir setzen uns zu jeder Zeit kompromisslos für einen fairen und legalen Wettbewerb ein.»

«Wir nehmen Hinweise sehr ernst.»

«Wir sind in ständigem Austausch nicht nur mit den Streaming-Plattformen selbst, sondern auch mit unseren Partnern aus der Industrie sowie dem Musik-Branchenverband Ifpi als Auftraggeber der offiziellen Charts.»

«Wir sind im Austausch mit den Streaming-Plattformen.»

«Kriminelle Vorgehensweisen und der Versuch zur Manipulation haben in den Charts nichts verloren. Wir setzen alles daran, Manipulationen zu erkennen und diesen entgegenzuwirken.»

«Deshalb ist Qualitätssicherung ein zentraler Bestandteil der offiziellen Charts. Bei Verdachtsfällen wird sofort ein umfassender Prüfprozess ausgelöst, den auch die Industrie und der Branchenverband Ifpi intensiv begleiten und unterstützen.»

«Bei Verdachtsfällen wird sofort ein Prüfprozess ausgelöst.»

«Der Prüfprozess hat auch schon gegriffen. Wann immer wir Hinweise auf versuchte Chart-Manipulation oder andere Vorgehensweisen haben, die nicht unserem Regelwerk entsprechen, werden umgehend die entsprechenden Gremien informiert. Im Einzelfall entscheiden sie über Sanktionen. Künstler oder Songs können auch aus den Charts ausgeschlossen werden.»


Reporter Ilhan Coskun versuchte mittels gekaufter Klicks als Rapper Error281 mit dem Song «8K» in die Charts zu kommen. Die GfK hat den Betrug bemerkt und den Song ausgeschlossen.

(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 28.05.2019 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hip-Hop und Rap

    Ja wunderts einen? Ausserdem von Loredana habe ich noch nie etwas gehört bis es um die Betrugsvorwürfe ging. Schon lustig.

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  • Holofernes am 28.05.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf

    Bei Loredana war bestimmt alles sehr seriös, genau so ehrlich wie sie selber.

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  • Beni am 28.05.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Radio Insider

    Auch Radiosender sind im Klub. Es ist nicht ehrlich, was da abläuft. Ein bi$$chen Moneten und du bist auch berühmt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 29.05.2019 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war schon immer so

    Zu CD Zeiten gab es eine Firma, die dir für 30000 eine Chartplatzierung garantieren konnte. Ich hab zu jener Zeit als Grafiker für die Musikindustrie gearbeitet. Jeder in meinem Umfeld wusste davon.

  • Nidlä am 29.05.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streaming ist schrott

    Kein Wunder faked man diese teilweise wirklich schreckliche Musik. Dieser Schrott würde es sonst gar nicht in die Charts schaffen.

  • Jeff am 29.05.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    langweilig

    Und es hat ja wieder so viel mit Musik zu tun, manchmal frage ich mich wirklich warum man zu solchen Themen etwas schreiben muss.

  • cybernavigator am 28.05.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Monney makes the world go round

    Na ja jetzt ist ja klar, wozu Loredana die vermutlich erschlichene Kohle gebraucht hat - Streams posten, damit schnell berühmt und schnell Kohle kommt. Vermutlich wollte Sie dann ja die "Dahrlehen" damit zurücKZahlen...--- Ironie off.

  • MilliVanilli am 28.05.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FakeRap

    Hab mir nun zum ersten Mal die Musik von Loredana angehört....hab vor den Betrugsvorwürfen noch nie was von dieser zwielichtigen "Dame" gehört....nun::: TRAGISCH!!! Das ist so billiger, drittklassiger, mieser "Rap"! Schlechter gehts eigentlich nicht mehr....das mag vielleicht den Kosovo begeistern; dennoch hat jeder Clip von ihr mehr als 40Mio Aufrufe....das kann niemals stimmen!!! So viele Einwohner hat ganz Albanien nicht....das muss gefaked sein! Wie alles an ihr!