Die Chartstürmer 2019?

09. Januar 2019 09:59; Akt: 09.01.2019 10:00 Print

Um Naomi Lareine kommst du dieses Jahr nicht herum

Welche Schweizer Musiker geben 2019 den Ton an? «Noisey» hat Experten aus dem Business nach ihrer Einschätzung gefragt und präsentiert mit «Lift Up» zehn hoffnungsvolle Talente.

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Asbest. Basel. , als würde jemand Unmengen Gitarren samt Amps im Akkord aus dem fünften Stock auf die Strasse knallen lassen. Trotz der Saiten- und Stimmbänder-Schredderei produziert das Basler Trio nicht bloss Lärm, sondern schrecklich guten, organisierten Noise mit ein bisschen Post-Punk im Schwitzkasten. Black Sea Dahu. Zürich. erst mal ganz anders, als dieses Foto von Frontfrau Janine Cathrein vermuten lässt. Wenn dein Hirn dann gecheckt hat, dass diese einzigartige Stimme aus diesem Mund kommt, hat dich der rauchige Melancho-Folk der Zürcher schon umhüllt und du hörst gebannt zu wie Odysseus einst den Sirenen. Cobee. Bern. wie ein Querschnitt durch sämtliche Spielarten des modernen Hip-Hop – und trotzdem nie beliebig. Exemplarisch dafür steht sein eben veröffentlichtes Debütalbum «Chaos», wobei wir doch zugeben müssen: Am unwiderstehlichsten tönt der Berner, wenn er sich auf die Tanzfläche wagt wie mit «Trink mit mir» oder dem Native-Featuring «Kryptonit». La Nefera. Basel. nach Veränderung: Speziell im letzten Jahr machte sich sich oft und gern stark für mehr Frauen im Schweizer Musikbusiness und setzte als einzige Rapperin am Hip-Hop-Gipfeltreffen Virus Bounce Cypher 2018 ein Statement. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr lebte La Nefera in der Dominikanischen Republik, was man ihren Texten anhört: Sie rappt auf Spanisch. Lord Kesseli & the Drums. St. Gallen. wie eine eine Predigt, über die Dan Brown einen Bestseller schreiben würde. Egal, wie sanft die Stücke des Duos beginnen, am Ende befindest du dich stets in wuchtiger Trance, was die St. Galler zum 2019er-Gegenstück von Zeal & Ardor macht, die letztes Jahr auf der «Lift Up»-Liste standen – einfach mit weniger Blues, dafür mehr Synthie-Gefrickel. Naim. Basel. , als hätte F. Gary Gray den Soundtrack für einen im Jahr 2029 spielenden Hood-Streifen bestellt. Sein düsterer, von schweren Synthies umgarnter R&B brachte dem Basler 2017 den Urban-Sieg in der m4music-Demotape-Clinic ein. Damals trat er noch unter dem Alias Zøla auf, jetzt verwendet er seinen echten Vornamen. Naomi Lareine. Zürich. , als hätte sich ein New Yorker Track auf diese Liste verirrt. Die unverschämt leichtfüssigen und schampar sexy tänzelnden Lieder «Sweet Latina» und «Issa Vibe» stammen jedoch aus der Feder und Kehle dieser Zürcherin, die unweigerlich Erinnerungen an R&B-Soul-Königinnen wie Aaliyah, Alicia Keys und Ashanti weckt. Priya Ragu. Zürich. nach Hängematte. Am Strand. Also an einem kitschigen, wie auf einer stark gephotoshoppten Postkarte. Und bei Sonnenuntergang. Dazu so ein Drink, der mit Röhrli aus einer Kokosnuss geschlürft wird. Und nach dem Trinken wird vielleicht noch ein wenig gefummelt, «Leaf High» ist schliesslich eine Schlafzimmer-Nummer sondergleichen. Sirens of Lesbos. Bern. nach Déjà-entendu – zumindest an der Mikrofonfront. Tatsächlich: Nabyla Serag, die in den letzten Jahren mit All XS von sich reden und hören machte, spannte mit ihrer Schwester Jasmina und drei weiteren Barfüsslern (also zumindest dem Pressefoto nach) zusammen, um als Sirens of Lesbos discotastischen Funk-Pop zu kredenzen, der einer Kollabo zwischen Donna Summer und Jungle entstammen könnte. Steiner & Madlaina. Zürich. wie Faber, nur eben 200 Prozent weiblicher. Die Zürcherinnen rauchen und musizieren aber auch im selben Dunstkreis wie der Rumpelpop-Tausendsassa und treffen mit ihren verkopften deutschen Texten und schunkelig-eingängigen Melodien den Nerv der Zeit.

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Zum zweiten Mal legt das Musikportal «Noisey» seine «Lift Up»-Liste mit den Künstlern vor, die das Potenzial haben, dieses Jahr Dauergast auf Livebühnen und Streaming-Playlists zu sein – ähnlich wie das «Sound of» von BBC, einfach für die Schweiz.

Umfrage
Welchen der «Noisey Lift Up 2019»-Acts hypst du am meisten?

Zusammengestellt haben die ­zehn Namen eine geschmackssichere Jury, bestehend aus rund 50 Vertretern aus der Schweizer Branche, darunter Musiker, Booker und Journalisten.

Oben in der Bildstrecke erfährst du, wer die Acts sind (in alphabetischer, nicht wertender Reihenfolge), drüben bei Spotify hörst du dir die offizielle «Lift Up 2019»-Playlist an, und hier unten liefern wir dir je eine musikalische Kostprobe von ihnen.

Asbest – «They Kill»

Black Sea Dahu – «In Case I Fall For You»

Cobee – «Kryptonit» feat. Nativ

La Nefera live am Virus Bounce Cypher 2018

Lord Kesseli & the Drums – «Chemical Mother»

Naim – «Road»

Namoi Lareine – «Issa Vibe»

Priya Ragu – «Leaf High»

Sirens of Lesbos – «Shotgun»

Steiner & Madlaina – «Das schöne Leben»

(shy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Launedernatur am 09.01.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähm, doch.

    Es gibt zu viel gute Musik, als dass ich meine Zeit mit Charts anhören vergeuden würde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Launedernatur am 09.01.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähm, doch.

    Es gibt zu viel gute Musik, als dass ich meine Zeit mit Charts anhören vergeuden würde.