Johnny Winter

17. Juli 2014 13:18; Akt: 17.07.2014 14:18 Print

Blues-Legende lag tot in Zürcher Hotelzimmer

Der Blues-Gitarrist Johnny Winter ist tot: Der 70-jährige Amerikaner ist am Donnerstag in einem Hotelzimmer bei Bülach verstorben.

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Johnny Winter an einem Konzert in Spanien im Sommer 2008. Er starb am 17. Juli 2014 im Alter von 70 Jahren in einem Zürcher Hotelzimmer. (Bild: Keystone/J.F.Moreno)

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Der Blues-Gitarrist Johnny Winter ist tot. Er ist in der Nacht auf Mittwoch in einem Hotelzimmer im Bezirk Bülach tot aufgefunden worden, wie eine Sprecherin der Kantonspolizei Zürich bestätigte. Winter war im Februar 70 Jahre alt geworden.

Der Staatsanwalt habe eine Obduktion angeordnet, doch man gehe von einer medizinischen Todesursache aus. Hinweise auf Fremdeinwirkung lägen keine vor, so die Sprecherin.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere galt Johnny Winter als der beste weisse Bluesmusiker. Das virtuose Gitarrenspiel und die heisere Stimme waren die Markenzeichen des Texaners. Die Plattenfirmen wollten ihn zu einem neuen Hendrix machen. Aber den Albino zog es zum erdigen Blues der Schwarzen.

Erst spielte er Klarinette

John Dawson Winter III wurde am 23. Februar 1944 in Beaumont, Texas, als Sohn eines Baumwollplantagen-Besitzers geboren. Als Fünfjähriger begann er mit Klarinette, später fand er über die Ukulele zur Gitarre.

Mit dem drei Jahre jüngeren Bruder Edgar, der wie Johnny an Albinismus leidet, gründete der Texaner seine ersten Bands. Sein Studium brach er vorzeitig ab, versuchte in der Blues-Metropole Chicago sein Glück, kehrte aber bald in seine texanische Heimat zurück. Dort tingelte er mit verschiedenen Gruppen durch die Musikclubs und durfte zuweilen Blues-Grössen bei Studio-Aufnahmen begleiten.

Der «schielende Albino»

Eine Reportage der Rockzeitschrift «Rolling Stone», die Winter als das «heisseste Stück neben Janis Joplin» beschrieb, verhalf dem Musiker 1968 zum Durchbruch. «Stellt euch einen 130 Pfund leichten, schielenden Albino mit langen, wehenden Haaren vor, der so ziemlich die schneidigste Gitarre spielt, die ihr je gehört habt», hiess es in dem Bericht, der die Plattenfirmen auf den Musiker aus der Provinz aufmerksam machte.

1969 erhielt Winter seinen ersten hoch dotierten Vertrag und trat beim Woodstock-Festival auf. Allerdings enttäuschte er die Hoffnungen der Rock-Fans auf einen «neuen Hendrix», denn er fühlte sich eher einem erdigen Blues verbunden.

Schon bald musste er zur Behandlung einer Heroinsucht eine längere Auszeit nehmen. Mit der LP «Still Alive And Well» feierte Winter 1973 ein erfolgreiches Comeback. Bis zuletzt veröffentlichte er mehr als zwei Dutzend LPs und CDs, von denen drei für die Grammy-Musikpreise nominiert wurden.

Bis zuletzt aktiv

Ende der 70er-Jahre ging für Winter ein Traum in Erfüllung: Er nahm als Produzent drei LPs mit seinem alten Vorbild Muddy Waters auf und begleitete die Blues-Legende auf der Gitarre. Gemeinsam holten sie drei Grammys.

Später wurde es um ihn merklich stiller. Seine Platten erhielten gute Kritiken, aber der Blues-Rock war aus der Mode gekommen. Winter liess sich jedoch auf keine Kompromisse ein und blieb bis heute seinem Stil treu.

Johnny Winter war bis zuletzt aktiv, im August war er fast täglich für Konzerte gebucht. Am 8. November hätte der US-Amerikaner in der Konzertfabrik in Pratteln auftreten sollen. Am 2. September erscheint sein neues Album «Step Back».

Die Jahre zuletzt waren allerdings nicht spurlos an dem Musiker vorübergegangen. Schon seit einiger Zeit war Winter bei seinen Konzerten nicht mehr verzückt über die Bühne gesprungen und auch nicht mehr vor begeisterten Fans auf die Knie gesunken. Er war gesundheitlich so angegriffen, dass er während seiner Auftritte zumeist auf einem Stuhl sass.

(zum/sda)