15. April 2005 12:55; Akt: 15.04.2005 13:01 Print

Chart-Manipulation: Ermittlungen gegen Musikproduzent

Gegen den unter Manipulationsverdacht stehenden Musikproduzenten David Brandes ermittelt nun die Staatsanwaltschaft im baden-württembergischen Lörrach wegen Betrugsverdacht.

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Dabei geht es aber nicht um die angeblichen gezielten Plattenkäufe für die deutsche Grand-Prix-Kandidatin Gracia, sondern um einen Produktions- und Vermarktungsvertrag aus dem Mai 2003, wie Staatsanwalt Rolf Stolle am Freitag der Nachrichtenagentur AP sagte. «Die Anzeige einer aus mehreren Personen bestehenden Gesellschaft ist Mitte März 2005 eingegangen.»

Brandes, der in Weil am Rhein die Firma Bros Music leitet, soll laut der Anzeige von der Gesellschaft 150.000 Euro für die Produktion einer CD erhalten haben. Den Titel und den Interpret konnte Stolle nicht nennen. Brandes hat der Anzeige zufolge zugesichert, dass er die Platte noch bis August 2003 zu einem Sommerhit machen werde, was aber fehlschlug. «Nun fühlen sich die Anzeigensteller betrogen», berichtete Stolle. «Aus ihrer Sicht hat Brandes sie über die Unwägbarkeiten des Geschäfts nicht ausreichend aufgeklärt.» Laut Stolle wird Brandes zu der Sache noch angehört werden, entweder schriftlich oder persönlich. Ein Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest.

Vergangene Woche waren vier Singles und zwei Alben wegen Manipulationsverdacht aus den Charts genommen worden, alle wurden von Brandes produziert. Die Titel sollen gezielt gekauft worden sein, um sie in der Hitparade nach oben zu hieven. Darunter ist auch der deutsche Beitrag für den Eurovision Song Contest in Kiew, «Run & Hide» von Gracia. Laut dem deutschen Phono-Verband ist der Fall einmalig in der deutschen Chart-Geschichte.

Von dem Ausschluss betroffen sind neben der Gracia-Single die Titel «I Know» und «Blue Tattoo» von Vanilla Ninja, «Heaven is a Place on Earth» von Virus Incorporation sowie die Alben «Traces of Sadness» und «Blue Tattoo» von Vanilla Ninja.

Brandes war für eine Stellungnahme am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Er hat bereits eine interne Untersuchung angekündigt und erklärt, der Kauf von eigenen Produkten sei in der Branche gängig, um Vertriebswege zu kontrollieren.

(ap)