Britischer Superstar

11. Januar 2016 07:57; Akt: 11.01.2016 13:48 Print

David Bowie ist «friedlich eingeschlafen»

Mit 69 Jahren ist der britische Musiker David Bowie gestorben. Er erlag einem Krebsleiden.

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Verstarb im Kreis seiner Familie: David Bowie, hier an einem Konzert in Hartford. (14. September 1995) Im Januar 2016 kam sein letztes Album «Blackstar» auf den Markt. David Robert Haywood Jones, wie David Bowie mit bürgerlichem Name heisst, kommt am 8. Januar 1947 in London zur Welt und verbringt seine Kindheit in Brixton. Mit 9 entdeckt er den Rock 'n' Roll und mit 15 steht er bereits als Saxophonist auf der Bühne. In den frühen 1960er-Jahren sammelt Bowie Erfahrungen als Sänger und Musiker in verschiedenen Bands wie den Manish Boys oder den Lower Third, die alle keine grössere Bekanntheit erlangen. Der erste Hit: Mit der Weltraumballade «Space Oddity» gelingt Bowie der erste kommerziell erfolgreiche Song. Inspiriert durch Kubricks Film «2001: Odyssee im Weltraum» beschreibt er darin den Flug und das tragische Ende des fiktiven Astronauten Major Tom. Der Durchbruch: Mit dem Konzept-Album «The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars» (1972) und der anschliessenden Welttournee, die bis 1973 dauert, wird er weltweit bekannt. Gründe für den Erfolg sind unter anderem auch sein Aufsehen erregendes Alter Ego «Ziggy Stardust» sowie seine homoerotische Bühnenshow. Beim letzten Konzert am 3. Juli 1973 lässt Bowie «Ziggy Stardust» sterben. Als «Aladdin Sane» (a lad insane - ein verrückter Typ) und mit dem gleichnamigen Album, welches bis heute als eines der wichtigsten Glamrock-Alben gilt, setzt der Musiker seinen Siegeszug und seine Verwandlungskünste fort. Auf der Tour zum Konzeptalbum «Diamond Dogs» (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells «1984» basiert, schlüpft Bowie in die Rolle des «Halloween Jack». Mit der Tour endet auch seine Glamrockphase. Musikalischer Neuanfang: Bowie zieht nach New York und besinnt sich auf den Rhythm and Blues und Soul. Das Album «Young Americans» enthält die Bowie-Lennon-Komposition «Fame». Bowie kleidet sich neu in Massanzügen. Nächste Station: Für die folgende Schaffensphase und das Album «Station to Station» (1976) legt Bowie sich ein neues Alter Ego zu. Der «Thin white Duke» ist eine schattenhafte Figur, die von Amerika zurück nach Europa kehrt, um seine Wurzeln zu erkunden. Bowie lebt in dieser Zeit eigenen Angaben zufolge hauptsächlich von Kokain, Pepperoni und Milch. Die Berlin-Phase: Bowie bezieht in Berlin (Schöneberg) eine kleine 2-Zimmer Wohnung. Im gleichen Haus wohnt auch Iggy Pop. Bowie schreibt für dessen Alben «The Idiot» und «Lust For Life» einen Grossteil der Musik. Die von Brian Eno produzierten Werke «Low», «Heroes» und «Lodger» (auch Berlin-Trilogie genannt) beinhalten viele Instrumentalstücke und Soundcollagen. Einflüsse von Bands wie Kraftwerk oder Cluster sind deutlich zu hören. Der Schauspieler: Gewohnt, sich in andere Figuren zu versetzen, verzeichnet Bowie auch als Schauspieler einige Erfolge. Unter anderem in: «Der Mann, der vom Himmel fiel», «Furyo Merry Christmas, Mr. Lawrence» und «Christiane F.» Massentauglich: Bowie lässt seine experimentelle Phase vorerst hinter sich und veröffentlicht mit «Let's Dance» die kommerziell erfolgreichste Platte seiner Karriere. Schaffenskrise: Die folgenden Alben «Tonight» und «Never Let Me Down» werden von Kritikern verrissen. Die Single «Dancing In The Street», die er mit Mick Jagger zugunsten des Live-Aid-Projektes aufnimmt, wird jedoch ein grosser Erfolg. Mit dem Projekt «Tin Machine» nimmt Bowie drei nur mässig erfolgreiche Alben auf. Er besteht darauf, ein normales Bandmitglied ohne Sonderrolle zu sein. Bowie veröffentlicht bis ins Jahr 2003 fünf weitere Alben: Das von Brian Eno produzierte und experimentierfreudige «Outside » (1995), das von Drum and Bass beeinflusste «Earthling» (1997),«Reality»(2003). David Bowie ist seit 1992 in zweiter Ehe mit dem Model Iman Abdulmajid verheiratet. Sie leben mit ihrer gemeinsamen Tochter in New York. Aus der ersten Ehe mit Angela Barnett stammt der Sohn Duncan Zowie Haywood Jones. Reich und einflussreich: Mit einem geschätzten Vermögen von 900 Millionen Euro gilt Bowie als einer der vermögendsten Künstler weltweit. Das englische Musikmagazin «New Musical Express» wählte ihn im Jahre 2000 zudem zum «einflussreichsten Popmusiker aller Zeiten».

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Laut einem Eintrag auf dem Facebook-Profil von David Bowie ist der Sänger am Sonntag im Kreis seiner Familie «friedlich eingeschlafen». Die Familie bitte darum, ihr Zeit zur Trauer zu gewähren und die Privatsphäre zu respektieren.

January 10 2016 - David Bowie died peacefully today surrounded by his family after a courageous 18 month battle with...

Posted by David Bowie on Sonntag, 10. Januar 2016

Bowies Sohn Duncan Jones schrieb bei Twitter, er sei sehr traurig sagen zu müssen, dass die Todesnachricht wahr sei. Dazu postete er ein altes Bild, auf dem zu sehen ist, wie er als Kleinkind auf Bowies Schultern sitzt.

David Bowie gehörte zu grössten und einflussreichsten Musikern der vergangenen Jahrzehnte. Am Sonntag verlor er den Kampf gegen ein Krebsleiden, an dem er seit 18 Monaten litt. Erst in der vergangenen Woche hatte der Brite ein neues Album herausgebracht: «Blackstar» erschien am Freitag – seinem 69. Geburtstag. Es enthält nur sieben Songs. Kritiker lobten die neuste Platte. Zuvor hatte Bowie im Jahr 2013 das Album «The Next Day» herausgebracht.

In den vier Jahrzehnten seines Künstlertums beeinflusste der Superstar mehrere Generationen von Musikern. Er war als Texter, Komponist und Interpret aktiv. Berühmt war Bowie für seine exzentrische, schrille Art. Sein erster Welthit war 1969 «Space Oddity» aus seinem Debütalbum «David Bowie». Der Erfolg war überwältigend. Mit Songs wie «Let's Dance», «China Girl», «Modern Love», «Fame» und «Heroes» feierte er seine grössten Triumphe. Kultstatus erreichten Alben wie «Aladdin Sane» und «Diamond Dogs». Er lebte von 1976 bis 1979 auch in West-Berlin.

Grösste Erfolge in den 70ern

Bowie wurde als David Jones am 8. Januar 1947 in Brixton geboren. Er wuchs in dem noblen Londoner Vorort Bromley auf. Bowie liess sich für einen grafischen Beruf ausbilden, ehe er Saxofon lernte und Schauspielunterricht nahm. In den 70er-Jahren feierte er seine grössten Erfolge mit «The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars». Dabei schuf er auch die Figur des bisexuellen Ziggy. Sein androgynes Aussehen wurde zu seinem Markenzeichen.


Sein letzter Streich: «Blackstar» von David Bowie. (Quelle: Youtube/DavidBowieVEVO).


Einer seiner grössten Hits: «Space Oddity» aus dem Jahr 1969. Quelle: Youtube/David Bowie)

Kein Kostüm war ihm zu verrückt

Im Anschluss kreierte Bowie Lieder und Figuren wie «Major Tom», «Thin White Duke» oder «Young American». «Die Zeit» schrieb 1989, keiner habe «dem Publikum so viele Gesichter gezeigt» wie Bowie, und wenn er Aufmerksamkeit wollte, sei ihm keine Pose zu exzentrisch, kein Kostüm zu verrückt gewesen.

In Berlin produzierte Bowie mit Brian Eno eine avantgardistische Pop-Trilogie aus den Alben «Low», «Heroes» und «Lodger». Er arbeitete auch mit anderen Topstars der Branche zusammen. Anfang der 80er-Jahre nahm er etwa mit der Band Queen den Song «Under Pressure» auf.

Mitte der 80er-Jahre wirkte Bowie jedoch ausgebrannt, wie Kritiker monierten. Ende der 80er-Jahre versuchte er ein Comeback und tourte mit der Hardrock-Band Tin Machine. Der durchschlagende Erfolg blieb ebenso aus wie bei seinem 1993 veröffentlichten Soloalbum «Black Tie White Noise».

Auch als Schauspieler tätig

2002 brachte Bowie sein Album «Heathen» auf den Markt, mit dem er nach Kritikermeinung an alte Erfolge anknüpfen konnte. Danach wurde es ruhiger um ihn. Er soll einen Herzinfarkt erlitten haben. Vor drei Jahren dann brachte er das Album «The Next Day» auf den Markt.

Auch als Schauspieler hatte Bowie Auftritte: Zu sehen war er unter anderem in Filmen wie «The Man Who Fell To Earth», in «Christiane F.», dem Vampirfilm «Begierde» und «Ziggy Stardust». Bowie, bekennender Buddhist, war zwei Mal verheiratet und hat zwei Kinder. Das Supermodel Iman hatte er 1992 geheiratet.

(dia/sda/ap/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gina Bringold am 11.01.2016 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie traurig

    R.I.P. David Bowie! deine Musik war ein Teil meiner Jugend!

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  • Anastasios Ghiatras am 11.01.2016 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Legende

    Ruhe in Frieden....

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  • ElDave am 11.01.2016 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rest in peace

    Einer der grössten spielt jetzt seine Musik bei den Engeln RIP David!

Die neusten Leser-Kommentare

  • J.R. am 12.01.2016 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Twin Peaks

    David Bowie hatte zudem eine kleine Rolle in der Serie "Twin Peaks". Zu sehen ist der legendäre Ausschnitt auf youtube :) Epic!

  • rogeriu am 12.01.2016 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .R.I.P.

    .R.I.P. DAVID BOV.V.I.E. Erstes von mir gesehenes Musikvideo "Let's Dance" 1983 in Bruno Bieris Tiparade. Grandios.

  • Wälti am 12.01.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute

    Solche Musiker gibt es leider viel zu wenig heute.

  • Pate am 12.01.2016 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provokativer Künstler

    Schade um ihn. Seine Musik war genial und such provokativ

  • ---- am 12.01.2016 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    R.I.P, aber ich habe seine Songs nie gehört.