«Friday, Friday»

22. März 2011 14:25; Akt: 22.03.2011 17:22 Print

Der beste schlechteste Song aller Zeiten

von Niklaus Riegg - Rebecca Black ist ein modernes Musikphänomen. Das Video zu ihrem Song wurde auf YouTube 30 Millionen mal angeklickt. Doch den Ruhm hat sich die 13-Jährige wohl anders vorgestellt.

30 Millionen Views: Der Trash-Song «Friday» von Rebecca Black. (Quelle: YouTube)
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Die Story erinnert an Money Boy: Rebecca Black ist talentfrei, ihr Song ist trashig. Und trotzdem wird ihr Video zu ihrem Liedchen «Friday» auf YouTube millionenfach angeklickt.

«Ein neues Level von schlecht»

Weil Black aber nicht wie Money Boy aus Österreich, sondern aus den USA kommt, nimmt der Hype ganz andere Dimensionen an. Angefangen hat es auf dem Satire-Blog Comedycentral.com. Am 11. März wurde dort das Video unter dem Titel «Songwriting ist nicht für jedermann» gepostet – und das Unheil nahm seinen Lauf. Alleine dieser Blogeintrag wurde 10 000 Mal auf Facebook gepostet und tausendfach kommentiert. Doch nicht etwa, weil der Song so gut ist – sondern so unfassbar billig. Oder wie es drei Tage später das renommierte «Time»-Magazin schrieb: «Hier haben wir es mit einem ganz neuen Level von schlecht zu tun.» Für den «Rolling Stone» ist der Track eine «unfreiwillige Parodie auf den modernen Pop-Song».

Black-Plague statt Bieber-Fever

Jetzt war die «Friday»-Mania nicht mehr aufzuhalten. Rebecca Black war die Erste, die es schaffte, Charlie Sheen wieder als meistgetwittertes Thema zu verdrängen – und dann, quasi als Ritterschlag, wurde Justin Bieber auf sie aufmerksam. In Anspielung auf die bizarr simplen Lyrics von «Friday» twitterte er: «Sunday comes after Saturday? Weird.» Während vorher im Internet noch das Bieber-Fever grassierte, war eine neue Krankheit geboren: The Black-Plague. Und wie die Pest breitet sich der Song weiter aus. Rebecca Black wird in Talkshows eingeladen, der Song ist in die Top 40 der iTunes-Charts eingestiegen – und hat sich dort vor Justin Bieber platziert. Und das alles ganz ohne Talent.

Berüchtigt statt berühmt

Doch Rebecca Black hat sich das Popstar-Dasein wohl etwas anders vorgestellt. Denn Black ist eher berüchtigt als berühmt. Auf YouTube finden 90 Prozent ihren Song schlecht (bei Money Boy sind es nur etwa 65 Prozent), die rund 160 000 Kommentare dürften auch überwiegend negativ sein. Und die Attacken in den Kommentaren sind sehr persönlich: «Schneide deine Pulsadern auf und stirb» oder «Bekomm eine Essstörung, damit du hübsch wirst». «Als ich diese dreckigen Kommentare sah, musste ich weinen», so Black in ihrem ersten Video gegenüber dem US-Sender ABC. Auch ihre Mutter Georgina, welche ihrer Tochter die 2000 Dollar teuren Video- und Song-Aufnahmen bezahlte, ist entrüstet: «Wenn ich ehrlich bin: Ich könnte die Leute, die so gemeine Sachen über mein Baby sagen, umbringen. Aber das bringt ja nichts.»

«Ein Meisterwerk»

Doch jetzt bekommt der Teenager Unterstützung von prominenter Seite: «X Factor»-Erfinder Simon Cowell nennt das Lied «genial». Er habe noch nie erlebt, dass «ein Song so viel Kontroverse auslöst», so das Produzentengenie in einem Interview mit «Entertainment Weekly». Und auch Eli Seidman von der US-Erfolgsserie «Glee» ist angetan von «Friday»: «Alles an dem Song ist grosse Kunst, er ist ein Meisterwerk. Man sollte ihn in ein Museum hängen», so Seidman gegenüber dem Magazin «OK!». Die Macher von «Glee» überlegen sich, den Song sogar in der Serie zu covern. So kommt Rebecca Black vielleicht doch noch zu der Berühmtheit, die sie sich eigentlich erhofft hatte.