Grosse Trauergemeinde

12. Januar 2016 05:10; Akt: 12.01.2016 05:27 Print

Ein Gedenkkonzert zu Ehren David Bowies

Hunderte Fans trauerten in London, Berlin und New York um den überraschend verstorbenen Sänger. Mehrere Künstler werden an einem Konzert für David Bowie auftreten.

Bildstrecke im Grossformat »
David Bowie im Sarong: Der am 10. Januar 2016 verstorbene Musiker hatte zu Lebzeiten einige Zeit in Bali verbracht. (undatiertes Foto) David Bowie mit seiner langjährigen Assistentin Corinne «Coco »Schwab in New York. (Oktober 2012) Verstarb im Kreis seiner Familie: David Bowie, hier an einem Konzert in Hartford. (14. September 1995) Im Januar 2016 kam sein letztes Album «Blackstar» auf den Markt. David Robert Haywood Jones, wie David Bowie mit bürgerlichem Name heisst, kommt am 8. Januar 1947 in London zur Welt und verbringt seine Kindheit in Brixton. Mit 9 entdeckt er den Rock 'n' Roll, und mit 15 steht er bereits als Saxofonist auf der Bühne. In den frühen 1960er-Jahren sammelt Bowie Erfahrungen als Sänger und Musiker in verschiedenen Bands wie den Manish Boys oder den Lower Third, die alle keine grössere Bekanntheit erlangen. Der erste Hit: Mit der Weltraumballade «Space Oddity» gelingt Bowie der erste kommerziell erfolgreiche Song. Inspiriert durch Kubricks Film «2001: Odyssee im Weltraum» beschreibt er darin den Flug und das tragische Ende des fiktiven Astronauten Major Tom. Der Durchbruch: Mit dem Konzeptalbum «The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars» (1972) und der anschliessenden Welttournee, die bis 1973 dauert, wird er weltweit bekannt. Ein Grund für den Erfolg ist unter anderem auch sein Aufsehen erregendes Alter Ego «Ziggy Stardust» sowie seine homoerotische Bühnenshow. Beim letzten Konzert am 3. Juli 1973 lässt Bowie «Ziggy Stardust» sterben. Als «Aladdin Sane» (a lad insane – ein verrückter Typ) und mit dem gleichnamigen Album, welches bis heute als eines der wichtigsten Glamrock-Alben gilt, setzt der Musiker seinen Siegeszug und seine Verwandlungskünste fort. Auf der Tour zum Konzeptalbum «Diamond Dogs» (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells «1984» basiert, schlüpft Bowie in die Rolle des «Halloween Jack». Mit der Tour endet auch seine Glamrockphase. Musikalischer Neuanfang: Bowie zieht nach New York und besinnt sich auf den Rhythm and Blues und Soul. Das Album «Young Americans» enthält die Bowie-Lennon-Komposition «Fame». Bowie kleidet sich neu in Massanzüge. Nächste Station: Für die folgende Schaffensphase und das Album «Station to Station» (1976) legt Bowie sich ein neues Alter Ego zu. Der «Thin white Duke» ist eine schattenhafte Figur, die von Amerika zurück nach Europa kehrt, um seine Wurzeln zu erkunden. Bowie lebt in dieser Zeit eigenen Angaben zufolge hauptsächlich von Kokain, Peperoni und Milch. Die Berlinphase: Bowie bezieht in Berlin (Schöneberg) eine kleine 2-Zimmer-Wohnung. Im gleichen Haus wohnt auch Iggy Pop. Bowie schreibt für dessen Alben «The Idiot» und «Lust for Life» einen Grossteil der Musik. Die von Brian Eno produzierten Werke «Low», «Heroes» und «Lodger» (auch Berlin-Trilogie genannt) beinhalten viele Instrumentalstücke und Soundcollagen. Einflüsse von Bands wie Kraftwerk oder Cluster sind deutlich zu hören. Der Schauspieler: Gewohnt, sich in andere Figuren zu versetzen, verzeichnet Bowie auch als Schauspieler einige Erfolge. Unter anderem in: «Der Mann, der vom Himmel fiel», «Furyo Merry Christmas, Mr. Lawrence» und «Christiane F.». Massentauglich: Bowie lässt seine experimentelle Phase vorerst hinter sich und veröffentlicht mit «Let's Dance» die kommerziell erfolgreichste Platte seiner Karriere. Schaffenskrise: Die darauffolgenden Alben «Tonight» und «Never Let Me Down» werden von Kritikern verrissen. Die Single «Dancing in the Street», die er mit Mick Jagger zugunsten des Live-Aid-Projektes aufnimmt, wird jedoch ein grosser Erfolg. Mit dem Projekt «Tin Machine» nimmt Bowie drei nur mässig erfolgreiche Alben auf. Er besteht darauf, ein normales Bandmitglied ohne Sonderrolle zu sein. Bowie veröffentlicht bis ins Jahr 2003 fünf weitere Alben: Das von Brian Eno produzierte und experimentierfreudige «Outside» (1995), das von Drum and Bass beeinflusste «Earthling» (1997),«Reality»(2003). David Bowie ist seit 1992 in zweiter Ehe mit dem Model Iman Abdulmajid verheiratet. Sie leben mit ihrer gemeinsamen Tochter in New York. Aus der ersten Ehe mit Angela Barnett stammt der Sohn Duncan Zowie Haywood Jones. Reich und einflussreich: Mit einem geschätzten Vermögen von 900 Millionen Euro gilt Bowie als einer der vermögendsten Künstler weltweit. Das englische Musikmagazin «New Musical Express» wählte ihn im Jahr 2000 zudem zum «einflussreichsten Popmusiker aller Zeiten».

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Rockstar David Bowie, der am Sonntag überraschend im Alter von 69 Jahren verstorben ist, wird mit einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall geehrt. Die bereits seit Monaten geplante Veranstaltung wurde am Montagmorgen offiziell bekannt gegeben, kurz bevor Bowies Manager den Tod der Musikikone bekannt gab. Auf dem Konzert am 31. März sollen Künstler auftreten, die von dem vielseitigen britischen Musiker beeinflusst wurden.

Michael Dorf, der das Konzert nach eigenen Angaben seit sechs Monaten organisiert, sprach von einem «traurigen Zufall». Die Tickets für das Konzert, auf dem die flamboyante Popsängerin Cyndi Lauper und der Rockmusiker Perry Farrell auftreten sollen, waren rasch ausverkauft. Auch Bowies langjähriger Manager Tony Visconti, die Soulsängerin Bettye Lavette und der Rocker Robyn Hitchcock werden bei der Show erwartet.

Fans trauern

Hunderte Fans haben an David Bowies Geburtsort im Londoner Stadtteil Brixton des am Sonntag überraschend verstorbenen Pop- und Rockstars gedacht. Zahlreiche Fans legten am Montagabend in dem Viertel im Süden Londons Blumen vor dem Wandgemälde nieder, das den Musiker mit seinem berühmten Blitz-Makeup zeigt, mit dem er 1973 als die Bühnenfigur «Aladdin Sane» aufgetreten war.

Auch in Berlin und New York versammelten sich zahlreiche Menschen an seinen früheren Wohnhäusern. «RIP David, ein Starman ist in den Himmel aufgefahren. In Liebe ein alter Freund», hiess es auf einem Blumenstrauss in London. Viele Fans hoben die Bedeutung Bowies in ihrem Leben und für ihre Zeit hervor. «Er war solche ein erstaunlicher Mensch. Er steht für meine Jugend und die Infragestellung von Genderstereotypen», sagte der 66-jährige Charlie Rice. «Für Schwule war er ein Leitstern, der uns Hoffnung gab.»

Von Berlin bis New York

Bowie hatte 1972 in einem Interview verkündet, er sei schwul. Später heiratete er aber zwei Mal und äusserte sich wenig zu seiner Sexualität. Der vielseitige Musiker verbrachte seine ersten sechs Jahre in Brixton. In den 70er Jahren lebte er dann einige Jahre in West-Berlin – eine seiner kreativsten Perioden. Am Montagabend legten vor seinem früheren Wohnhaus viele Fans Bilder nieder und entzündeten Kerzen in seinem Gedenken.

Auch im schicken New Yorker Viertel Soho, wo Bowie zuletzt lebte, gedachten Fans des Musikers.

Der Tod Bowies kam überraschend, da er seine 18-monatige Krebserkrankung weitgehend geheim gehalten hatte. Erst am Freitag war zu seinem 69. Geburtstag das neue experimentelle Album «Blackstar» erschienen. Der Rock- und Popmusiker prägte nicht nur über Jahrzehnte die Musikszene, sondern gab auch wichtige Impulse für Mode und Theater. So schrieb er die Musik für das Theaterstück «Lazarus», das derzeit in New York läuft.

(chk/afp)