«The bearded Lady»

11. Mai 2014 20:27; Akt: 12.05.2014 13:33 Print

Ein haariges Phänomen feiert sein Comeback

Mann oder Frau - ein Phänomen kehrt zurück ins Rampenlicht. Die bärtige Frau war einst Zirkusattraktion und Ausstellungsobjekt. Auch eine Schweizerin schrieb Geschichte.

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Conchita Wurst - die Frau mit Bart sorgt für Verwirrung und Begeisterung zugleich. Das Phänomen der «bearded Lady» ist aber schon Jahrhunderte alt. Madame Devere aus Kentucky, fotografiert anfangs des 19. Jahrunderts. Frauen mit Bart waren zu dieser Zeit eine echte Attraktion. Zu ihnen gehört auch Josphine Clofullia. Die Schweizerin zählte zu den ersten bekannten «bearded ladies». Sie tourte mit ihrem Vater durch Europa und Amerika. Ein Bild einer «bearded lady» in einem Zirkus in England, ca. 1930. Madame Delait in ihrer ganzen Bartpracht. Die Französin besass ein kleines Café in Thaon-les-Vosges in Lorraine. Bei einem Zirkusbesuch mit ihrem Mann sah sie eine Frau mit Bart und war überzeugt, sie könnte sich den schöneren Bart wachsen lassen. Gesagt, getan und ein paar Jahre später hiess das kleine Café «Le Café de La Femme a Barbe». Krao Farini zählt ebenfalls zu den bearded ladies. Das Mädchen wurde 1885 im Laotischen Dschungel gefunden und im berühmten «American Museum» von P. T. Burnam in New York zur Schau gestellt. Filmemacher Tod Browning und ein Teil seines Casts für den Film «Freaks». Auch Jane Burnell alias Lady Olga Roderick (ganz rechts) spielte in dem Streifen mit. Eine bärtige Dame aus der neueren Zeit. Jessa ist Teil einer US-amerikanischen Freakshow. Sie zählt wohl zu den heissesten bearded ladies. Schauspielerin Salma Hayek liess sich für den Film «Cirque du Freak: The Vampires Assistant» einen Bart wachsen... ähh, ankleben. Sie mochte ihn übrigens gar nicht. Ob man es mag oder nicht, ein Hingucker ist Conchita Wurst allemal und... ... das ist ja auch eines ihrer selbstgesteckten Ziele: Aufmerksamkeit generieren im Kampf gegen Diskriminierung von Homosexuellen. Im Internet ist Conchita Wurst zum neuen Liebling mutiert. Selbst Kaiserin Sissi wird verwurstet und bekommt einen Vollbart. Oder wie wärs mit einer Banane von Conchita? Oder einer süssen Versuchung? Auch Lego liess es sich nicht nehmen und ehrt die Wurst mit einer eigenen Plastikfigur.

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Menschen, die anders sind, sorgen für Aufmerksamkeit. Das machte sich auch Conchita Wurst zunutze. Die Frau mit Vollbart und Abendkleid ist in Tat und Wahrheit ein Mann – ein ganzer Mann. Er trägt Perücke und setzt sich mit seiner Kunstfigur gegen die Diskriminierung von Homosexuellen ein. Das Phänomen der «bearded Lady» ist aber alt.

Die ersten Frauen mit Gesichtsbehaarung sorgten vor allem im 19. Jahrhundert als Zirkusattraktionen und Ausstellungsobjekte in sogenannten Freakshows für einen Besucheransturm. Eine von ihnen war die Schweizerin Josephine Clofullia. Geboren 1827 hatte sie angeblich bereits im Alter von acht Jahren einen Vollbart. Als Teenager zog sie mit ihrem Vater durch Europa und wurde schnell berühmt. In den Mitte des 19. Jahrhunderts zog es Jospehine zusammen mit ihrem Vater, ihrem Ehemann und ihrem Sohn nach Amerika, wo sie fester Bestandteil des «American Museum» von P.T. Barnum in New York wurde. Einer Mischung aus Gruselkabinett und Kuriositätensammlung.

Von der Freakshow ins Kino und auf die grosse Bühne

Berühmt für ihre flauschige Haarpracht im Gesicht war auch Jane Burnell alias Lady Olga Roderick. Die US-Amerikanerin wurde 1871 geboren und tingelte mit zahlreichen Zirkussen durch die Vereinigten Staaten. Bekanntheit erlangte sie vor allem durch ihren Auftritt in Tom Brownings Doku-Film «Freaks» aus dem Jahr 1932.

Traurige Berühmtheit erlangte auch Julia Pastrana. Die Mexikanerin mit extremer Gesichtbehaarung galt anfangs des 19. Jahrunderts als hässlichste Frau der Welt. Ihr Mann und Manager stellte sie den Massen als Monster zur Schau und das sogar Jahre über ihren Tod hinaus. Er liess Julia mumifizieren und zog mit ihr weiter durch Nordamerika und Europa.

Auch Hollywood nutzt die «bearded Lady»

Ob elegante Dame mit Bart oder bärtiger Kerl in Frauenkleidern – das Geschlecht unter dem Rock tut in diesem Fall nichts zur Sache. Es ist das Phänomen der «bearded Lady», das dank ihr ein Revival erlebt.

Auch Hollywood machte sich die haarige Weiblichkeit schon zu Nutzen. Bestes Beispiel war Salma Hayek mit Vollbart im Film «Cirque du Freak: The Vampires Assistant». Es ist das Ungewöhnliche, das Eigenartige, vielleicht auch Ekelhafte, das erregt. Man muss einfach hingucken, so auch bei Conchita Wurst.

(isa)