Star-Sterblichkeit

06. Januar 2013 22:24; Akt: 07.01.2013 13:59 Print

Europäische Solo-Künstler leben gefährlich

von Jill Lawless, ap - Live fast, die young! Forscher haben das Rock'n'Roll-Credo genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: US-Stars und Band-Musiker leben länger als Euro-Promis und Solo-Künstler.

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Am 23. Juli 2011 wurde Sängerin Amy Winehouse tot in ihrer Wohnung in London aufgefunden. Sie war 27 Jahre alt. Damit gehört sie zum sagenumwobenen "27 Club" der Musiker, die im Alter von 27 Jahren das Zeitliche segneten. Gemeinhin gilt Robert Johnson (8. Mai 1911 - 16. August 1938) als das erste Mitglied dieses makaberen Clubs - eine passende Rolle, gilt sein Ur-Blues auch als Ursprung des Rock'nRolls in allen seinen Variationen. Im Alter von 27 Jahren starb Johnson in Three Forks, Mississippi. Angeblich wurde er von einem eifersüchtigen Ehemann vergiftet. Ebenfalls tot mit 27: Nirvana-Frontmann Kurt Cobain (20. Februar 1967 - 5. April 1994) konnte schlecht mit Drogen und dem Media-Hype umgehen und erschoss sich. Kirsten Pfaff (26. Mai 1967 - 16. Juni 1994), Bassistin von Hole, der Band von Kurt Cobains Witwe Curtney Love, starb an einer Überdosis Heroin. Um ihren Tod gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien. Gitarrengott Jimi Hendrix (27. November 1942 - 18. September 1970) erstickte an seinem Erbrochenen. Die Umstände seines Todes wurden nie ganz geklärt. Sängerin Janis Joplin (19. Januar 1943 - 4. Oktober 1970) starb einer Überdosis Heroin. Der Frontmann von The Doors, Jim Morrison (8. Dezember 1943 - 3. Juli 1971), starb in seiner Pariser Wohnung in der Badewanne. Vermutlich war Heroin im Spiel. Der Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones (28. Februar 1942 - 3. Juli 1969) ertrank im Swimmingpool. Alan Wilson (4. Juli 1943 - 3. September 1970), Gitarrist der Bluesrockband Canned Heat wurde am 3. September 1970 in seinem Pool tot aufgefunden. Der Musiker hatte mit einem Giftcocktail Selbstmord begangen. Ron 'PigPen' McKernan (8. September 1945 i- 8. März 1973), Keyboarder der legendären Band Grateful Dead, starb an offenen Magenblutungen. Der jahrelange Drogenkonsum zollte seinen Tribut.

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Rockstars sterben jünger - jedenfalls deutlich früher als Normalbürger, wie eine Studie britischer Wissenschaftler ergab. Dabei sind Solokünstler besonders gefährdet, Mitglieder von Bands kommen etwas besser weg. In Europa ist die Lebenserwartung der Stars niedriger als in Nordamerika. Haben die europäischen Künstler allerdings 25 Jahre lang durchgehalten, nähert sich ihr Sterberisiko wieder dem von Durchschnittsmenschen an, zeigt die Untersuchung der Forscher um Mark Bellis von der John Moores Universität in Liverpool.

Bellis und Kollegen analysierten die Sterbestatistiken von 1489 Künstlern aus den Genres Rock, Pop, Punk, R & B und New Age, die zwischen 1956 und 2006 berühmt geworden sind. 137 davon starben innerhalb des untersuchten Zeitraums, das entspricht einem Anteil von 9,2 Prozent. Den Mythos des «Clubs 27» - Jim Morrison, Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Kurt Cobain und Amy Winehouse starben im Alter von 27 Jahren (siehe Bildstrecke oben) - zerstören die Wissenschaftler allerdings: Das durchschnittliche Todesalter von verstorbenen Musikern aus Nordamerika lag bei 45,2 Jahren, von europäischen bei 39,6 Jahren.

Für Solisten, so ergab die im Online-Fachblatt «BMJ Open» veröffentlichte Studie, war das Risiko eines frühen Todes etwa doppelt so hoch wie für Bandmusiker. Dies könne daran liegen, dass Letztere in schwierigen Zeiten mehr Rückhalt in ihrer Gruppe fänden, sagte Bellis. «Solo-Künstler, auch wenn sie eine riesige Fan-Gemeinde haben», sind möglicherweise sehr isoliert«, erklärte er. Der Musikkritiker John Aizlewood ergänzte, Solisten erführen zwar mehr Aufmerksamkeit und Schmeicheleien als Mitglieder einer Musikgruppe, stünden aber auch mehr unter Druck.

«Kreativität bringt Qual mit sich»

Die Forscher gingen auch der Frage nach, warum die Künstler eine so deutlich niedrigere Lebenserwartung als Durchschnittsbürger haben: Ein ausschweifender Lebensstil allein sei keine ausreichende Erklärung, betonten sie. In der Studie beschäftigten sie sich mit einem möglichen Zusammenhang zwischen dem erhöhten Sterberisiko der Künstler und negativen Erfahrungen in deren Kindheit wie häusliche Gewalt oder Missbrauch. Ergebnis: Bei Musikern, die mindestens ein solches Erlebnis in jungen Jahren hatten, war das Risiko, dass sie infolge von Drogen- oder Alkoholmissbrauch oder ähnlichem starben, höher.

Allerdings, so betonte der Kulturwissenschaftler Ellis Cashmore von der Universität in Staffordshire, dürfe man auch nicht den Aspekt der künstlerischen Frustration übersehen: Beispiele von Vincent van Gogh über Ernest Hemingway bis hin zu Brian Wilson von den Beach Boys zeigten «die Qual, die Kreativität mit sich bringen kann».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulff am 07.01.2013 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    Um die These des Club 27 zu stützen oder zu widerlegen ist auch nicht der Mittelwert, sondern der Modus relevant.

  • Theorie am 07.01.2013 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungs

    Tja ! Vielleicht ist da auch eine Absicht dahinter. Wenn die Platten sich nicht mehr so gut verkaufen und mit Sensation dann jahrzehnte lang dann ein Mythos hat an dem man Verkauf absetzen kann....

  • Rony Donnald am 07.01.2013 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro Künstler

    mhhhm ich denke mal es sterben genau gleich viel jung auf beiden seiten. nur bei uns sterben halt die bekannteren und nich nur so Amerikanische ein Tages fliegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rony Donnald am 07.01.2013 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro Künstler

    mhhhm ich denke mal es sterben genau gleich viel jung auf beiden seiten. nur bei uns sterben halt die bekannteren und nich nur so Amerikanische ein Tages fliegen.

    • frutti am 07.01.2013 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Bei uns wird ständig verzweifelt nach einem Star gesucht, so dass schliesslich auch noch Wettermoderatoren als solche gelten.

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  • Ulff am 07.01.2013 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    Um die These des Club 27 zu stützen oder zu widerlegen ist auch nicht der Mittelwert, sondern der Modus relevant.

  • Theorie am 07.01.2013 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungs

    Tja ! Vielleicht ist da auch eine Absicht dahinter. Wenn die Platten sich nicht mehr so gut verkaufen und mit Sensation dann jahrzehnte lang dann ein Mythos hat an dem man Verkauf absetzen kann....

  • Frodo am 06.01.2013 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äähhhm.... ketzerische Frage!!

    könnte es eventuell, vielleicht, unter Umständen daran liegen, dass es schlicht mehr amerikanische Stars gibt, als europäische???