Faber

31. Oktober 2019 04:47; Akt: 31.10.2019 04:47 Print

«Ich war die letzten sechs Jahre besoffen»

von Schimun Krausz - Am Freitag veröffentlicht Julian Pollina (26) alias Faber sein zweites Album «I Fucking Love My Life». 20 Minuten sprach mit dem Zürcher über ebendieses Leben als gefeierter Musiker.

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Natürlich ist das alles zynisch gemeint: Das an Boulevardmagazine und -zeitungen erinnernde Layout, das «Hedonismus!» schreiende Auftreten von Julian Pollina (26), der Titel «I Fucking Love My Life». Denn die zweite Platte des Zürcher Liedermachers ist erneut ... ... voller Balkan-Rumpeln und mehr oder weniger überspitzten Geschichten aus seinem in Wahrheit nicht ganz so glamourösen und ausschweifenden Leben – respektive dem seines Bühnen-Alter-Egos Faber. «Ich hab die Nase voll von dem Scheiss / Ich bin für alles zu haben, doch fürs Meiste zu breit / Und das ist geil / Ich hab die Zeit meines Lebens / Ich kann so viel erleben / Mich an nichts mehr erinnern / Wie ein echter Gewinner» «Zürich brennt nicht mehr und es ist allen scheissegal / Mir auch, schau mich an, sitze hier an der Bar / Ich hab mein Portemonnaie vergessen, doch ich schwör, ich zahls zurück / Liebe sei nicht käuflich, doch die Flasche nicht umsonst / An dich denken kostet nichts, das ist gut, denn ich denke oft an dich» «Ich steh für gar nichts und für gar nichts steh ich ein / Ich bin froh, treff' ich damit den Nerv der Zeit / Dein Höschen wird zu einem Teich bei meiner Gleichgültigkeit / Ich steh für gar nichts, schau mich an, es steht mir gut / Ich brauche meinen Kopf für die Tattoos» «Du liegst mir echt am Herzen / Lieg ich dir auch am Herzen? / Drück unterm Bild auf dieses Herzchen / Das hier ist keine Werbung, nein / Ich trage es, weil es mir gefällt» «Sag mir, wie ich heiss / Sag mir, was ich trink / Sag mir, was ich find / Und sag mir, wer ich bin / Gib mir einen neuen Namen / Wie du mich willst, kannst du mich haben» «Vielleicht wäre es viel leichter allein / Doch wie du weisst, leicht ist nicht unser Ding / Schön, denn dein Lippenstift passt perfekt zu deinem Dialekt / Du findest das ein dummes Kompliment / Ich hätte dir lieber einfach Blumen geschenkt» «Und Reis ist seit deiner Asienreise deine Lieblingsspeise / Und Spezialität / Du hast dich noch nicht festgelegt / Du bist nicht verliebt / Doch dank deinem Facebook-Profil weisst du, dass es dich noch gibt» «Die wollten dich für dumm verkaufen / Aber nicht mit dir / Besorgter Bürger, ich besorgs dir auch gleich / Wenn sich 2019 '33 wieder einschleicht / Wenn Menschlichkeit und Verstand deiner Wut weicht / Besorgter Bürger, ich besorgs dir auch gleich» «Generation YouPorn, doch du springst nicht nackt in' See / Du würdest gerne Liebe machen, doch du weisst nicht, wie es geht / Hast die Welt gesehen, fliegst nach Lima in den Urlaub / Und nach China zu 'ner Klimakonferenz. Es ist so schön, kannst du die Welt so gut verstehen / Generation Testo spritzen und vor dem Spiegel wichsen / Und vom Spiegel ziehen, Generation viel Verdienen» «Komm Baby, komm, es ist bisschen wie im Candy-Shop / Niemand will hier Gummi, ich hab Nuvaring, du Lollipop / Pack deine Flöte aus / Ich schwör, ich spiel Vivaldi drauf / Auch das Piccolo lacht niemand wegen seiner Grösse aus» «Ich hab lang genug die Zähne gezeigt / Nur nicht meinem Zahnarzt / Der war hinter meinem Geld her / Ich schwöre, es war Notwehr / Er hat mir das Messer gezeigt» «Komm her. Komm her und fühl dich schön / Komm her / Komm her und lass dich sehen / Komm her / Komm her und lass dich gehen / Siehst du es nicht, komm sieh mich an / Willst du mich, ich will dich schon lang» «Heiligabig, ich bi bsoffe / Heiligabig, ich cha nüm stah / Ich ha eine sitze, werum hesch mi sitze la / Heiligabig nach 8 Xanax / Fühlsch die eher wie ade Fasnacht / Heiligabig, gib mer d'Chugle / Wie am Wiehnachtsbaum / Heiligabig cha nüm denke / Denke immer nu a dich / Alles was mir heilig isch, bisch du / La mi nöd ellei»

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Ihm gings «verschissen»

«Die letzten beiden Jahre waren wirklich verschissen. Ich hatte mega Liebeskummer, es gab Todesfälle in der Familie. Darum habe ich in dieser Zeit durchaus gemäss dem Albumtitel ‹I Fucking Love My Life› gelebt, um das alles nicht zu sehr an mich heranzulassen.»

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Wann trinkst du Alkohol?

«Aktuell bin ich in der Emo-Phase»

«Ich hatte also so etwas wie eine zweite Jugend: Zuerst ist mega viel Scheiss passiert, dann musste ich darüber nachdenken und schliesslich werde ich erwachsen. Aktuell bin ich aber immer noch in der Emo-Phase.»


«Vielleicht wäre es viel leichter allein» – in «Sag mir wie du heisst Pt. 2» besingt Faber seinen Liebeskummer. (Quelle: Youtube/FABER)

Er trank zu viel ...

«Das gehört vielleicht auch ein bisschen zu diesem Erwachsenwerden: Ich war etwa die letzten sechs Jahre besoffen – und ich will das nicht mehr. Ich habe diese Zeit genossen, aber es ist in Ordnung, wenn diese Phase zu einem Ende kommt.»

«Aus Angst, Müdigkeit oder Überforderung zu trinken, kommt nicht mehr in Frage»

«Ein Schluck vor dem Auftritt ist immer noch okay, aber aus Angst, Müdigkeit oder Überforderung etwas zu trinken, kommt für mich nicht mehr in Frage. Also das sage ich jetzt – die Tour hat ja noch nicht begonnen.»

… und wurde darin bestärkt

«Irgendwann trinkst du nicht mehr aus Spass. Irgendwann – und das passiert in der Musikszene häufig – machst du es, weil dir gewisse Dinge unangenehm sind, weil du Schiss hast, ein Konzert zu spielen, oder weil es dir nicht gut geht.»

«Das ist huere grusig von der Musikindustrie»

«Und alle sagen dir ohne Scheiss: ‹Sauf einfach eins, dann gehts.› Das ist huere grusig von der Industrie, dass die Schwäche, die man vielleicht eh schon ein bisschen hat, so hart ausgenutzt wird.»


«Ich bin so dumm, ich weiss nicht mal, wer ich bin»: «Generation YouPorn» vom neuen Faber-Album «I Fucking Love My Life». (Quelle: Youtube/FABER)

Er weiss nicht, ob er den Fame mag

«Ich habe gemerkt, dass mir die Aufmerksamkeit durch Faber gar nicht so liegt. Dadurch fühle ich mich manchmal beobachtet. Alles, was ich sage, wird gleich auf die Goldwaage gelegt, es wird kommentiert und es wird darüber geurteilt.»

«Aufmerksamkeit ist schon schön, aber sie tut einem unter Umständen gar nicht so gut – wenn du die mal hattest und sie dann weg ist. Ich fürchte mich davor, dass ich sie dann suchen würde.»

«Aufmerksamkeit bekommen ist wie eine Sucht»

«Das ist wie bei allem, das toll und dann plötzlich fort ist. Es ist wie eine Sucht. Ich habe darüber schon oft und lange nachgedacht – und bin noch immer zu keinem Schluss gekommen.»

Auf Mundart ist er verletzlicher

Der Albumcloser «Heiligabig ich bin bsoffe» ist das erste und bislang einzige Mundartlied von Faber. Geschrieben hat Julian es vergangenes Jahr fürs Weihnachtsspecial von Evelinn Trouble (30).

«Eigentlich hätte sie nur 15 Sekunden gebraucht, aber ich habe für mich dann den ganzen Song gemacht. Warum genau er auf Schweizerdeutsch ist, kann ich auch nicht sagen – ich wusste einfach, dass er nicht meiner gewohnten Linie folgen sollte.»


«Alles, was mir heilig isch, bisch du. La mi nöd ellei»: So klingt Faber auf Schweizerdeutsch. (Quelle: Youtube/FABER)

«Er hätte zunächst auch gar nicht aufs Album gesollt, aber ich fand den Chor so schön. Und er ist eine sehr ehrliche, wenn auch überspitzte – ich nehme ja nicht acht Xanax, dann wäre ich tot – Abhandlung des letzten Jahres.»

«Das Hochdeutsch bildet eine dünne Schutzmauer zwischen mir und dem Publikum»

«Ich hätte nicht gedacht, dass es einen Unterschied machen würde, ob ich auf Mundart oder Hochdeutsch singe, aber ich finde, es kommt nochmals ungefilterter daher. Es ist nicht künstlich, wenn ich Hochdeutsch rede und singe – aber ein ganz wenig anders bin ich dadurch schon. Ich habe eine dünne Schutzmauer zwischen mir und dem Publikum.»

Er schämte sich beim Fotoshooting

«Die Königsdisziplin der Selbstinszenierung ist ja, wenn du dich nicht mehr gut, sondern einfach nur noch darstellen willst. Darum haben wir selbst Paparazzi-Fotos inszeniert», erklärt Julian die Ästhetik des Album-Artworks, «ich fand diese Idee so lustig, habe sie aber völlig unterschätzt.»


Zwei Seiten aus dem «I Fucking Love My Life»-Booklet. (Bild: Universal Music)

«Denn: Man muss diese unangenehmen Motive wirklich umsetzen. Und die sind eben wirklich unangenehm, auch wenn du weisst, dass du es fürs Album machst und es nicht echt ist.»

«Vor ein Casino kotzen, ist fucking unangenehm»

«Tu mal so, als würdest du vor ein Casino kotzen, das ist fucking unangenehm. Wir wurden etwa sieben Mal rausgeschmissen, weil du darfst natürlich keine professionellen Fotos im Casino machen, du darfst natürlich nicht vor ein Casino in Monte Carlo kotzen, du darfst dich auch nicht vor ihre Autos stellen und Fotos von dir schiessen lassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Faber bringts am 31.10.2019 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goethe

    Anyway - schön, dass es in dieser grusigen Musiklandschaft noch echte Künstler gibt. Handgemachte Musik und Texte mit Tiefgang. Freue mich auf sein neues Werk.

  • Patrick Osterwalder am 31.10.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    muss ich den kennen ?

    wer ist Faber ?

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  • Ganjaflash am 31.10.2019 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eher selten Trinker

    Alkohol ist nicht so meins ich habe eine andere grosse Liebe.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pendler 2019 am 31.10.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wie auch immer

    ja es hat einen Teil Musik drin, wie auch immer. Jedem das Seine, leben und leben lassen. Als herausragend würde ich es nicht bezeichnen.

  • Blasius am 31.10.2019 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jung

    Wenn man jung und gesund ist.....

  • 8400 am 31.10.2019 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Joschwa am 31.10.2019 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja wem es gefällt

    Naja das mit dem betrunken merkt man an seiner "Musik", wenn man das so nennen darf, totale "Kunst" und so was von Geschmakssache. Naja wenn er jetzt nüchtern wird wird es vieleicht ja nun für meine Geschmack zutreffender.

  • Leti am 31.10.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unsympath

    Kann weder mit dem Mann selbst noch mit seiner Musik was anfangen.