Tour

19. Dezember 2019 13:17; Akt: 19.12.2019 13:26 Print

Yokko haben in Japan kurz ihren Sänger verloren

Das Schweizer Gitarrenquartett Yokko ist gerade quer durch Japan getourt. Hier erzählen sie, was ihnen der Trip gebracht hat.

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Das ist Japan. Und das sind Yokko. Die beiden haben gerade zweieinhalb Wochen miteinander verbracht. Japan hat dem Indie-Rock-Quartett aus Baden, Bern und Zürich seine leckersten Leckereien serviert. «Beim Essen sind wir mit der Zeit richtig mutig geworden», findet Drummer Domenic (links). Das Gegessene wollte dann mit einem ordentlichen Schluck Gerstensaft runtergespült werden. Es muss ja nicht ganz alles völlig anders sein als daheim in der Schweiz. Elf Shows in fast ganz Japan haben Yokko von Anfang bis Mitte Dezember gespielt. Die Band berichtet 20 Minuten erstaunt: «Die Leute lassen bei Konzerten ihre Handys in der Tasche!» Die Person rechts von der Mitte auf diesem Bild ist demnach die Ausnahme, welche diese Regel bestätigt. Meistens waren an ihren Konzerten mehrere Hundert Leute im Publikum, die die Auftritte aller «Bands des Abends von Anfang bis zum Ende geschaut haben». Aus der Hall of Fame eines der bespielten Clubs. Wenn jemand herausfindet, wann The Swiss Porno nächstes Mal auftreten, dann gebt uns sofort Bescheid, ja? Auch bei Radio-Interviews gabs begeisterte Zuschauer. Greta wäre stolz: Yokko sind klug und reisen im Zug (zum nächsten Gig). Ein Foto vom Vulkan Fuji ist Pflicht, wenn man schon mal in Japan ist. Ein zweites mit Weitwinkelobjektiv ebenfalls. Sänger Adi hat sich ein wenig beim Stil japanischer Popstars bedient und die Frise knallig anpinseln lassen. So findet man ihn leichter wieder, wenn er mal wieder in den Liften 70-stöckiger Gebäude verlorengeht. (Das ist wirklich passiert, wie die Band berichtet und Adis Handyakku war leer, weshalb sie nicht telefonieren konnten. Nach etwa einer Viertelstunde fanden sich die vier aber wieder.) «Es ist schon recht crazy, was wir hier erleben dürfen und wo uns die Musik hingebracht hat», resümieren Yokko nach einem halben Monat in Japan. Apropos Schweizer Musikerinnen und Musiker in Asien: Yokko sind nicht die einzigen Schweizer Acts, die dieses Jahr im Fernen Osten unterwegs waren und neue Fans gefunden haben. tourten im Oktober durch China. Neben den Gigs musste auch Zeit für Souvenir-Band-Pics sein – wie hier in Shanghai. Die Berner Electro-Swinger traten vor beeindruckend grossem Publikum auf. «Verrückt!», bilanzieren die fünf auf Instagram nach dem Auftritt an einem Festival in Hefei. Auch arbeitet im Ausland daran, ihre Fanbase zu erweitern. Sie tourte Ende Oktober durch Indien, gab Interviews, spielte Solo-Shows. Dabei traf sich die 21-jährige Thunerin auch mit lokalen Labels und Marketing-Agenturen – die sich nun auch um die Promo für ihre neusten Releases kümmern.

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Kulturschock

Yokko haben erneut Japan betourt. Nach der Region um Tokio (2017) hat sich der Baden-Bern-Zürich-Vierer diesmal auch noch weitere Landesteile vorgeknöpft und insgesamt elf Shows gespielt. An diese «ganz andere Welt» gewöhnt man sich auch beim zweiten Mal nicht so schnell, sagt die Band zu 20 Minuten.

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«Das Essen ist anders als im Sternen in Radelfingen, aber wir sind schon richtig mutig geworden. Es leuchtet und funkelt überall! Die Leute schauen, dass sie niemanden stören, sprechen nicht mal im Zug. Ähnlich ist es an den Konzerten: Sie lassen ihre Handys in der Tasche, sind mucksmäuschenstill bis zum letzten Ton und verteilen den Bands danach mitgebrachte Geschenke.»


Gesprochen wird im Zug nicht – gelacht aber schon. Hier, wenn Gitarrist Philipp unsanft aus einem Nickerchen gerissen wird. (Video: Yokko)

Twitter hui, Insta pfui

Entsprechend gibts nach den Shows kaum Instagram-Storys, in denen Yokko getaggt sind und die sie reposten können. «Die Leute machen lieber nach dem Konzert Selfies mit uns am Merch-Stand. Aber statt über Insta läuft hier fast alles via Twitter. Die vielen japanischen Notifications strapazieren unseren Smartphone-Akku ganz schön.»


Ganz so viele Leute wie 2019 vor der Gurtenfestival-Waldbühne hatten Yokko in Japan nicht. Ein paar Hundert seien es aber jeweils schon gewesen, sagt die Band. (Quelle: Youtube/we are Yokko)

Frontmann vermisst

Die Sprachbarriere und schiere Grösse der Bauten haben fast zum Ende von Yokko geführt: Die Band hatte ein Radiointerview, fuhr aber nicht gemeinsam Lift und Sänger Adi wusste nicht mehr, in welchem Stock sich der Sender befindet.

«Er wählte die falsche Etage und sein Handyakku war leer. Also mussten wir ihn im 70-stöckigen Gebäude suchen», so Drummer Domenic, «nach etwa 15 Minuten und ebenso vielen Liftfahrten haben wir ihn dann gefunden.»

Mit Händen und Füssen

Englisch ist in Japan nicht so verbreitet wie in der Schweiz und Yokkos Japanisch-Kenntnisse sind durchaus ausbaufähig. «An die Konzerte und Interviews hat uns eine Studentin begleitet, die das Technische übersetzte.»

«Im Restaurant haben wir einfach noch Hände und Füsse dazugenommen sowie einfach nett genickt. Irgendwie versteht man uns hier immer.»


Die aktuelle Single «Elder Flow», live aufgenommen im Royal in Baden. (Quelle: Youtube/we are Yokko)

Fazit

«Dank Radiointerviews und einem Journalisten-Empfang samt Showcase bei der Schweizer Botschaft hatten wir ordentlich Publikum», resümiert Domenic, «aber das Business für Bands hier ist hart. Niemand hat auf uns gewartet.»

Und trotzdem fanden Yokko die Zeit in Japan grossartig: «Es ist schon recht crazy, was wir hier erleben dürfen und wo uns die Musik hingebracht hat. Auch wenn es bedeutet, oft zu dritt in einem Doppelbett pennen zu müssen.»

Am Freitag spielen Yokko im Rahmen des Songbird Festival zusammen mit Gimma in der Davoser Bolgenschanze.

Mehr Schweiz-Power in Asien: Was Veronica Fusaro in Indien und Klischée in China erlebt haben, siehst du oben in der Bildstrecke.

(shy)

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