Justin Bieber

02. Februar 2011 17:55; Akt: 03.02.2011 08:19 Print

Killt der Stimmbruch das Bieber-«Baby»?

von Oliver Baroni - Bieber steht vor einem Problem, das schon manchem Teeniestar die Karriere kostete: Bald wird er sein «Baby» nur noch in sonorem Bass brummen können.

So wollen ihn seine Fans hören! Justin Bieber mit dem Überhit «Baby».
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Teeniestars sind ein lukratives Geschäft. Kaum ein Volljähriger kann mit den fetten Erlösen einer Miley Cyrus oder eines Justin Bieber mithalten. Doch im Fall von singenden männlichen Teenies setzt die Natur der Traumkarriere oftmals ein vorzeitiges Ende.

Wie ein Damoklesschwert hängt der Stimmbruch über dem Starrummel von manchem Mädchenschwarm. So auch bei Justin Bieber, bei dem sich mit nunmehr 16 Jahren – für sein Management gnädigerweise spät – erste Anzeichen einer Männerstimme bemerkbar machen. Was tun? Nicht zuletzt wegen seiner unschuldigen Kinderstimme lieben ihn seine Legionen vorpubertärer Fans. Wie würden Letztere reagieren, wenn plötzlich aus dem Biebermunde die Basswucht Barry Whites erklingen würde?

Vom Lead-Sopran zur Heroin-Leiche

Die Musikgeschichte ist voller Beispiele männlicher Kinderstars, für die der Stimmbruch das Karrierenende bedeutete. Zum Beispiel Frankie Lymon: Als der Rock'n'Roll noch in seinen – öh – Kinderschuhen steckte, war er der Justin Bieber seiner Ära. Frankie Lymon war erst 13 Jahre alt, als er 1956 als Lead-Sopran der Band The Teenagers mit «Why Do Fools Fall In Love?» einen Nummer-eins-Hit in den USA hatte. Es folgten weitere Hits, bis sich Lymon knapp ein Jahr später zu einer Solo-Karriere entschloss. Mit dem Solo-Entscheid kam der Stimmbruch. Obwohl sich Lymon ein Falsett zulegte, blieb der Erfolg aus. Er starb 25-jährig an den Folgen einer Heroin-Überdosis.

Seit Frankie Lymon gibt es unzählige Beispiele ähnlicher Schicksale. Die blonden Jungs von Hanson mit ihrem Megahit «Mmh Bop»? Kennt jemand auch nur einen einzigen Track ihrer Nach-Stimmbruchs-Phase? Joey McIntyre von New Kids On the Block, Aaron Carter oder der süsse Kinder-Rapper Lil Bow Wow – sie alle hatten keine nennenswerte Karriere seit ihrer Kinderstar-Zeit.

«Mama» singt kein Mann

Ganz zu schweigen von Hendrik Nikolaas Theodoor Simons, besser bekannt als Heintje: Sein Hit «Mama» verkaufte sich anno 1967 über eine Million mal. Über 40 Millionen Schallplatten verkaufte er in den darauffolgenden vier Jahren. Heintje konnte sich ab 1973, als er ein Comeback nach seinem Stimmbruch versuchte, allerdings nie von seinem Image des Kinderstars lösen. Der Erfolg blieb bescheiden.

Es gibt aber auch Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Little Stevie Wonder nannte sich irgendwann einmal nur noch Stevie Wonder und hatte seine Blütezeit erst noch vor sich. Lil Wayne erfand sich als Erfolgs-Rapper neu. Und auch Michael Jackson startete als Erwachsener durch (wobei – hatte der überhaupt je den Stimmbruch?).

Sanfte Veränderung

Justin Bieber tritt nun die Flucht nach vorne an und thematisiert seinen Stimmbruch. Kaum eine Talkshow, bei dem er das Thema nicht anschneidet. «Meine Stimme verändert sich auf jeden Fall - nach und nach. Sie ist auf jeden Fall tiefer als beim letzten Mal, als ich hier war», so Bieber bei der «Today»-Show, «ich glaube, dass sich bei jedem die Stimme verändert. Es kommt einfach drauf an, wie man das bewältigt. Ich habe einen tollen Gesangslehrer, der mir hilft.» Die wichtige Formulierung hier ist «nach und nach». Anders als Heintje, der eine Karrierepause einlegte und einen Wiedereinstieg nach vollzogenem Stimmbruch versuchte, will Bieber seine Fans sanft an die Veränderung gewöhnen.

Übrigens: Biebers Stimme mag noch so erwachsen werden, punkto Ausdrucksweise ist er unzweideutig teeniekonform. Alleine schon die Häufigkeit des Einschubes «like» belegt: Bieber spricht die Sprache seiner Fans ...


Video: AOL