Kontroverse

28. April 2010 07:18; Akt: 28.04.2010 07:38 Print

Kleine Radios gegen grosse Labels

Die nicht-kommerziellen Lokalradios sind empört: Die grossen Labels stellen ihnen CDs nicht mehr gratis zur Verfügung, sondern verweisen sie auf eine kostenpflichtige Download-Plattform.

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Nicht-kommerzielle Lokalradios protestieren gegen die Politik der Major-Labels.

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«Vor rund einem Monat haben die grossen Schweizer Major-Labels (...) die Zusammenarbeit mit den alternativen Radiostationen faktisch beendet», schrieben die im Verein UNIKOM zusammengeschlossenen Sender am Dienstag in einem Communiqué. Allein in der Deutschschweiz erreichen sie eine halbe Million Hörerinnen und Hörern - ein substantielles Publikum.

Nachdem sie sich geweigert hätten, das Music Promotion Network MPN zu nutzen, würden sie von den vier Majors weder mit Musik noch mit Informationen beliefert, und auch Interviews mit Künstlern der jeweiligen Firmen seien nicht mehr möglich, hiess es weiter.

Der Medienzugang auf MPN sei gratis, erklärte das Unternehmen gegenüber der SDA. «Die technische Anbindung an Radiostationen» allerdings verursache Kosten, unter anderem wegen der notwendigen sicheren Leitungen und der Qualitätssicherung.

Dem widerspricht Oliver Miescher von Kanal K: Die Radios beziehen von vielen kleineren Labels gratis Musik in Form von digitalen Downloads in hoher Qualität.

Keiner verdient

Wie hoch der Beitrag für MPN ist, war vorerst nicht zu erfahren, da der zuständige Geschäftsführer Chris Wepfer in den Ferien weilt. Auf über 3000 Franken jährlich schätzt ihn Miescher. Ein Klacks für einen kommerziellen Sender, aber für kleine Radios wie Lora in Zürich, Rabe in Bern oder das Sehbehindertenradio Blindpower ein Betrag, der «das Budget sprengt oder erheblich belastet».

Die Labels verdienen laut EMI-Promotionschef Carlo Pozzi an MPN «nichts, im Gegenteil». Die Labels hätten eine erhebliche Summe für die Entwicklung und Implementierung von MPN aufgewendet. Ausserdem koste der Upload eines Beitrags 100 bis 130 Franken, «mehr also als die Versandgebühren für CDs an alle Schweizer Radios».

Die Plattenfirmen betrachten deshalb die sogenannte Bemusterungs- Plattform als Service für die Radios, nicht als Ausbeutung.

(sda)