Netz-Bigotterie

21. Dezember 2011 14:39; Akt: 21.12.2011 14:45 Print

Migros-Plakat zu sexy für Facebook

von N. Riegg - Die Migros wollte für ihr M4Music-Festival Werbung auf Facebook schalten. Doch das Sujet ist dem Internetriesen zu anstössig. Es zeigt ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert.

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Das aktuelle Plakat des M4Music-Festivals zeigt ein über 200 Jahre altes Gemälde: «Apollo und die zwei Musen» mag nicht gerade ein Meilenstein der Kunstgeschichte sein und der Maler Pompeo Batoni keiner der grossen Meister. Doch das Bild hängt momentan im Palast-Museum in Warschau und war auch schon in der renommierten National Gallery in London ausgestellt. Dass darauf Pornografisches zu sehen ist – darauf kam bislang noch niemand.

Verstoss gegen die Richtlinien

Bis jetzt: Die Migros wollte für ihr Kulturprozent-Festival auf Facebook mit einer leicht veränderten Version des Bildes Werbung schalten. Doch diese wurde abgelehnt. Die Begründung: «Das Bild in deiner Werbeanzeige oder gesponserten Meldung verstösst gegen die Facebook-Werberichtlinien. Bilder von Werbeanzeigen und gesponserten Meldungen müssen zu dem beworbenen Produkt passen. Bilder dürfen keine politischen, sexuellen oder andere sensible Themen berühren.» Da das Sujet durchaus zu einem Musikfestival passt und auch keinen politischen Kontext hat, bleibt wohl nur noch die sexuelle Anstössigkeit. Anders gesagt: «Apollo und die zwei Musen» aus dem Jahr 1741 ist für Facebook zu pervers. Wohl wegen einem leicht entblössten gemalten Busen.

«Es amüsiert uns»

Bei M4Music nimmt man die Ablehnung gelassen: «Wir verstehen, dass es bei Facebook ethische Richtlinien gibt. Trotzdem amüsiert es uns, dass ein Werbesujet mit einem klassischen Gemälde von 1741 aus dem Rahmen fällt», so Philipp Schnyder von Wartensee, Festivalleiter des M4Music, auf Anfrage von 20 Minuten Online. Und: «Es ist natürlich Facebook überlassen, was für Werbung sie zeigen wollen.»

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gemälde für Facebook zu anstössig ist. Weil ein Pariser Primarschullehrer das Bildes «L’origine du monde» von Gustave Courbets auf Facebook stellte, wurde er von der Social-Media-Plattform verbannt. Jetzt hat er Klage eingereicht.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Hinz am 21.12.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt Werbung dank 20min

    Tja dank 20 Minuten ist nun der Werbeerfolg von M4Music doch noch gesichert...

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  • R.H. aus Z. am 21.12.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    facebook Werberichtlinien?!

    Passierte uns auch und ich höre es jetzt noch hallen ... Verstoss gegen die facebook Werberichtlinien. Aber komisch ist, dass facebook dann wiederum andere Werbetreibende von Muskeltraining bis Datingplattformen, die auch gerne mit "Haut" werben, zulässt. facebook achtet nicht auf länderspezifische Werbegesetze. Und das beste ist, facebook schickte mir mit der Abweisung ein Angebot: Für ein monatliches Werbebudget von mind. USD 30'000 wird man facebook Werbepartner und die Werberichtlinien werden aufgeweicht. Grenzt schon fast an Erpressung, lieber Mark Zuckerberg.

  • Test am 21.12.2011 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer sind immer zu sexy

    Typisch, sobald mal Haut von einem Mann zu sehen ist, ist es zu sexy. Umgekehrt wäre es mit Sicherheit kein Problem gewesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Test am 21.12.2011 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer sind immer zu sexy

    Typisch, sobald mal Haut von einem Mann zu sehen ist, ist es zu sexy. Umgekehrt wäre es mit Sicherheit kein Problem gewesen.

  • Neles Berger am 21.12.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Dito

    wir hatten das gleiche problem, keine nackte haut erlaubt...

  • Student am 21.12.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sieg der Prüderie

    Oh welch Graus, man sieht zu viel eines sekundären Geschlechtsteils! >_'

  • R.H. aus Z. am 21.12.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    facebook Werberichtlinien?!

    Passierte uns auch und ich höre es jetzt noch hallen ... Verstoss gegen die facebook Werberichtlinien. Aber komisch ist, dass facebook dann wiederum andere Werbetreibende von Muskeltraining bis Datingplattformen, die auch gerne mit "Haut" werben, zulässt. facebook achtet nicht auf länderspezifische Werbegesetze. Und das beste ist, facebook schickte mir mit der Abweisung ein Angebot: Für ein monatliches Werbebudget von mind. USD 30'000 wird man facebook Werbepartner und die Werberichtlinien werden aufgeweicht. Grenzt schon fast an Erpressung, lieber Mark Zuckerberg.

  • Suja am 21.12.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig

    Ja hm. Ich finds ok dass Favebook guckt was für Bilder da eingestellt werden. Dieses hier ist für unsere Augen vielleicht ok. Aber Facebook wird von überall auf der Welt genutzt und die Sitten und Gebräuche sind ja wohl in jedem Land unterschiedlich. Nichts desto trotz find ich das Plakat unterirdisch hässlich und nichtssagend bis langweilig.

    • Lindo Anjo am 21.12.2011 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Kunstmuseum

      Langweilig?? Dann gehen Sie doch mal in's Kunstmuseum. Aber ich bin mir fast sicher, Die Begriffe 'Kunst' und 'Museum' sind Ihnen gänzlich fremd.

    • Theo am 21.12.2011 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Anpassung

      Wenn es in der ganzen Welt benutzt wird, heisst das nun, dass alle Frauen auf Fotos einen Schleier tragen müssen?

    • Jakub am 21.12.2011 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      Entkunstet

      Ich finds auch langweilig. Ganz recht, auch Kunst kann langweilig sein. Das super "Gekunste" überall macht's eben auf Dauer öde. Da hilft der Besuch im Museeum nicht gerade. Im Gegenteil, einfach mal wieder total "entkunstet" Zeit verbringen!

    • E.B. am 22.12.2011 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      weltweit

      "auf der ganzen Welt genutzt": Die Werbung ist ja wohl lokalisiert. Es bringt niemandem etwas Migros-Werbung in Asien zu zeigen. Das war vielleicht in den Anfängen des Internets so, aber das ist schon lange vorbei.

    • Thomas Meyer am 22.12.2011 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zensur

      Dass aber Facebook alleine und nicht transparent entscheidet, was Weltkultur ist (denn darum ginge es bei 'es kann halt sein, dass es in anderen Ländern illegal ist' als Argument zur Zensierung), das geht nun gar nicht. Damit überhaupt beurteilt werden kann, ob ein Bild langweilig oder fad oder schön oder spannend ist, muss es sichtbar sein, und nicht von einer versteckten Vormundschaftsbehörde im fernen Amerika mit dem Bannstrahl belegt sein.

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