Lo & Leduc

08. August 2018 05:41; Akt: 08.08.2018 08:27 Print

Mit «079» haben sie nur 100'000 Franken verdient

Absoluter Hitparaden-Rekord, Millionen von Streams und gefühlte Omnipräsenz im Radio – was bedeutet der Erfolg von «079» fürs Konto von Lo & Leduc? Wir haben nachgerechnet.

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Lo & Leduc haben es geschafft: Ihr Ohrwurm «079» ist seit 21 Wochen ununterbrochen an der Spitze der Schweizer Singlecharts. Das ist absoluter Rekord. «Wir haben vor ziemlich genau einem Jahr ein Lied geschrieben und es dann in einem Kellerstudio in Bern aufgenommen», sagen die Berner, «was unterdessen mit diesem Stück passiert ist, ist schlicht verrückt.» Vor ihnen war Ed Sheeran mit «Perfect» Schweiz-Charts-Spitzenreiter: 20 Wochen auf dem Musik-Thron. Den vormaligen Bestwert teilte sich der Engländer mit Luis Fonsi und Daddy Yankee und deren Welthit «Despacito». Vor Lo & Leduc hielt DJ Bobo mit «Chihuahua» aus dem Jahr 2003 zusammen mit ... ... den Minstrels und ihrem Klassiker «Grüezi wohl Frau Stirnimaa» von 1969 den Rekord des erfolgreichsten Schweizer Songs in unserer Hitparade. Die beiden Stücke waren je zehn Wochen an der Charts-Spitze. Ein paar weitere Rekorde aus der Schweizer Hitparaden-Geschichte: Madonna hat bisher geschafft. Neun verschiedene Songs waren schon ganz oben. Auf den Fersen ist ihr Rihanna, die es in unseren Charts auf bisher acht Nummer Einsen bringt. In der Folge zeigen wir dir sämtliche weiteren Schweizer Nummer-Eins-Hits aus den vergangenen zehn Jahren. Das sorgte Ende 2014 mit dem Weihnachtssong «Ensemble» für die bisher letzte Schweizer Nummer eins. Der Song war vier Wochen an der Spitze. stand mit «Crossroads» in der Woche vom 27. April 2014 auf der Nummer Eins. mit «Mein Herz» am 26. Mai 2013. gelang das mit «Bella Vita» am 10. Februar 2013. mit «I Love» am 28. Oktober 2012. mit «Skyline», am 12. und 26. August 2012. mit «Don't Think About Me», insgesamt zwei Wochen, am 13. und 20. Mai 2012. mit «Single Ladies», insgesamt drei Wochen, am 8. April 2012 und vom 22. bis 29. April. mit «Heaven» am 24. Oktober 2010. mit «Legändä & Heldä» am 12. September 2010. mit «Stahn uf» am 28. Juni 2009. Der mit «Das Feyr vo dr Sehnsucht» in der Woche vom 4. Januar 2009. mit «I ha di gärn» am 9. November 2008. mit «Bring en hei», insgesamt drei Wochen, vom 15. bis am 29. Juni 2008. (Auch 2006 war der Track während der WM drei Wochen ganz oben.) mit «My Man Is a Mean Man», insgesamt zwei Wochen, am 27. Januar und 3. Februar 2008.

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21 Wochen in Folge auf Platz eins – absoluter Rekord für einen Song in der Schweizer Single-Hitparade. GfK Entertainment, welche die Charts erhebt, vermeldet, dass «079» von Lo & Leduc mit über 90'000 Verkäufen (Downloads mit Streams beigemischt) bereits vierfachen Platin-Status hat.

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Und auf den gängigen Streaming-Portalen wie Spotify und Apple Music wurde der Ohrwurm nach Angaben von Bakara Music, dem Label von Lo & Leduc, schon 9,5 Millionen Mal abgespielt; eine Million davon kommt laut GfK trotz (oder gerade wegen?) berndeutschem Text aus Deutschland.

Wie schlagen sich diese beeindruckenden Zahlen eigentlich auf dem Kontoauszug der Band nieder? 20 Minuten hat mal den Rechenschieber ausgepackt.

Zahlenschieberei mit Downloads und Streams

Wir wollen zusammentragen, wie viel Geld «079» mit Downloads, Streams und Radio-Airplay eingespielt hat. Beginnen wir mit den Downloads. Die erwähnten 90'000 Verkäufe setzen sich aus Downloads und beigemischten Streams zusammen – um die ungefähre Anzahl der Downloads zu bekommen, müssen wir die umgerechneten Streams also von der Gesamtsumme abziehen.

Die GfK rechnet Streams aktuell mit einem Beimischungssatz von 1:220 zu den Verkäufen dazu. Sprich: Wird ein Song 220-mal gestreamt, entspricht das in der Hitparade einem Download. Von den 90'000 vermeldeten Verkäufen sind also 40'000 (8'500'000 Schweizer Streams durch Faktor 220 geteilt) umgerechnete Streams – und rund 50'000 sind reine Downloads.

Verkäufe: 33'000 Franken

Je nach Label- und Vertriebsdeal bekommen Künstler einen mehr oder weniger grossen Teil des Song-Verkaufspreises ausgezahlt. Wir orientieren uns hier an einem Betrag, den uns ein angefragter Musikmanager genannt hat und rechnen damit, dass Lo & Leduc von den 1.90 Franken pro verkauftem Lied auf iTunes etwa einen Drittel einstreichen dürfen.

Konkret sind das 0.65 Franken, was bei 50'000 «079»-Downloads etwa 33'000 Franken ergibt, welche direkt in die Bandkasse der Berner fliessen.


So klang «079», als der spätere Hit erst eine Songskizze war. (Video: Tamedia)

Streams: 32'000 Franken

Auch bei der Vergütung von Streams wird mit verschiedenen Beträgen gerechnet; die Suisa, welche die Nutzungs- und Urheberrechte von Künstlern vertritt und geltend macht, gab 2015 an, dass Acts pro Stream 0.0018 Franken verdienen, oben erwähnter Musikmanager rechnet mit 0.005 Franken.

Wir nehmen die Mitte und gehen von 0.0034 Franken pro Stream aus. Bei 9,5 Millionen «079»-Streams bedeutet das ungefähr 32'000 Franken für Lo & Leduc.

Lukratives Airplay

Besagte Genossenschaft Suisa sorgt unter anderem dafür, dass Musiker von den Sendern eine Vergütung bekommen, wenn ihre Lieder im Radio gespielt werden. Abgerechnet wird pro angebrochene Song-Minute; «079» dauert drei Minuten und 24 Sekunden, es wird also mit vier Minuten gerechnet.

Wenn die öffentlich-rechtlichen Radiostationen der SRG einen Song abspielen, berechnet die Suisa laut eigenen Angaben etwa 2.50 Franken pro Minute (also zehn Franken fürs ganze Lied), bei grösseren privaten Sendern rund 1.50 Franken (sechs Franken pro «079»-Play) und bei alternativen Sendern wie LoRa wenige Rappen.

Radio-Plays: 35'000 Franken

Anfang Woche vermeldete SRF, dass «079» mittlerweile rund 6000-mal in der Schweiz über den Äther gegangen ist. Eine kurze Hochrechnung mit den Zahlen von Airplay.ch zeigt, dass SRF-Stationen den Song seit Release etwa 300-mal gespielt haben.

Ungefähr 5000 Plays kommen von grösseren privaten Sendern und den Rest machen die Alternativen aus. 300-mal zehn Franken plus 5000-mal sechs Franken ergibt rund 33'000 Franken, dazu kommt noch ein kleiner Betrag von den alternativen Stationen – das macht zusammen etwa 35'000 Franken an Suisa-Geldern für Radio-Airplays.

Rechnen wir die drei Posten zusammen, haben Lo & Leduc bislang etwa 100'000 Franken mit den direkten Einnahmen von «079» verdient.


Seit Sonntag hat «079» auch ein offizielles Musikvideo. (Quelle: Youtube/bakaramusic)

«079» beflügelt Konzert-Einnahmen

Die Suisa sorgt auch dafür, dass Künstler Geld für Songs bekommen, die sie an Konzerten und Festivals spielen. Da dies individuell ausgerechnet wird sowie Ticketpreise und Eventgrösse mit einfliessen, lassen wir diesen Posten bei unserer Hochrechnung weg – wir haben unseren grossen Taschenrechner eben grad der SRF-Data-Redaktion ausgeliehen.

Dank dem Erfolg von «079» können Lo & Leduc in Zukunft mehr und grössere Shows spielen, was mehr Suisa- und vor allem Gagen-Einnahmen bedeutet – mit Konzerten verdienen Musiker heute nämlich vor allem ihr Geld.

«Kosten fürs Album sind damit gedeckt»

«Das ist der finanziell interessante Aspekt an ‹079›», bestätigt Martin Geisser von Bakara Music. Er fügt an, dass die Produktionskosten des zugehörigen Albums «Update 4.0» sowie der Videoclips zu allen zwölf darauf enthaltenen Lieder durch den Erfolg dieses einen Songs gedeckt werden konnten.

Und: «Überdies haben Lo & Leduc damit sogar noch etwas verdient.» Da zur Band und damit zum Songschreiber-Team neben Lorenz Häberli und Luc Oggier auch ihr Produzent Dr. Mo gehört, dürfte dieses «etwas», das die Berner pro Kopf verdient haben, keine Riesensumme sein – aber es ist immerhin «etwas».

(shy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Keith F. am 08.08.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Firestarter

    ich verstehe bis heute nicht das dieses "Lied" einen solchen erfolg hat. ich bin ja musikalisch wirklich offen für neues. ja auch als metalhead kann man mal hiphop, rap oder pop hören und es gut finden. aber was dieses 079 sein soll, will mir nicht in den schädel. lebe ich mit 29ig schon derart hinter dem Mond?

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  • Tussi am 08.08.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mein Song

    Ganz ehrlich, immer wenn dieses katzengejammer im Radio abgespielt wird, schalte ich aus. Geschmäcker sind ja verschieden:)

  • Denkpause am 08.08.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich ...

    ... womit Geld verdient werden kann. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Föri am 09.08.2018 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss First

    ...und im Murica wärens Miollionäre....

  • Fan am 08.08.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    The Best

    Ist das bestes Lied in diesem Jahr.

  • G.V. am 08.08.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Piraterie

    Die Zielgruppe von Lo & Leduc, die Jugend, besteht zu einem viel zu grossen Teil aus Leuten, die sich zu schade sind um Künstler für ihre Arbeit zu bezahlen.

    • Heri Bert am 08.08.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Wer für sowas bezahlt sollte seinen Geschmack überdenken. Dieses verzehrte Gepiepse braucht niemand. Schweizer Möchtegern-Gängster-HipHopper sind einfach nur peinlich.

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  • Steuerexperte am 08.08.2018 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht vergessen zu versteuern

    macht ca 25000 steuerabgaben

  • Thomas am 08.08.2018 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so viel...

    Für so ein nichts sagendes Liedchen? Ah... hab's schon fast vergessen, es soll ja der grösste Hit aller Zeiten sein...