«Dreh den Swag auf»

27. Dezember 2010 12:52; Akt: 02.01.2011 00:13 Print

Mit Kindergarten-Reimen zum Plattenvertrag

von Niklaus Riegg - Er kann nichts. Trotzdem wurde Money Boy dank Millionen Klicks auf YouTube von einer grossen Plattenfirma unter Vertrag genommen. 20 Minuten Online hat als erster Schweizer Medienvertreter mit ihm gesprochen.

Quelle: YouTube
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Money Boy gibt es erst seit ein paar Monaten. Doch in dieser kurzen Zeit ist er vom No-Name zum YouTube-Star – und zum meistdiskutierten Deutschrapper – aufgestiegen. Dass alles dank dem Video zu «Dreh den Swag auf». Darin versucht der Wiener ungelenk über den Beat von Soulja Boys «Turn Your Swag On» zu reimen und trägt dekadente Markenklamotten und immitert Bewegungen aus Hip-Hop-Videos. Die Welt von Money Boy ist eine Kleine: Er redet über Luxusartikel, schöne Autos und Frauen, abgeschmeckt mit ein paar Ghettoklischees – es geht um den Swag.

«Keine Parodie»

Das kennt man zur Genüge aus amerikanischen Rap-Clips. Doch beim selbsternannten «Swagger-King aus Wien» ist es etwas anders: Er posiert in der Tiefgarage und im Autohaus vor teuren Schlitten, die ihm nicht gehören, der Sekt ist von Rotkäppchen und sein ganzer Stolz ein Gucci-Bandana im Wert von etwa 100 Franken. Wenn er sich dann noch einen «Rich-Nigga» nennt, weiss man endgültig nicht mehr, ob das alles nur eine Parodie ist. Darauf angesprochen meint er: «Ich rappe nicht über ernste Themen. Aber es ist keine Parodie. Ich liebe diese Art von Musik.» Weiter sagt er gegenüber 20 Minuten Online: «Wenn die Leute meine Videos ansehen und meine Musik hören, dann macht ihnen das Freude. Und zwar echte Freude, die tun nicht nur so. Wenn die Fans Eintritt zahlen, um mich live zu sehen, haben sie eine gute Zeit. Und die Veranstalter und ich machen gute Kohle. Echte Kohle, kein Monopoly-Geld.»

«Wie Lady GaGa»

Ob ernst gemeint oder nicht – die Money-Boy-Welle ist nicht zu stoppen. «Dreh den Swag auf» wurde auf YouTube schon über 2,5 Millionen abgeschaut – und ist noch vor dem legendären Track «Das Urteil» von Kool Savas eines der meistgeklickten deutschssprachigen Rapvideos. Money Boy geniesst seine 15 Minuten Ruhm: «Mein Traum war schon immer, ein grosser Rap-Star zu sein. Berühmt sein, Live-Auftritte, Fernsehauftritte, Fans, Musikvideos, Sponsoren, viel Geld verdienen. Jetzt ist der Traum wahr geworden. Ich rappe in ausverkauften Clubs und bekomme super Gagen, ich hab einfach richtig viel Spass im Moment», so der Wiener zu 20 Minuten Online. Dazu gehört auch, dass er auf der Strasse erkannt wird: «Ich war letzte Woche in der Münchner Innenstadt und wurde innerhalb einer halben Stunde von rund 100 Fans angesprochen. Ich hab mich wie Lady Gaga gefühlt», so Sebastian Meisinger, wie er mit bürgerlichem Namen heisst.

Der Major-Deal

Auf den skurrilen Erfolgs-Zug wollen jetzt viele aufspringen: So ist etwa Rapper Eko schon auf ihn aufmerksam geworden – und hat ihn kurzerhand für sein neues Mixtape verpflichtet. Der Berliner Rapstar Sido besuchte ihn sogar in Wien. Und selbst seriöse Rap-Medien sehen sich genötigt, mit ihm ein Interview zu machen. Der neueste Coup von Money Boy: Er hat einen Plattenvertrag. Und nicht etwa mit einem kleinen Independent-Label, sondern gleich mit einem Major, Sony Music. Für den Österreicher kam das nicht überraschend: «An Money Boy konnte man ja die letzten Monate nicht vorbei kommen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die grossen Labels an mich heran treten», so der 29-Jährige. Doch damit ist der Traum von Money Boy noch lange nicht zu Ende: «Ich würde gerne mit Rihanna zusammen arbeiten, sie ist supersexy und hat eine sehr coole Ausstrahlung. Oder mit Lil Wayne, wegen seines übertriebenen Swags.»

«Wo bist du mein Sonnenlicht»

Der Erfolg von Money Boy erinnert an jenen der Grup Tekkan. Diese generierte vor vier Jahren einen der ersten deutschsprachigen YouTube-Hypes. Mit «Wo bist du mein Sonnenlicht» schafften sie es auf 20 Millionen Klicks und in die Charts. Heute hört man von İsmail, Selcuk und Fatih nichts mehr. Es bleibt abzuwarten, wie lange Money Boy seinen Ruhm geniessen kann.