Mundart-Newcomer Eskimo

12. April 2019 12:20; Akt: 12.04.2019 12:20 Print

«Es ist ein Mittelfinger an die Leistungsgesellschaft»

Auf ihrem ersten Werk besingt die Berner Mundart-Band Eskimo die Leiden des Lebens in der Leistungsgesellschaft. Und liefert gleich die Antwort auf den berühmten Tag der Arbeit.

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Takeshi Röthlisberger (links) und Ricky Casablanca stehen auf Fruchtsäfte, Ananas-Prints und Mundart-Pop. Worauf die beiden Berner aber nicht stehen ist das Hamsterrad der Leistungsgesellschaft. Dieses besingen sie unter anderem auf ihrer frisch erschienenen Debüt-EP «Polaroid». Und rufen via 20 Minuten den Tag der «Nicht-Arbeit» aus, an dem du «einfach mal die Seele baumeln lassen» und «zu dir selbst finden» sollst. Das Duo geht mit gutem Beispiel voran und zeigt auf den folgenden Slides, wie es den Tag der «Nicht-Arbeit» feiert. «Wir spielen zu oft», gibt Takeshi zu, «immer, wenn wir uns zum Musikmachen treffen, spielen wir zum Warmwerden Pingpong. Wenn man bei den öffentlichen Tischen im Berner Marzili DNA-Proben nehmen würde, fände man wohl vor allem Schweisstropfen von uns. Dort hats auch noch richtige Netze und nicht diese Unart von Stahlnetzen, die immer verbreiteter werden.» «Badminton spielen wir, um unsere Koordination zu verfeinern. Es ist eigentlich Training fürs Pingpong», verrät Takeshi. «Wir wählen dafür angenehme Umgebungen – und da Ricky und mich eine jahrelange, innige Freundschaft verbindet, gibt es keinen besseren Ort als die romantische Rialto-Brücke in Venedig.» «Ricky steht am Scheideweg», erklärt sein Bandkollege, «er muss sich entscheiden, ob er professioneller ‹Mario Kart›-Spieler auf dem Nintendo 64 oder Profimusiker wird. Ich hoffe ja, dass er die Musik wählt.» Das N64-«Mario Kart» (1996 erschienen) sei übrigens das einzig wahre «Mario Kart». «Ich habe keine Chance gegen Ricky, er kennt jede Abkürzung und weiss, wie man jeden Glitch ausnutzt.» «Ricky klettert überall hoch – er war in einem früheren Leben wohl eine Raubkatze», sagt Takeshi. «Wenn wir für Konzerte nachts in Städten unterwegs sind, kann das schon mal gefährlich werden. Nicht für ihn, er beherrscht das, sondern dann, wenn die ungeübte Crew es ihm gleichtun will.» Takeshi: «‹Asterix›-Comics sind eine grosse Leidenschaft von uns. Sie sind wunderschön gezeichnet und es sind schöne Geschichten, die in den Heften erzählt werden. Auch zu ‹Lucky Luke› und ‹Tim und Struppi› können wir wunderbar abschalten. Ausserdem sind das alles nichts Geringeres als Epen.»

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Am Freitag ist die Debüt-EP «Polaroid» von Takeshi Röthlisberger und Ricky Casablanca alias Eskimo erschienen. Die beiden Berner besingen darauf unter anderem die Nostalgie des Aufwachsens in einem Dorf samt ersten Erfahrungen mit Sex und Substanzen (im Song «Töffli»), wie Takeshi 20 Minuten erzählt.

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«Hamschter» wiederum dreht sich ums Leben in der Leistungsgesellschaft, und um aus diesem Hamsterrad auszubrechen, haben Eskimo für Freitag den «Tag der Nicht-Arbeit» ausgerufen. «Es geht darum, der Leistungsgesellschaft den Mittelfinger zu zeigen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen», so Takeshi.

Wie er und Ricky das tun, siehst du auf den eventuell etwas mit Photoshop bearbeiteten Fotos oben in der Bildstrecke.

Die «Polaroid»-EP gibts ab sofort zum Beispiel bei Spotify im Stream:

Live werden die Songs voraussichtlich im Herbst auf einer Konzerttour zu hören sein.


«I han es Töffli, aber tanze chani nid» – das Musikvideo zur ersten Eskimo-Single «Töffli». (Quelle: Youtube/ESKIMO)

(shy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike M. am 12.04.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fischen und jagen

    Schon bereits als Kind in der Einschulung werden wir vorbereitet damit wir später wirtschaftlich Konkurrenzfähig bleiben und später dreht sich das Leben um Statussymbole, Arbeit, Funktion, Steuern und Rechnungen bezahlen und sich zu ernähren. Dabei bleibt für jeder ganz wenig Freizeit als Ausgleich und durch die moderne Technologie geht immer mehr zwischenmenschliche Werte verloren. Wären wir doch alle besser beim Fischen und jagen geblieben.

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  • Pedro am 12.04.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Branche

    Wenn man gegen die Leistungsgesellschaft ist, die Künstler wie sie massgeblich finanziert und fördert, dann ist das schon per se ein Paradoxon in Gold. Wenn man dann auch noch denkt als Musiker wäre man nicht Teil der Leistungsgesellschaft wo man sonst gleich wieder weg von der Bühne ist, wenn man die erwartete Leistung nicht bringt, dann wirft dies weitere Fragen auf.

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  • Josef am 12.04.2019 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen die Leistungsgesellschaft?

    Sicher? Oder doch diejenigen, die einen Herzinfarkt bekommen, wenn das Internet nicht funktioniert. Bei einer Zugsverspätung fast ausrasten und bei jeder gesundheitlichen Bagatelle sofort einen Notarzt brauchen. Das funktioniert nicht einfach so, auch nicht wegen den Künstlern, sondern aufgrund unserer Leistungsgesellschaft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karsten Bergt am 13.04.2019 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    karu

    Geile Musik ... geht gut zum tanzen aber viele Newcomerbands singen im SchwizerDialekt.... das versteht ja nur ein Teil der Schweizer Bevölkerung .... niemand sonst ! Ist wie mit dem Ohrwurm. 079.... schade für die Charts in den Deutschsprachigen Nachbarländern! Stefanie Heinzmann und andere haben es besser gemacht ... und bringen Schweizer Lebensfreude weltweit unter die Leute.

  • Kushthemen am 13.04.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Soziale Gerechtigkeit

    Für Inuits ist das E-Wort, ein und dasselbe, wie es das N-Wort für die Dunkelhäutigen. Die Brandmarkung, dir ihnen von weissen Imperialisten gegeben wurde. Es ist bezeichnend für unsere doppelmoralige Gesellschaft, dass es bei dieser Minderheit egal zu sein scheint. Ich finde, wir sollten Menschen ernst nehmen und sie achten, egal wie viel Einfluss sie in unserer Gesellschaft haben.

  • Musiker am 13.04.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht

    Dieter Bohlen hat nichts mit wirklicher Musik zu tun. Bitte bietet diesem Herrn keine Plattform mehr in eurer Rubrik Musik.

  • Avenarius am 13.04.2019 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schrott-Pop

    Echt schlimm, dass Amateure es nicht Ansatzweise bringen, Talent zu Beweisen.

  • Typhoeus am 13.04.2019 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm, all die

    Mit Zucker gesüßten Fruchtgetränke.