Gefeierte Sopransängerin

01. Oktober 2019 02:35; Akt: 01.10.2019 10:14 Print

Opernlegende Jessye Norman ist tot

Der Opernstar Jessye Norman ist im Alter von 74 Jahren an multiplem Organversagen gestorben.

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Als Opernsängerin begeisterte Jessye Norman Fans auf der ganzen Welt. Auch in der Schweiz ist die Sopranistin aufgetreten. Zudem wurde die Diva mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Jetzt ist Norman im Alter von 74 Jahren gestorben.

Die US-amerikanische Opernsängerin Jessye Norman starb am Montag (Ortszeit) im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in New York, wie unter anderem die «New York Times» und der Radiosender NPR unter Berufung auf einen Sprecher ihrer Familie berichteten. Auch die New Yorker Metropolitan Oper (Met) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Tod der Sängerin. Ursache waren ein septischer Schock und Multiorganversagen infolge von Komplikationen nach einer Rückenmarksverletzung, die sie 2015 erlitten hatte.

Opernstar und Jazz-Interpretin

Norman gewann in ihrer Laufbahn vier Grammys für ihre Aufnahmen und einen für ihr Lebenswerk, zudem die Ehrenmedaille National Medal of Arts. Die Afroamerikanerin feierte als eine der ersten dunkelhäutigen Künstlerinnen in der Opernwelt Erfolge. Sie war vor allem als Interpretin von Opern Richard Wagners bekannt. Zu ihrem grossen Repertoire gehörten aber auch Werke unter anderem von Francis Poulenc, Leos Janá?ek, Béla Bartók, Giuseppe Verdi, Richard Strauss oder Arnold Schönberg. Dabei zeichnete sie ein warmes Timbre aus. Sie galt als eine der weltweit bekanntesten Opernstars, wurde aber auch als Jazz-Interpretin geschätzt.

In einer Erklärung ihrer beiden Geschwister James Norman und Elaine Sturkey hiess es, sie seien stolz auf die musikalischen Leistungen Jessye Normans. «Wir sind ebenso stolz auf ihr humanitäres Engagement im Kampf gegen Hunger, Obdachlosigkeit, für Ausbildung der Jugend sowie Kunst- und Kulturbildung.»

Die Met, an der sie in rund 80 Aufführungen mitwirkte, teilte mit, man trauere um Norman, «eine der grossen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts.» Generaldirektor Peter Gelb sagte: «Jessye Norman war einer der grössten Künstler, die je auf unserer Bühne gesungen haben». Ihr Vermächtnis werde für immer weiterleben. Norman habe das Publikum mit ihrem schönen Ton, ihrer aussergewöhnlichen Kraft und ihrem musikalischen Feingefühl begeistert. Die Vorstellung von «Porgy and Bess» am Montagabend sei Norman gewidmet gewesen.

Debüt an der Deutschen Oper in Berlin

Norman war am 15. September 1945 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia als eines von fünf Kindern in eine musikalische Familie hinein geboren wurden. Schon als Kind hörte sie Opern im Radio, begann aber auch früh, Gospel zu singen. «Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass Operngeschichten nicht anders als andere Geschichten sind: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, sie können aus irgendeinem Grund nicht zusammen sein und meistens geht es nicht gut aus», schrieb Norman in ihrer Autobiografie. «Für mich waren das Erwachsenen-Versionen von Geschichten, die ich schon kannte.»

Norman studierte Musik in Washington an der für Schwarze gegründeten Howard Universität, später am Peabody-Konservatorium und an der Universität von Michigan. 1968 gewann sie einen Musikwettbewerb in München, im darauffolgenden Jahr feierte sie ihr Operndebüt an der Deutschen Oper in Berlin in Wagners «Tannhäuser».

Sie sang an zahlreichen weiteren renommierten Opernhäusern. Schliesslich liess sie sich in London nieder und widmete sich jahrelang Liederabenden. Aufgetreten ist sie auch in der Schweiz, etwa im Jahr 2006 in Gstaad und im Jahr 2010 in Montreux.

Jessye Norman am Montreux Jazzfestival. (Video: Youtube/Gabriel Ishimaru)

Der vielfach ausgezeichnete Opernstar sang bei den Amtseinführungen von zwei US-Präsidenten, bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta und bei den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der Französischen Revolution 1989. In den vergangenen Jahren trat sie nur noch selten auf.

Zahlreiche Kollegen und Stars betrauerten den Tod der Sängerin. «Was ein betroffen und traurig machender Verlust heute», schrieb die Operndiva Renee Fleming per Kurznachrichtendienst Twitter und der Sänger Rufus Wainwright kommentierte: «Die Welt hat eine der grossartigsten Stimmen verloren, die wir je hatten und gehört haben. Sie hat sich für uns ausgeschüttet. Ruhe in Frieden, liebste Jessye Norman.»

(chk/sda)