Tina Turner in Zürich

16. Februar 2009 12:10; Akt: 16.02.2009 13:43 Print

Schuften mit fast 70 Jahren

Comeback in der Wahlheimat: Tina Turner, die «Grand Old Lady» der Rockmusik, hat das anfänglich reservierte Publikum im Zürcher Hallenstadion am Sonntagabend mit einer bombastischen Show zurückerobert.

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Die 69-jährige Sängerin vertraut auf ihrer jüngsten Tour - neun Jahre nachdem sie sich eigentlich schon von den grossen Bühnen verabschiedet hatte - dem Rezept von Barack Obama: Persönliches Charisma gepaart mit tradierten Werten und hartem Tagwerk.

So mag es steuertechnisch bis zur endgültigen Abschaffung der Pauschalbesteuerung im Kanton Zürich noch eine Rolle spielen, ob die Konzerte der Einwohnerin von Küsnacht ZH am Sonntag und Montag als Arbeit gelten. Für die Zuschauer ist klar: Turner schuftet.

In unzähligen Glitzerkleidern und jeweils passenden High Heels fegt sie über die Bühne und tänzelt mit Frauen, die ihre Enkelinnen sein könnten, um die Wette. Das Publikum - zumeist Menschen mittleren Alters - reagiert zu Beginn mit Respekt, ohne jedoch voll mitzugehen. Es sei etwas ruhig «in the house», konstatiert Turner.

Show im Las Vegas-Stil

Dies ändert sich spätestens beim Song «What's Love Got to Do with it», dem erfolgreichsten Lied in der jahrzehntelangen Karriere der Sängerin. Mitte der 80er Jahre funktionierte das Stück als kraftvolle Abrechnung mit Tinas gewalttätigem Ex-Ehemann «Ike».

Am Sonntagabend bietet es Stoff für einen spielerischen Sing-Wettbewerb zwischen den Geschlechtern, wobei Turner sowohl von Frauen wie Männern mehr «attitude» (Haltung) fordert. Auch später setzt die Turner-Show auf klassische Elemente und erinnert streckenweise an eine Nummernrevue im Las-Vegas-Stil.

«Ninja»-Tänzer etwa kapern die Bühne und lassen sich erst nach einiger Zeit von tanzendem Security-Personal vertreiben. Pyro-Effekte fehlen nicht, und bei den Soundtrack-Stücken aus der Mad-Max- und der James-Bond-Reihe - «We Don't Need Another Hero» (1985) und «Goldeneye» (1995) - wird die Bühne zur Filmkulisse.

Keine Verwendung für Stühle

Dass die Jahre selbst an Turner nicht gänzlich spurlos vorbeigehen, zeigt allenfalls die bei einem Rockkonzert eher unübliche Pause von 30 Minuten. Spätestens in der zweiten Hälfte hält es die Zuschauer, für die bis in die erste Reihe Stühle bereitgestellt worden sind, nicht mehr auf den Sitzen.

Die US-Sängerin ist jetzt mit ihrem Publikum zufrieden, auch wenn sie sich nicht - wie bei ihrem letzten Konzert im Hallenstadion im Sommer 2000 - als «Tina from Switzerland» zu erkennen gibt. Anlässlich der Zugabe «Nutbush City Limits» schwebt Turner auf einem Schwenkkran über die Menge.

Das Hallenstadion bebt; die «little reaction» (kleine Reaktion), nach der sie im Song «Typical Male» zu Beginn des Konzerts verlangt hatte, erhält Turner umstandslos - und weit mehr als das.

(sda)