Guerilla-Marketing

08. Mai 2012 15:54; Akt: 08.05.2012 21:11 Print

Seven lässt Zürcher Plakate maskieren

In Zürich sind in der Nacht auf Dienstag zahlreiche Plakatwände maskiert worden. Hinter der Aktion steckt eine gezielte Guerilla-Marketing-Aktion des Soul-Sängers Seven.

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Die Löwen des Zürcher Zoos tragen eine Maske. Models einer Modekette ebenso. Und auch Sänger verbergen ihr Gesicht hinter einer schwarz-rot-goldenen Maske. Die Farbkombination ist dieselbe wie in der deutschen Flagge. Stecken unsere Nachbarn hinter der Nacht-und-Nebel-Aktion in Zürich? Ist es gar eine Retourkutsche für die Aussage von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, dass es zu viele Deutsche in der Schweiz gibt?

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Ganz und gar nicht. Ein kleiner Schriftzug liefert den Hinweis auf den Verein «The Art is King». Dieser verfolgt gemäss eigener Auskunft das Ziel, «mit dem verstaubten und elitären Image des Begriffs ‹Kunst› aufzuräumen.» Weiter schreibt der Verein auf seiner Website: «Unter Kunst verstehen wir nicht nur subventionierte Anlässe, die hauptsächlich von Fachpersonen besucht werden. Kunst entsteht im Alltag vor unseren Augen.»

Hinter dem vermeintlich nicht kommerziellen Webauftritt steht allerdings die Event-Agentur Red Key aus Luzern. Sie vertritt den Aargauer Soul-Sänger Seven, der am 21. September 2012 ein neues Album veröffentlichen wird. Ausserdem startet die Tour des Sängers Ende Juni.

Seven: «Ich stehe voll und ganz hinter der Kleber-Aktion»

Die Aktion ist also nichts anderes als geschicktes Marketing für einen Musiker. Seven, der mit bürgerlichem Namen Jan Dettwyler heisst, bestätigt gegenüber 20 Minuten Online selber, dass er hinter der Aktion steht. Und: «Ich stehe voll und ganz hinter der Kleber-Aktion.» Er betont allerdings, dass er mit der Aktion nicht Werbung für sich als Musiker machen will, sondern für eine neutrale Plattform, die sich mit dem Begriff «Kunst» auseinandersetzen will.

Die Idee mit den Klebern stammt von ihm. Das Ziel war es, wenigstens einmal die Stadtzürcher damit zu konfrontieren, dass sie sich überlegen sollen, was für sie Kunst ist, ohne gleichzeitig einen Wettbewerb ausfüllen zu müssen oder mit Werbung bombardiert zu werden.

Seven: «Schöne Sachen lasse ich mir nicht entgehen»

Ob der Sänger auch selber beim Kleben dabei war, liess er sich nicht entlocken, sagte aber mit einem Augenzwinkern: «Wer mich kennt, weiss, dass ich mir schöne Sachen nicht entgehen lasse.» Mit der Website «The Art is King» will er eine Message verbreiten: «Leute, fühlt euch aufgefordert, das auszutauschen, was ihr wollt und was euch gefällt!» Dazu passt, dass der Sänger die Homepage «The Art is King» weiterlaufen lassen will, ohne diese jemals mit seiner professionellen Homepage als Musiker zu verknüpfen oder Alben darauf zu verkaufen. Und weiter: «Ich werde auf dieser Homepage ganz sicher nie die Maske ablegen.»

Darauf angesprochen, dass er sich mit der Marketing-Aktion allenfalls strafbar gemacht hat, appelliert Seven an die Firmen, deren Plakate überklebt worden waren: «Immerhin haben wir ja nur Gesichter mit den Masken bedeckt und so keine einzige Message der Plakate verändert.» So hofft er, dass man sich entsprechend wird gütlich einigen können. Ausserdem habe man zwei Regeln aufgestellt, um zusätzliche Schäden möglichst zu vermeiden: Nirgends draufstehen und nur Plakate bekleben, die wieder ausgewechselt werden.

Gegenüber 20 Minuten Online gibt der Sänger auch preis, dass der Name der Homepage «The Art is King» der Titel eines Songs sei, den er vor neun Monaten geschrieben habe und der auf dem neuen Album mit dem Namen «TAIK» erscheinen soll. In diesem stellt er ebenfalls seine Überlegungen zu den Themen Kunst und Kommerz an.


Die Resultate der Klebeaktion im Video:
(Video: Youtube/tim tanner)

(rme/jam)