05. August 2006 14:52; Akt: 07.08.2006 11:36 Print

Stones: Urknall in Dübendorf

«A Bigger Bang» heisst die aktuelle Tour der Rolling Stones. Sie wurde ihrem Namen mehr als gerecht: Die Band spielte am grössten Rock-Konzert der Schweizer Geschichte grandios und blies alles über den Haufen.

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Es war eine Show der Superlative, und das in jeder Hinsicht. Die grösste Band der Welt spielte auf der grössten Konzertbühne, die hierzulande je aufgestellt wurde, vor dem grössten Schweizer Rock-Publikum der Geschichte (65'000 Zuschauer) auf dem mit über vier Quadratkilometern grössten Open-Air-Areal der Schweiz. Das Setting war also ideal für den «Bigger Bang», den Riesen-Knaller der Stones – unbescheiden wie immer verkündet ihr Tour-Motto ironisch, dass die Band sogar den Urknall übertreffen werde.

Den Schweizer Lovebugs war es am Samstag bereits zum zweiten Mal vergönnt, vor den Stones zu eröffnen. Zum Glück spielten die Bugs, anders als vor drei Jahren, ein härteres Set: Sie rockten den Militärflughafen und hielten so das ungeduldige Publikum mit einem kurzen Greatest-Hits-Programm bestens bei Laune. Kasabian waren als nächstes dran: Ihr hypnotischer Trance-Rock war perfekt vorgetragen, wollte aber nicht recht zur fröhlichen Stimmung auf dem Open-Air-Gelände passen. Vor dem Auftritt der Stones durften die Flugzeuge der Patrouille Suisse ihre waghalsigen Manöver direkt über den Köpfen des Publikums zeigen – zur allgemeinen Erleichterung kam es dabei noch nicht zum Big Bang.

Dieser folgte um 20.30 Uhr und dauerte ganze zwei Stunden. Was die Herren Mick Jagger, Keith Richards, Ronny Wood und Charlie Watts, alle bis auf Wood über 60 Jahre alt, mit ihrer 14-köpfigen Band spielten und zeigten, war schlicht umwerfend. Denn bei aller Megalomanie – von der fahrbaren Mini-Bühne über Flammenwände zu «Sympathy For The Devil» bis zur grossen aufblasbaren Zunge zu «Honky Tonk Woman» – steht bei den Stones nach wie vor die Musik im Vordergrund. Sie spielten ein perfekt ausbalanciertes Set – alte Klassiker, selten gespielte Songs (etwa «She’s So Cold» oder «All Down The Line») und ganze drei Stücke von der neuen CD gingen nahtlos ineinander über.

Dauerspastiker und –jogger Mick Jagger war der Mann des Abends – auf seine Fitness wurde wohl mancher 20-Jährige neidisch, und gesanglich bot der geborene Entertainer eine Glanzleistung. Die Songs wurden von der Band mit derart grosser Hingabe gespielt, dass auch die anfänglichen Aussetzer Keith Richards (in der wunderschönen Ballade «Wild Horses» etwa verlor er zwischenzeitlich völlig den Faden) die ansonsten perfekte Darbietung nicht zu trüben vermochten. Keith fing sich wieder – und machte mit seinen unvergleichlichen Riffs, etwa in «Honky Tonk Woman» und «You Can’t Always Get What You Want», der ersten Zugabe des Konzerts, alles mehr als wett. Die Spielfreude der Stones sprang schnell auf das Publikum über – bei «Start Me Up» erhoben sich sogar die Zuschauer von ihren teuren Tribünen-Sitzplätzen.

Nach «Satisfaction» und einem Feuerwerk war Schluss – das Publikum wurde befriedigt entlassen. Zu hoffen ist nur, dass dieser «Bigger Bang» nicht der letzte Schweizer Kracher der Rolling Stones war.

(gbr)