Xmas Number One

17. Dezember 2011 11:12; Akt: 17.12.2011 12:05 Print

Wird Nirvana Weihnachtsmeister?

von Oliver Baroni - Alle Jahre wieder droht Grossbritannien der Hitparadenkrieg. Auch heuer versucht eine Facebook-Kampagne dem «X Factor»-Gewinner die Weihnachts-Nummer-Eins streitig zu machen – mit Nirvana.

Oh du Fröhliche: Ist das die Weihnachts-Nummer-Eins?
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Die Frage, wer zu Weihnachten Nummer eins in der britischen Hitparade wird, gleicht auf der Insel einem sportlichen Ereignis. Bekanntlich lieben es die Briten, Wetten abzuschliessen. Namen künftiger Royal-Sprösslinge, Sportresultate, Eurovisions-Gewinner - auf alles lässt sich wetten. Und so ist das Rennen um die ‹Christmas Number One› ein fixer Bestandteil britischer Weihnachtsfeierlichkeiten.

Waren in früheren Jahren die Beatles oder Cliff Richard Spitzenreiter in dieser Disziplin, wurde die Topplatzierung seit 2005 stets vom Sieger der vorangegangenen «X Factor»-Staffel gekapert ... bis 2009 eine Facebook-Kampagne «Killing In the Name» von Rage Against the Machine dank einer Aktion auf Platz eins hievte und den «X Factor»-Gewinner Joe McElderry auf die Plätze verwies.

Rebellion von unten

Denn: So populär die Talent-Show «X Factor» in seinem Ursprungsland auch sein mag, so sehr nehmen es viele Briten der Sendung (und deren Erfinder und Juror Simon Cowell) übel, dass Spannung und Spass um die «Christmas Number One» weitgehend verschwunden sind – bis ins Jahr 2009.

«Fuck you, I won’t do as you tell me!» heisst es im wutentbrannten Refrain von «Killing In the Name» der US-Crossover-Band Rage Against the Machine. Die Botschaft war klar, als vor zwei Jahren ausgerechnet dieser Song als Herausforderer gewählt wurde: Zu sehr war Simon Cowell als selbstherrlicher Medien-Mogul aufgetreten. Dem wollte man einen Denkzettel verpassen.

Durch den Erfolg von 2009 ermuntert - «Killing In the Name» hält den Rekord für den sich am schnellsten verkauften Download - versuchten 2010 gleich mehrere Anwärter, den «X Factor»-Favoriten von der weihnachtlichen Spitzenposition zu verdrängen. Doch gerade die Auswahl führte dazu, dass die Rebellen-Singles sich gegenseitig kannibalisierten: «X Factor»-Gewinner Matt Cardle säuselte sich bequem auf die Eins, während The Trashmen mit «Surfin' Bird» immerhin auf Platz drei, Biffy Clyro auf die Acht, John Cages Ode an die Stille «4:33» abgeschlagen auf den 21. Platz zu liegen kamen. (Immerhin: Vier Minuten und 33 Sekunden völlige Stille auf Platz 21 einer nationalen Hitparade – so was gabs noch nie! Aber das ist bestenfalls eine Fussnote …)

«Here we are now – entertain us!»

Auch heuer versucht eine basisdemokratische Kampagne die Casting-Show-Dominanz zu brechen. Diesmal soll es der Nirvana-Klassiker «Smells Like Teen Spirit» richten. Der Auftrag ist klar: Ab Mitternacht am 18. Dezember soll jeder den Grunge-Hit bei iTunes, Amazon und Co. runterladen. Am besten gleich mehrmals.

Die Chancen für Nirvana stehen nicht schlecht: Bei der diesjährigen Staffel des britischen «X Factor» sind die Einschaltquoten merklich eingebrochen. Gewonnen haben am Sonntag die Girl Group Little Mix, die nicht gerade durch gesangliche Höchstleistungen glänzte.

«Allemals besser als Karaoke-Quatsch!»

«Ich habe zwei 7-Inch-Vinyl-Singles und werde mit 20 Downloads kaufen», schreibt ein User auf der «Nirvana for Chrismas No. 1»-Facebook-Seite. «Dabei mag ich Nirvana nicht einmal besonders. Doch sie sind allemal besser als ein von Simon Cowell gesteuertes, grauenhaftes Karaoke-Massenprodukt […] Lasst uns dies hier auf die Eins hieven Kids, damit «X Factor»-Juror Louis Walsh merkt, dass er seinen blöden Mund zu voll genommen hat!»

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch es gilt zu bedenken, dass der Charme von Facebook-Kampagnen inzwischen etwas abgenommen hat; der Reiz des Neuen ist abgeflacht. Hatte die Rage-Against-the-Machine-Kampagne noch über 600 000 ‹likes›, bringt es das Nirvana-Pendant auf 130 000. Auch steht harte Konkurrenz in Form der Military Wives Choir an. Die Soldaten-Ehefrauen haben mit ihrer Ode an gefallene und verwundete Soldaten einen wahren Vorschlaghammer eines Schmachtfetzens geliefert. Dieser Song dürfte gerade in der Weihnachtswoche schwierig zu schlagen sein - zumal die Einnahmen (wie bei «Smells Like Teen Spirit») an wohltätige Stiftungen gehen.

Ob auf der Eins der britischen Hitparade Kurt Cobains «Here we are now – entertain us!» erklingt, erfahren wir am Weihnachtstag.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MacDubh am 19.12.2011 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch einfach lustig

    Ich will jetzt nich angriffig sein, aber Schweizer können so etwas eh nicht verstehen, es hat mit der Mentalität in England zu tun, sich vehement in den Weg zu stellen und ich möchter gerne sehen, wie dies in der Schweiz umgesetzt werden würde ;) an alle die nur ihre Welt sehen.

  • Kurt wer? am 17.12.2011 18:30 Report Diesen Beitrag melden

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    Ah und Nirvana ist kein Massenprodukt?

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  • Skeptiker am 18.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    sowas

    Hier geht's wohl nur um Rechthaberei. Man braucht sich den Schäh ja nicht anzuhören.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MacDubh am 19.12.2011 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch einfach lustig

    Ich will jetzt nich angriffig sein, aber Schweizer können so etwas eh nicht verstehen, es hat mit der Mentalität in England zu tun, sich vehement in den Weg zu stellen und ich möchter gerne sehen, wie dies in der Schweiz umgesetzt werden würde ;) an alle die nur ihre Welt sehen.

  • Skeptiker am 18.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    sowas

    Hier geht's wohl nur um Rechthaberei. Man braucht sich den Schäh ja nicht anzuhören.

  • Kurt wer? am 17.12.2011 18:30 Report Diesen Beitrag melden

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    Ah und Nirvana ist kein Massenprodukt?

    • Manuel am 18.12.2011 00:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht vergleichbar

      Nirvana haben ihre Lieder selbst geschrieben und wurden nicht von einem Produzenten hochgepusht und mit Songs gefüttert. Alles klar?

    • N. Denger am 18.12.2011 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nirvana

      Nein, Nirvanas "Smells like teen spirit" ist definitiv kein Massenprodukt - es wurde zwar irsinnig viel gekauft, dies konnte aber bei der Produktion niemand ahnen. Evtl könnte man die Unplugged Scheibe als das bezeichnen (ist aber trotzdem ein tolles Album :-))

    • rio reiser am 19.12.2011 22:50 Report Diesen Beitrag melden

      hmmmm

      hmmm??? also wenn es als massenprodukt geplant ist und ist ein flop..dann bleibts trotzdem ein massenprodukt???? wenns nicht als massenprodukt geplant ist... und die masse fährt drauf ab..dann ist es kein massenprodukt??? bin ich blöde oder wieso versteh ich das nicht ;-) glaubt ihr im ernst eine plattenfirma hofft nicht auf einen verkaufsschlager..??

    • Melanie am 20.12.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Grunch

      Erinnert euch bitte, Nirvana hat in den 90-ern mit der neuen Musikstilrichtung(Grunch), Musikgeschichte geschrieben!Und sehr viele Musiker inspiriert, auch heute noch! Und was machen diese anderen gepushten neuen Bands der heutigen Zeit??? Da ist wohl ein riesiger Unterschied! R.I.P. Kurt Cobain, er war einer der sehr Grossen.!!!

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  • Pietro am 17.12.2011 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nirvana vs. X Factor

    Die spinnen die Briten... Ich liebe Nirvana und hasse XF aber ich wuerde nie wegen der Hitparade dasselbe Lied ein oder sogar mehrmals runterladen, vor allem wenn man das Lied schon besitzt. Das ist wieder reine Geldmacherei. Christmas-Marketing ;)

  • Anonym am 17.12.2011 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Little Mix sind cool

    Little Mix können sehr gut singen!

    • Rocco am 18.12.2011 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Find ich also auch!! ;-)

    • XFactor-Zuschauer am 20.12.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Verglichen mit anderen Sängers aus dieser Staffel, wie Marcus Collins, Amelia Lily und Misha B (Plätze 2-4) waren Little Mix teilweise grauenhaft.

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