So krass sind die Fans

08. März 2011 14:39; Akt: 08.03.2011 15:48 Print

Zürich erwartet ein brodelndes Bieber-Fieber

von Philipp Dahm - Wenn Sie etwas älter sind, kennen Sie den Hype um Justin Bieber quasi nur aus der Ferne. Hier sehen Sie, wie wahnsinnig die Fans des Knaben wirklich sind.

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Die oben stehenden «Biebians», also lesbische Frauen, die wie Justin Bieber aussehen, haben wir Ihnen ja bereits vorgestellt. Und dass kleine Mädchen alleine beim Erwähnen dieses Namens in ohrenbetäubende Kreischanfälle verfallen, haben Sie wahrscheinlich auch schon mitbekommen. Doch im Gegensatz zu der «guten alten Zeit», in der höchstens mal ein Unterhöschen die Bühnen von Bands wie New Kids on the Block oder East 17 erreichte, sind vorbei. Die Bieber-Fans rücken in ganz neue Dimensionen vor.

Vor seinem ausverkauften Konzert am 8. April im Zürcher Hallenstadion versuchen Justin-Bieber-Fans auf Webseiten wie Ricardo.ch, noch einige der letzten Tickets zu ersteigern. Die Preise liegen zwischen 80 und 160 Franken – und wer 499 Franken übrig hat, kann gar in Logen nahe der Bühne gastieren. Was der Sänger anfasst, wird zu Gold: Die Wohltätigkeitsversteigerung einer Locke des Knaben in den USA brachte jüngst eine Summe von über 40 000 Dollar ein.

«For Beliebers in Justin Bieber»

Wie ernst es den Bieber-Anhängern ist, verrät auch eine Seite wie die der «Beliebers», die zeigt, dass die Anhänger den Knaben durchaus als ihren Messias sehen. «For Beliebers in Justin Bieber» ist sie gemacht, an der «Bieber Wall» können klagemauer-mässig fromme Wünsche hinterlassen werden. Aber wenn Sie das schon merkwürdig finden, dann warten Sie ab, bis Sie mit eigenen Augen sehen, wie abgedreht die Bieber-Jünger wirklich sind.

Nehmen Sie nur diesen Auftritt des Teenagers im März 2010. Und hier sehen Sie nicht Amerikaner, sondern Briten, die Bieber bei den Londoner Studios des Senders GMTV abpassen wollen. Der Mob ist dadurch angestachelt, dass der damals 16-Jährige im Interview sagte, er könne sich durchaus vorstellen, auch ein Inselmädchen als Freundin zu erwählen. Drehen Sie unbedingt den Ton runter, denn die Menschentraube skandiert laut und eindringlich den Namen seines Heilands. Sehr laut und sehr eindringlich.


Bieber in London. Quelle: YouTube

Ab Sekunde 40 kommt Bieber bei den Fans vorbei, schreibt zwei, drei Autogramme und verschwindet. Bei 1:23 ist schon wieder alles vorbei und der Mob muss zwei herausfahrenden Vans Platz machen (Minute zwei). Mühsam bahnt sich eine kleine Kolonne den Weg durch die Tennie-Belagerung, wild klopfen und schreien die Kinder an die Wagen. Und dabei steigt Justin erst bei Minute drei ein, aber er hätte ja drin sein können!!! Als der Van bei 3:45 auf die Strasse rollt, rollt der Mob in den laufenden Verkehr hinterher.

So weit, so fanatisch – und vielleicht auch schon so bekannt. Doch stellen Sie sich den Mob mal wütend vor, weil der Bengel nicht aufkreuzt. So geschehen in der Shopping-Mall «Roosevelt Field» im November 2009 im US-Bundesstaat New York. Weil der Andrang der Masse zu gross geworden war, dass das Geländer einzubrechen drohten, musste eine Autogrammstunde in einem Geschäft abgesagt werden, was die Fans und auch deren Eltern schrecklich in Rage brachte.

Der Sänger selbst heizte die Situation via Twitter übrigens selbst noch auf, indem er ankündigte, er käme doch noch. Erst als er die Fans bat, nach Hause zu gehen, entspannte sich die Situation. Vier Personen wurden verletzt, ein Mitglied der Bieber-Crew kurzzeitig verhaftet.


Bieber verursacht einen «riot» in der Mall. Quelle: YouTube

Was, glauben Sie, passiert so einem Fan, wenn er seinem Idol einmal begegnen würde? Oder noch besser: Was passiert wohl, wenn Sie einem solchen Fan erzählen, dass er bei einem Radiosender hätte anrufen können, der ein Treffen ermöglicht? Genau, so bringen Sie eine 16-Jährige zum Weinen. Und die Überbringer der schlechten Nachricht freuen sich diebisch über die verzweifelte Reaktion…


Tränen ob verpasster Chance. Quelle: YouTube

Oder nehmen Sie diese junge Dame, die zwischen Gelächter ob der eigenen Albernheit und tränenerstickter Stimme berichtet, wie ein wildfremdes Mädchen ihr im Internet versprach, sie würde dafür sorgen, dass sie Justin Bieber persönlich begegnen könnte.


Eine weitere 16-Jährige muss eine bittere Wahrheit erkennen. Quelle: YouTube

Wie fanatisch die Anhängerschaft des Bieber-Kultes ist, bewies auch die letzte Grammy- Verleihung. Der Titel für den «Best New Artist» ging nicht an den kleinen Kanadier, sondern an die Jazz-Newcomerin Esperanza Spalding (siehe Story «Geh und verrecke»). Dass ein 7-Jähriger deswegen weint, kann man noch lustig finden.


Jonah weint für Justin. Quelle: YouTube

Doch dieser Mascara-Wasserfall mit seiner offenbar ehrlichen seelischen Erschütterung macht dann doch ein wenig nachdenklich, oder?


«Who the fuck is Esperanza Spalding?». Quelle: YouTube

Und was glauben Sie geschah, als Biebers Beziehung zu Selena Gomez publik wurde? Klar, Todesdrohungen waren die Folge (siehe Story «Gomez ist eine Krebs-Hure»). Genau so spannend wie diese Fanatiker sind die Fans, die ihnen widersprechen: Wenn du nämlich ein echter Bieberjünger bist und du dich wirklich um ihn sorgst, dann willst du bloss, dass Justin glücklich ist. So wie dieser vernünftige «Belieber».


«Wenigstens ist er glücklich». Quelle: YouTube


Dieses junge Mädchen meint, Gomez und Bieber, das sei als «würde deine beste Freundin mit deinem Ex gehen». Quelle: YouTube


Der selbsternannte Bieber-Fan Nummer eins hat alles: den Bieber-Wecker, den «JB»-Toast und Eltern, die der 12-Jährigen jedweden technischen Schnickschnack kaufen. Quelle: YouTube