«Von hier an blind»

04. April 2005 21:37; Akt: 04.04.2005 21:41 Print

Wir sind Helden mit Gesellschaftsschelte

Bevor irgendwer über den Zweitling der Helden urteilen konnte, sagte die Band mit der Single «Gekommen um zu bleiben» auf humorvolle Art selbst, was Sache ist.

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Der Song swingt und macht Laune. Doch wie bei ihrem 2003er- Coup «Guten Tag (Die Reklamation)» sind es auch auf «Von hier an blind» die Texte von Sängerin Judith Holofernes, die den gefälligen Pop wirklich scharf und originell machen.

So bekommt etwa das Musikgewerbe in «Zuhälter», angeprangert als «das kälteste Gewerbe der Welt», sein Fett weg. Pointiert singt Holofernes: «Ihr schickt meine Lieder auf die Strasse, um für euch zu laufen. Sie sollen sich verkaufen.» Weiter geht die muntere Gesellschaftsschelte in «Zieh dir was an». «Wer etwas kann, Mädchen, zieht dann und wann etwas an.»

Die Moralspritzen wirken aber nie bitter, sondern machen Lust auf unbeschwertes Tanzen, Lachen und Feiern. Das unterscheidet Wir sind Helden etwa von der Hamburger Intelligenzija und katapultiert das neue Album bestimmt wieder in die Charts. Und dass Holofernes mit «Echolot» oder «Ein Elefant für dich» neu auch schöne Liebesballaden schreibt, lässt einen die Helden noch fester ins Herzen schliessen.

Olivier Joliat