«Collapse Into Now»

07. März 2011 20:18; Akt: 07.03.2011 20:23 Print

R.E.M. haben es doch noch drauf

von Marlies Seifert - Nach über einem Jahrzehnt haben R.E.M. tatsächlich noch die Kurve gekrieg.

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R.E.M

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Die Collegerock-Helden haben endlich wieder eine Platte abgeliefert, die rumpelt, kribbelt und kracht. Seit dem 1998 erschienen «Up» dümpelte die Band um Sänger Michael Stipe in der Belanglosigkeit vor sich hin und schien ein unbändiges Bedürfnis zu haben, sterbenslangweiliges Geplätscher mit fluffigen Keyboards und weinerlichem Gesang aufzupeppen. Zuletzt wählte man auf «Accellerate» die Alles-nach-vorn-Taktik und haute einfach nur noch planlos und ungestüm drauflos.

Nun ist die Durststrecke endlich überstanden: Ein Trip nach Berlin brachte die kreativen Säfte wieder ins Fliessen. In den Hansa-Studios, wo schon David Bowie seine Berlin-Trilogie und U2 ihr «Achtung, Baby» aufgenommen hatten, entstand das 15. R.E.M.-Album. Und das markiert in der 30-jährigen Bandgeschichte die Rückkehr des Trios zu seiner alten Form.

Schon der Opener «Discoverer» kommt mit voller Wucht daher und verpasst dem Hörer mit seiner heulenden Gitarre und dem knallenden Beat die erste Dröhnung. So energetisch und lustvoll klangen R.E.M. seit Ewigkeiten nicht mehr. Auch das euphorische «Mine Smell Like Honey» treibt jedem Fan die Glückstränen in die ­Augen. Bei «Überlin», dem folkigen Tribut an die Wahlheimat auf Zeit, werden gar Erinnerungen an den alten Liebling ­«Drive» wach.

Mit «Collapse Into Now» liefern R.E.M. kein Meisterwerk ab, aber sie zeigen sich wieder in alter Stärke.