CDs der Woche

07. April 2005 04:33; Akt: 06.04.2005 22:42 Print

Mobilmachung

Die müssen aus Belgien sein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

So verspielt und doch eingängig arrangiert man Gitarren, Tasten und Beats aller Art nur im Land von Deus, Das Pop oder Ghinzu. Dazu noch Emily Haines süsser Gesang à la Sarah Bettens. Aber nein: Metric stammen aus Toronto, Kanada, und werkeln gelegentlich auch beim Broken-Social-Scene-Kollektiv. Daher wohl auch das Politische im Albumtitel «Old World Underground, Where Are You Now?» und Songs wie «Combat Baby» oder «Dead Disco». Da sich mit den Songs nebst Barrikaden auch Tanzflächen stürmen lassen, sollte das Quartett eigentlich auch die Alte Welt mobilisieren. Szene, wo bist du?

OJO

Metric «Old World underground, Where are you now?» (mv).


Fahrstuhlrock

Mit «Make Up the Breakdown» verschafften sich Hot Hot Heat in der zweiten Reihe der The-Bands Gehör. Auf dem Nachfolger «Elevator» bügeln die Amerikaner nun die Schwächen ihres Debüts aus. Waren die Gitarren zuvor nur grobschlächtig, sind sie jetzt zwar noch ungestüm, dafür aber präzise. Musste es zuvor krachen, darf jetzt auch die Dynamik greifen. Und der Gesang von Steve Bays erwehrt sich nicht mehr spuckend der entfesselten Gewalt. Erst so kommt die zwiespältige Brillanz dieser Band zum Vorschein: Ihre Songs verbinden Melancholie mit Ausgelassenheit. Jetzt wird es eng in der ersten Reihe.

CER

Hot Hot Heat «Elevator» (SIRE/WARNER).


Seelenbalsam

Wieder einmal verabreicht Nick Cave, der Altmeister der Schwermut, gebrochenen Herzen eine wohltuende Portion Seelenbalsam. Drei CDs und 56 Tracks aus seinen 20 Jahren mit den Bad Seeds umfasst die Retrospektive — Songs, die zumeist auf die B-Seiten von Singles verbannt oder gar nie veröffentlicht wurden. Darunter finden sich wahre Perlen. Etwa die zynische Version von «What a Wonderful World», die Cave im Duett mit Shane MacGowan singt, dem verlebten Frontmann der Pogues. Oder eine Variante von «Where the Wild Roses Grow», bei der Blixa Bargeld den Gesangspart von Kylie Minogue übernimmt. Der Heartbreaker schlechthin ist aber «Grief Came Riding», eine Ballade, die allein durch den Titel zu Tränen rührt. Die nächste emotionale Eiszeit kann kommen — wer dieses Album hat, ist gewappnet.

dia

Nick Cave & The Bad Seeds «B-Sides & Rarities» (Mute/MV).