18. April 2005 11:15; Akt: 18.04.2005 12:46 Print

Sexmaschinen

Sie sind immer bereit, sagen nie nein: Eine neue Generation von Sex-Robotern verspricht Lust ohne Ende.

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Wie die deutsche taz.de berichtet, wurde die erste Sexpuppe angeblich von den Nazis gebaut. Das so genannte Borghild-Projekt ging auf eine höchstpersönliche Initiative von Heinrich Himmler zurück, der in den "wilden Dirnen" von Paris "die grösste Gefahr" und in den Puppen ein Instrument zur "Triebregulierung" sah. Im Deutschen Hygiene-Institut Dresden entstand 1941 die erste "anthropomorphische Lustmaschine", natürlich dem "nordischen Typus" entsprechend. Begeistert von diesen Überdirnen soll Himmler gleich 50 Exemplare bestellt haben, die in "fahrbaren desinfizierbaren Kabinen" nach Russland geschickt werden sollten. Doch durch die Entwicklung an der Ostfront verlief sich das Projekt im Sande.

Jahre später wurden aufblasbaren Puppen populär, die Hersteller gaben sich Mühe, ihre pneumatischen Liebhaberinnen mit motorischen Annehmlichkeiten zu versehen. Doch vergeblich: Das Plastik erforderte immer noch mehr Vorstellungskraft als die eigene Hand. Bis dann Ende des letzten Jahrhunderts ein Wunder vermeldet wurde: die Real Dolls.

Schöpfer war der kalifornier Mathew McMullen, Bildhauer. McMullen experimentierte Mitte der Neunzigerjahre mit Silikon, stellte seine Entwürfe ins Internet und erhielt bald eine alles entscheidende E-Mail: "Wenn ich mit deiner Puppe Sex haben kann, kaufe ich sie dir ab", las er da.

"Als ich mich entschlossen hatte, Sexpuppen zu bauen", erinnert sich McMullen, "musste ich mich mit vielen Problemen auseinander setzen. Die Puppen sollten nicht nur real aussehen, sondern sich auch real anfühlen. Ich musste die Natur mit Silikon nachahmen." 1996 brachte er seine ersten käuflichen Puppen via Internet auf den Markt. Anfangs produzierte er eine pro Monat, in der Garage seines Hauses. Heute leitet McMullen Abyss Creation, eine Firma, die 300 Puppen pro Jahr anfertigt und in die ganze Welt exportiert.

Eine aufblasbare Sexpuppe kostet kaum mehr als 600 Dollar. Eine Real Doll dagegen nicht weniger als 6.000 (Kosten, die man durch den Erwerb von entsprechendem Zubehör und die Erfüllung "persönlicher Wünsche" ziemlich schnell verdreifachen kann). Offeriert werden neun Körpertypen (supermodel, petit, fantasy...) und 14 Gesichter. Man kann Haut- und Augenfarbe und den Typ der Schambehaarung auswählen. Für einen Aufpreis schliessen die Puppen ihre Augen, bewegen ihre Finger, tragen Tätowierungen oder werden gar zusätzlich mit einem Penis ausgestattet.

Alle Real Dolls sind so gross und so schwer wie eine echte Frau und bieten drei "Eingänge", von denen der Mundeingang aufgrund seines "Saugeffekts" hervorzuheben ist: "Wenn du was in einen Silikoneingang steckst", erklärt McMullen, "entsteht ein Vakuum und eine Saugwirkung, die eine tatsächliche Frau nicht erzeugen kann. Mit geschlossenen Augen fühlt sich die Silikonpuppe noch besser an als the real thing."

Mehrere Nachahmer haben versucht, vom Run auf McMullens empfindliche Erfindungen zu profitieren, doch die komplizierte Technik und die hohen Produktionskosten liessen die meisten Konkurrenten aufgeben.

Die CybOrgasMatrix zum Beispiel ist nur als Torso zu haben. Es ist nicht gerade wenig: Immerhin sind die Brüste eine Kopie derer von Pandora Palace, einer bekannten Pornodarstellerin. Sie verfügt über ein Klangsystem, das "genau das Stöhnen wiedergibt, das man beim Sex mit Pandora zu hören bekommt."

Die Avantgarde in Sachen Sexpuppen allerdings kommt wieder aus Deutschland. "Der Creator" nennt sich der Künstler, Architekt und Flugzeugmechaniker aus Nürnberg. Und er baut Andy, "den ersten Androiden der Welt". Andy - "aus medizinischem Silikon angefertigt, denn andere Silikonsorten sind giftig" - kann weit mehr als alle anderen: Sie lächelt und blinzelt per Fernbedienung, uriniert, gibt Milch, besitzt ein Jungfernhäutchen (mit Ersatz) und einen G-Punkt und bekommt alle 28 Tage ihre Periode, bewegt die Hüften, praktiziert Blowjobs, man kann ihren Puls an den Händen und am Hals spüren. Und mehr: Andy kann sehen (durch Minikameras zeichnet sie alles auf, kann Entfernungen messen, Leute erkennen und sie sogar mit den Augen verfolgen); Andy kann hören (die Mikrofone in ihren Ohren können ein bis zu 30-minütiges "Gespräch" aufnehmen); Andy kann atmen (durch Nase oder - Option "Raucherin" - durch Nase und Mund); und Andys Körper wird heiss (ausser, Gipfel des Realismus, an den Füssen). Das männliche Modell Nax bekommt automatisch Erektionen und ejakuliert.