Album - «Want Two»

14. April 2005 04:36; Akt: 13.04.2005 20:40 Print

A Star is Born

Für sein Album «Want Two» erhält der Kanadier Rufus Wainwright (31) endlich die Aufmerksamkeit, die er bereits für sein letztes Werk verdient hätte.

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Auf jemanden wie Rufus Wainwright hat die Welt gewartet. So schmerzlich die Lücke, die Jeff Buckley hinterlassen hat, sein mag – der Kanadier, der als Sohn des Musiker-Ehepaares Loudon Wainwright III. und Kate McGarrigle 1973 geboren wurde, könnte sie schliessen. Doch ausgerechnet im geschmackssicheren Europa gehört das 31-jährige Ausnahmetalent nicht nur nach Einschätzung der Musikzeitschrift «Spex» nach wie vor zu den «verkanntesten Künstlern des Planeten». In den USA hingegen spielt Wainwright vor kreischenden Teenagern – eine Kuriosität, die er in Interviews gerne erwähnt, beweist sie doch, dass Kanadier immer noch die besseren Amerikaner sind.

Und so macht Rufus Wainwright weiter, was er am besten kann: komplexe Popmusik, die aus mehr als nur den üblichen vier Akkorden besteht, opulent orchestriert ist und mit einer Dramaturgie besticht, die schon fast hollywoodesk anmutet. Wen wunderts da, dass der bisher erfolgreichste Wainwright-Song, eine Coverversion von Leonard Cohens «Hallelujah», auf dem Soundtrack zu «Shrek 2» zu finden ist.

Doch es ist nicht nur die Wahl dieses besonderen Songs, die Rufus Wainwright in die Nähe von Jeff Buckley rückt: Da wäre auch noch seine melancholische und ausdrucksstarke Stimme, sein kauziger Humor und die Fähigkeit, noch aus dem banalsten Thema ein Ereignis zu machen.

Zu hören ist all dies bereits auf dem selbstbetitelten Debütalbum von 1998. Zur Perfektion gebracht hat Wainwright seine Kunst mit seinem letzten Album «Want One». «I Don’t Know What It Is» ist vielleicht der brillanteste Radio-Popsong, der letztes Jahr zu hören war, aber eben: Auf den grossen kommerziellen Durchbruch wartet Rufus Wainwright, der seit Beginn seiner Karriere offen zu seiner Homosexualität steht («Ich bin so schwul, wie man nur sein kann»), noch immer. Sein Outing hat ihm zwar die Sympathien von Künstlern wie Elton John oder Michael Stipe eingebracht, im neo-konserativen Amerika aber auch einige Feinde und ein – möglicherweise damit verbundenes – hartnäckiges Drogenproblem.

Auf «Want Two» präsentiert sich Wainwright wieder in Bestform. Das Album klingt zwar verschrobener als sein Vorgänger, hinter den teilweise tollkühnen Arrangements verbergen sich aber nach wie vor atemberaubende Songperlen. Vielleicht der Insider-Tipp und -Trip dieses Frühlings – danach wird Rufus Wainwright zum Weltstar. Wetten?


Martin Söhnlein


Album «Want Two» (Universal)