CDs der Woche

14. April 2005 04:56; Akt: 13.04.2005 22:15 Print

Blutarm

In Krisenzeiten —Butch Vig litt an einer Hepatitis-A-Infektion und Sängerin Shirley Manson musste eine Zyste von ihren Stimmbändern wegoperieren lassen — besinnt sich der Mensch auf die wahren Werte.

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Garbage verzichteten deshalb bei «Bleed Like Me» auf Elektro-Beiwerk und musizierten mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Ein rockiger Befreiungsschlag sollte es werden, oder wie Manson singt: «A Revolution Is the Solution». Für genug Durchschlagskraft engagierten sie im Opener «Bad Boyfriend» gar Vorzeigetrommler Dave Grohl. Doch Butch Vig bliess den Sound in der Nachbearbeitung mit zu viel warmer Luft auf. So klingen Garbage zwar gefällig, aber eben nicht so, als hätten sie dafür geblutet.

ojo

Garbage «Bleed like me» (Warner).


Königlich

Erika Stucky lädt zum Fest. Nach «Lovebites» und «Bubbles and Bones» zeigt die Vokalistin einmal mehr, was die menschliche Stimme alles zu leisten vermag. Ganze neun gehörnte Ritter zählt die Leibgarde der Prinzessin, die experimentell mit ihrer Blasmusik ins Felde zieht. Neben Eigenkompositionen sind mit Michael Jackson, Prince und Freddie Mercury auch musikalische Blaublüter auf der Songlist vertreten. Stucky versteht es, bekanntes Liedgut derart mutieren zu lassen, dass es zuweilen beängstigend anders klingt, jedoch stets spannend wirkt. «Princess» verlangt vom Zuhörer viel Kampfkraft, doch der Sieg wird ein süsser sein.

gau

Erika Stucky «Princess» (Traumton/MV).


Reiselustig

Von Gilles Peterson ist man sich ja einiges gewohnt: Der britische Radio- und Freestyle-DJ mischt seit Jahren auf unverfrorene Weise Soul, Funk, Jazz, Hip-Hop und Elektronika zusammen. Dass sich Petersons Plattenköfferchen nach einem Afrika-Trip exponenziell vergrössert hat, erstaunt also kaum. Nun präsentiert der Meister seine Schätze auf Platte. Mit Feqadu Amdé-Mesqel, Antibalas oder Lekan Babalola stellt Peterson der Hörerschaft hierzulande gänzlich unbekannte Acts vor. Etwas gewöhnungsbedürftig sind deren Sounds für das europäische Ohr schon. Da ist man gar nicht mal unglücklich, wenn Mix-König Carl Craig zwischendurch bei Cesaria Evoras «Angola» mitmischt, Dennis Ferrer seinen funkigen Afro-House zum Besten gibt oder Thievery Corporation für etwas leichtere Afro-Kost sorgen. Denn die schmeckt ganz vorzüglich.

dia

Gilles Peterson «Gilles Peterson in Africa» (Ether/RecRec).