Véronique Ovaldé - «Die Männer im allgemeinen gefallen mir sehr»

07. April 2005 04:49; Akt: 06.04.2005 22:47 Print

Frau in Warteschleife

Zum Thema
Fehler gesehen?

In ihrem Roman «Die Männer im allgemeinen gefallen mir sehr» beschreibt die 30-jährige Französin Véronique Ovaldé das Schicksal der jungen Lili. Ihre Mutter stirbt, als sie gerade mal vierzehn ist. Sie und ihr vierjähriger Bruder werden wochenlang vom neonazi-tümelnden Vater in der Wohnung eingeschlossen und allein gelassen. Dann erscheint der massige Yoïm auf der Bildfläche und befreit das Mädchen.

Sie ist verliebt. Doch er verkauft sie anderen Männern und zwingt sie zu Raubüberfällen. Sie kommt für Jahre ins Gefängnis, wo sie aber der liebenswerte Sozialarbeiter Samuel rausholen kann. Mit ihm führt die mittlerweile 23-Jährige ein beschauliches Leben. Bis eines Tages Yoïm wieder auftaucht. Ovaldé verführt die Leserinnen (denn ausschliesslich für die ist dieser Roman gedacht) mit ihrer hochpoetischen, atem- und beinahe punktlosen Sprache. Auch die Konstellation der Frau zwischen zwei Männern verspricht einiges. Doch Lili raubt dem Leser (hier bin ausschliesslich ich gemeint) den letzten Nerv: Denn sie ist eine Frau, die Entscheidungen vor sich herschiebt, sich von allem treiben lässt — ein fremdbestimmtes, armes Weibchen. Im Zeitalter der Post-Emanzipation eine überaus fragwürdige Figur.


pat


Véronique Ovaldé: «Die Männer im allgemeinen gefallen mir sehr». Roman. Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Kunstmann-Verlag. München 2005. 186 Seiten, 29.90 Franken.