«4»

27. Juni 2011 19:10; Akt: 28.06.2011 11:15 Print

Unaufgeregte Platte einer aufregenden Frau

von Niklaus Riegg - Wäre das Popbusiness eine Sekundarschule – Beyoncé würde wohl gemobbt.

storybild

Beyoncé wagt den Spagat zwischen klassischem R’n’B und modernen Pop-Songs. (sony)

Fehler gesehen?

Sie ist die Klassenbeste, sieht gut aus, ist enorm talentiert, alles was sie anfasst, wird zu Gold – und sie ist mit dem coolsten Jungen von der Schule zusammen. Doch im Popbusiness werden Menschen wie Beyoncé nicht gemobbt, sondern zu Stars gemacht.

Und ihr viertes Album «4» ist genau das: das Album eines Stars, der es schon lange geschafft hat. Beyoncé braucht nicht mehr auf Teufel komm raus eine Radiosingle, sie kann es sich erlauben, den verstörenden Song «Run the World (Girls)» auszukoppeln und ihr Album funktioniert auch ohne grossen Hit.

Diese Entspanntheit hört man der 29-Jährigen an: Ihre Stimme ist so stark wie seit ­Destiny’s-Child-Zeiten nicht mehr. Sie traut sich mit «1+1» oder «Love on Top» an klassische R’n’B-Balladen und holt als einziges Featuring Andre­3000 von Outkast. «4» ist eine unaufgeregte Platte.

«4» mag wegen der mangelnden Hits kein Meisterwerk sein. Aber das Album hat das Potenzial, den US-R’n’B zurück zu den Wurzeln zu führen: weg vom Autotune, weg vom Eurodance, weg vom Plastik; zurück zum Soul, zu mehr Drama und zu den grossen Gefühlen. Beyoncé bleibt die Klassenbeste.

Beyoncé, «4», Columbia/Sony.