14. April 2005 04:57; Akt: 13.04.2005 22:39 Print

Flops in Serie

Sie werden billig produziert und sind zumeist grottenschlecht. Doch Game-Umsetzungen von TV-Serien verkaufen sich bestens.

Fehler gesehen?

Landet ein Videospiel, das auf einer TV-Serie gründet, auf dem Tisch eines Game-Journalisten, so hat dies in der Regel zwei Reaktionen zur Folge: einen gequälten Gesichtsausdruck und den Wunsch, das Game umgehend im Abfall verschwinden zu lassen.

Spieladaptionen von Fernsehserien leiden unter einem miesen Ruf. Oder wie ein Kritiker von Gamers Europe schrieb: «Manchmal erhalten wir Spiele, die so atemberaubend schlecht sind, dass wir uns fragen, ob es legal ist, so etwas herauszubringen.» Gefragt hatte er dies angesichts der Game-Umsetzung der Achtzigerjahre-Kultserie «Miami Vice». «Das Spiel ist so schlecht, dass man befürchten muss, Gamer könnten sich aus Spielfrust mit dem Mauskabel erhängen», mokierte sich der Spielkritiker weiter.

Es war nicht die erste und wird nicht die letzte Spieladaption sein, die bei den Kritikern durchfällt. Vergleicht man die durchschnittlichen Bewertungen der Website Gamerankings.com, die Spielbewertungen bedeutender Websites wie GameSpot oder GameSpy zusammenträgt, schneiden Adaptionen von TV-Serien fast konstant schlecht ab. Von 100 möglichen Punkten erreichte «Miami Vice» gerade mal 20, wenig mehr schaffte mit 27 Punkten «Knight Rider». Die meisten Serien-Spiele bringen es auf 50 bis 60 Punkte, einzig die Titel «SpongeBob» und «Buffy» bilden mit über 70 Punkten zwei Ausnahmen.

Die Game-Entwickler haben indessen einen schwierigen Spagat zu meistern: Einerseits sollen mit einer Adaption spielunerfahrene Fans der Serie zurechtkommen, andererseits darf das Game für geübte Spieler nicht zu langweilig sein. Aus Marketinggründen wird meist zugunsten des Fans entschieden, wobei der Spielspass auf der Strecke bleibt. «Die Marketing-Abteilung denkt sich wohl, der Kauf einer Lizenz allein reicht», sagt Sascha Komaromy, Produktmanager bei PlayStation Schweiz. Und tatsächlich: Das grottenschlechte Spiel «The Simpsons: Wrestling» zum Beispiel konnte sich über ausbleibende Käufer nicht beklagen.

Komaromy führt die mangelnde Qualität auch auf den Preis zurück, den Entwickler für die Lizenzen bezahlen müssen. Nach dem Kauf bleibe gerade genug Geld, um die rudimentärsten Elemente der TV-Serie einzubauen, aber zu wenig, um an der Spielbarkeit zu feilen, geschweige denn ein innovatives Spielkonzept zu entwickeln. So atmen Games wie «Alias» oder «Akte X» zwar den Geist der Serie, scheitern aber an der schlechten Spielsteuerung und daran, dass sich Serienunkundige im Spiel nicht zurechtfinden.

Besserung soll jedoch in Sicht sein. Sie kommt mit dem im Herbst erscheinenden «24: The Game». An der Spielumsetzung der mehrfach preisgekrönten Serie waren Drehbuchautoren, Produzenten, Regisseure und Darsteller direkt beteiligt. Alle Schauspieler wurden digital umgesetzt und liehen den Spielfiguren ihre Stimme. Die Hersteller versprechen ein authentisches Spielerlebnis, das ein ähnlich beklemmendes Gefühl von Zeitdruck erzeugen soll wie die Serie. Zudem würden zahlreiche offene Fragen beantwortet, die zwischen der zweiten und dritten Staffel – der Zeitraum, in dem das Spiel stattfindet – auftauchten. Ob dies genügen wird, um der ätzenden Kritik der Game-Bewerter ein Ende zu bereiten, muss sich erst noch zeigen.


Jan Graber


Wertungen Gamerankings.com

75% SpongeBob SquarePants: The Movie (THQ)
73% Buffy: Chaos Bleeds (Sierra)
65% X-Files: Resist or Serve (VU Games)
65% CSI: Dark Motives (Ubisoft)
65% Alias (Acclaim)
63% Futurama (Sierra)
42% The Simpsons: Wrestling (Activision)
27% Knight Rider 2 (Davilex)
20% Miami Vice (Davilex)