Reben lesen

20. Dezember 2011 18:58; Akt: 22.12.2011 10:56 Print

Wein, Weib und Wallis

Es ist ein Geschenk für den Connaisseur, der alles hat: Zwei Autorinnen haben ein liebevoll gestaltetes Buch über das Wallis, seine Weine und die lokale Küche geschrieben.

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Madeleine Gay ist Önologin und lebt im Wallis. Chandra Kurt arbeitet als Wein-Beraterin in Zürich und schreibt für das «Pocket Wine Book». Wenn sich diese beiden Kennerinnen zusammentun und die Geschichte des Walliser Weinbaus recherchieren, darf also getrost von professionellen Gaumen gesprochen werden: Die zwei haben das Ergebnis im Buch «Von Humagne Rouge bis Heida» zusammengefasst – und es kann sich sehen lassen.

Herausgekommen ist eine Ode an den Schweizer Wein im Allgemeinen und an die Früchte des 22. Kantons im Besonderen. Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt: Der erste erklärt sowohl für den Laien verständlich als auch für den Profi kurzweilig, was auf Walliser Äckern wächst und warum sich welche Reben in einem der trockensten Täler Europas wohlfühlen. Garniert wird das Fachwissen mit Anekdoten aus dem zweisprachigen Kanton, die sich durch Charakter auszeichnen. Zum Beispiel wenn ein Walliser Winzer sagt: «Wir sind wie die Korsen für Frankreich. Wir sind anders.»

Fachwissen und Fotografien für Leib und Seele

Das Werk zeigt, dass die Schweiz ein Weinland ist – und dass das Ausland kaum eine Chance erhält, das zu goutieren. Denn 95 Prozent des hiesigen Weines werden auch hier getrunken. Die Autorinnen fassen zusammen: «Wir sind ein Land voller Geheimnisse. Der Weinbau ist eines davon.» Im Vergleich zu «internationalen Stars» der Weinszene wie Chardonnay oder Merlot fristen lokale Rebsorten wie die Chasselas-Traube fast ein Schattendasein. Doch Gay und Kurt besonnen sie in ihrem Buch - und das mit einer liebevollen Hingebung, die in der Sprache zum Ausdruck kommt: «Keine andere Rebsorte braucht so viel Pflege, Aufmerksamkeit und Bewunderung wie der Pinot Noir», schreiben sie beispielsweise.

Was die Mischung auf dem Papier so gesund macht, ist der Mix aus Zahlen und Geschichten im ersten Teil und den Rezepten mit einfacher Hausmannskost aus der Region im zweiten Teil. Für den richtigen Abgang sorgen wunderschöne alte Schwarz-weiss-Fotografien aus dem Walliser Weinbaugebiet. Für Liebhaber der Schweizer Gourmetkultur haben die Autorinnen ein Buch herausdestilliert, das zu empfehlen ist. Weil es auf der Zunge zergeht.

(phi)