01. April 2005 05:00; Akt: 01.04.2005 10:34 Print

Urbanes Wohnen bietet für jeden Geschmack das Passende

In der Stadt zu wohnen ist gefragter denn je. Die urbanen Wohnformen haben einen ganz besonderen Reiz.

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Die Wohnungen in der urbanen Überbauung «Limmatwest» sind nicht gerade billig. Aber dafür liegen die 314 Logen nur zehn Tram-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und sie repräsentieren eine Wohnform der Zukunft, wie Architekturkritiker nach der Einweihung einhellig schrieben. Ein mehrere hundert Meter langer Wohnriegel, der auf einem schmalen Streifen zwischen der Hardturmstrasse und der Limmat eingeklemmt ist. In fünf Metern Höhe gleitet eine S-Bahn fast lautlos mitten durch die Überbauung. Die Gebäude sind vier bis sieben Stockwerke hoch. Der Komplex bietet viele Aussenräume auf Dächern und Balkonen. Er hat innere Plätze und enge Gässchen, ähnlich einer Altstadt in Italien. Im Moment ist nur noch eine einzige Wohnung frei: Eine 138 m2 grosse 5 1/2-Zimmer-Dachwohnung. Miete pro Monat: 4095 Franken.

Eine freie Wohnung sucht man in der Wohngenossenschaft «Krafwerk1» , der wohl grössten Heimat für WGler, vergebens. Gut 350 Menschen leben in zwei bis 14 Zimmerwohnungen in Gruppen von zwei bis 20 Menschen. Die Architektur ist raffiniert: Kein Geschossgrundriss gleicht dem anderen. Übereinanderliegende Wohnungen können zu Maisonettes gekoppelt werden. Die Bewohner des Kraftwerk1 leben - wie die Limmat-Westler - sehr zentral, bezahlen aber deutlich weniger Miete. Fast noch beliebter als diese modernen Wohngemeinschaften sind die gut erhaltenen Jugend-stilhäuser. Das Haus an der Waffenplatzstrasse 92 im Kreis 2 zeigt warum: Die Wohnung des um die Jahrhundertwende gebauten Hauses hat über 2,75 Meter hohe Zimmer, jedes noch so kleine Detail von der Türfalle, über die Verzierungen an den Balkonen, bis zu den Türmchen auf dem Dach wurden mit viel Liebe entworfen und gebaut. Ein Nachteil des uralten Baus ist das Parkett: Es knarrt so laut, dass die Nachbarn die Schritte zählen können.

Von Nachbarn ist Monica Nef in ihrem Loft weit entfernt. «Bevor wir die Loft übernommen haben, sah der Raum schlimmer aus als ein Rohbau», erzählt die 34-jährige Raumdesignerin Monica Nef. Heute sieht man weder im Wohnzimmer noch im Schlaf-Bade-Zimmer Spuren der industriellen Vergangenheit. Auf dem Boden ist Linoleum verlegt, Mauern wurden frisch hochgezogen und mit halb durchsichtigen Glasziegeln verziert. An einer Wand steht ein riesiger Schuhmacherschrank mit mehreren hundert Schubladen.

Die Badewanne mit Tiger-Füssen, die Toilette und die Badezimmer-Armaturen sind im Stil der 20er-Jahre gehalten und stammen von einem Bauernhof im Aargau. Die Traumwohnung von Monica und ihrem Freund Robin hat die stolze Wohnfläche von 180 Quadratmetern, plus 150 Quadratmeter Terrasse.

Weil sie das ehemalige Büro im Stadtteil Albisrieden selber renoviert haben, zahlen sie realtiv wenig Miete. Möglich wurde die Umnutzung von Industrie- zu Wohnfläche nur, weil kurz vor ihrem
Einzug im Bauzonenplan ihrer Strasse der Wohnanteil erhöht wurde.

Beat Michel