PJ Harvey

14. Februar 2011 23:01; Akt: 14.02.2011 20:52 Print

Mit Kriegsalbum auf der Höhe ihres Könnens

Wie kaum eine andere Künstlerin schafft es Polly Jean Harvey, den Hörer in ihre Welt zu entführen. Seit 20 Jahren erfindet sie sich konstant neu und bleibt dabei stets relevant.

Pj Harvey - The Words That Maketh Murder
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Mit «Let England Shake» ist der 41-Jährigen erneut eine ­packende Platte gelungen. Das Konzeptalbum zeichnet ein Panorama des von seiner Kriegsgeschichte geprägten England. «Was ist die Frucht deines Landes?», fragt Harvey in «The Glorious Land» und gibt sich die Antwort gleich selbst, während im Hintergrund eine Trompete zum Angriff bläst: Die Frucht ihres Landes ist nicht der Weizen, ist nicht der Mais, es sind seine «defor­mierten Kinder», seine «Waisen». Die Texte auf «Let England Shake» sind verstörend, ja schockierend.

Die vielseitigen Folksongs jagen einem besonders dann eiskalte Schauer über den Rücken, wenn einer süsslichen Melodie wie in «The Words That Maketh Murder» Zeilen über abgetrennte Gliedmassen und den Gestank des Todes entgegengesäuselt werden. Es ist ein schauriges Werk, das neue Album von PJ Harvey – und dennoch birgt es Trost und Hoffnung: «Ungebrochene, nimmer schwindende Liebe für dich, England, ist alles, woran ich mich klammere» – das ist PJ Harvey auf der Höhe ihres Könnens.

(20 Minuten)