CDs der Woche

21. April 2005 04:53; Akt: 20.04.2005 21:03 Print

Traumhaft

«Blaue Augen» dürfte noch in mancher Gehirnwindung gespeichert sein, und mit «Berlin» erklärte Ideal-Frontfrau Anette Humpe, worauf sie wirklich steht.

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20 Jahre ist das nun her — höchste Zeit also, wieder mal von sich hören zu lassen. Das sagte sich wohl Schwester Inga, als sie mit 2Raumwohnung Richtung Charts aufbrach. Anette kehrt nun ebenfalls zurück und legt zusammen mit dem knapp dreissig Jahre jüngeren Adel Tawil eine spannende Elektropop-Scheibe vor. Hypnotische Gitarrenriffs und schwebende Streicherklänge verführen zum Träumen, während eingestreute Elektropiepser immer wieder für wache Momente sorgen. Nicht nur durch Humpes unverkennbare Stimme, sondern auch durch Tawils gekonnte Raps demonstriert das Duo, wie sich Generationen musikalisch, lyrisch und emotional treffen können.

gau

Ich + Ich «Ich + Ich» (Polydor/Universal).


Religiös

Songwriter mit Hang zur Depression entdecken irgendwann die Religion oder beenden frühzeitig ihr Leiden. Für Mark Oliver Everett aka E war mit dem sechsten Studiowerk die Zeit reif für Gott. Halleluja-Hymnen findet man auf dem Doppelalbum zum Glück keine – dafür viele vertraute Harmonien und Rhythmen. So sehr der Held des Alternative Pop mit treffenden wie schönen Bildern für unschöne Momente besticht: Die Musik klingt oft, als hätte E alte Songs für die Tour mit Streichern neu arrangiert. Hätte er sich doch an seine Worte «I’m tired of the old shit – let the new shit begin» gehalten und auf eine Platte beschränkt.

ojo

Eels «Blinking Lights and other revelations» (Universal).


Angestrengt

Mit «Sunrise Over Sea» stellt sich John Butler in Europa vor. Der Amerikaner hat es in Australien bereits zu Superstar-Status gebracht. Er mischt den Blues mit Slide-Gitarre wie Ben Harper und legt seine Songs auf Reggae-Rhythmen wie Jack Johnson. Aber Harper ist geschmeidiger und Johnson entspannter. Butler hingegen verstottert sich in Breaks oder verfolgt die Fäden seiner Songs, bis sie im Nichts verschwinden. In solch ausufernden Momenten ahnt man, weshalb Butler als grossartiger Liveact gilt. Auf Platte hinterlässt diese Form des Musizierens hingegen einen angestrengten Eindruck.

CER

John Butler Trio «Sunrise Over Sea» (Warner).