«Motte im Datenkleid»

12. April 2005 04:47; Akt: 11.04.2005 20:24 Print

Gelungene Schweizer Science-Fiction-Storys

STORYS – Wie sieht unsere Zukunft aus? Es gibt heute schon wissenschaftliche Einsichten und technologische Entwicklungen, die uns diesbezüglich Hinweise geben.

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Der Alltag wird gänzlich vom Computer gesteuert, es gibt Unterwasserhäuser und Gesichtstransplantationen, und die Natur wird weiterhin unberechenbarer. 27 Schweizer Autorinnen und Autoren, unter anderen Franz Hohler, Isolde Schaad, Gabrielle Alioth, Peter Zeindler und Gerold Späth, haben mit solchen nichtfiktiven Vorgaben für dieses Buch zumeist prima Zukunftsgeschichten geschrieben.

Es gibt sehr hübsche ironische Storys: So haben etwa die Tintenfische, deren Population offensichtlich enorm schnell wächst, die Weltherrschaft übernommen. Oder eine «denkende Wohnung» treibt ihren Bewohner in den Wahnsinn. Und Roboter entdecken, dass die menschliche Fortpflanzung effektiver und kostengünstiger ist als die Konstruktion von neuen Robotern. Es gibt auch leise, poetische Geschichten, wie die der beiden Kinder, die die fremde Frau beobachten, die nun das Gesicht ihrer toten Mutter trägt.

Bis auf ein, zwei Ausfälle sind die Storys alle sehr intelligent und voll origineller Ideen, zudem präzise und unterhaltsam geschrieben. Offensichtlich ist es für Schweizer Autorinnen und Autoren recht befruchtend, sich zu einem gesellschaftlich relevanten Thema literarisch äussern zu können.

Wolfgang Bortlik

Margrith Raguth (Hrsg.): «Motte im Datenkleid». Benteli-Verlag, 318 Seiten, 38 Franken.