Thomas Meinecke et al. - «Plattenspieler»

19. April 2005 04:49; Akt: 18.04.2005 20:07 Print

Drei Pop-Kenner über Musik, Politik und Pose

GESPRÄCHE – Drei Männer mit dem Jahrgang 1955 treffen sich an fünf Abenden, kurz bevor sie 50 werden.

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Sie sprechen sich mal so richtig aus über ihr generationsuntypisches Leben, zeigen ihre Sozialisation durch die Rockmusik und diskutieren über Pop und Politik. Alle drei sind Schriftsteller und Musiker oder DJ, sie kennen sich in der Geschichte des Pop aus und beobachten nach wie vor das gegenwärtige musikalische Schaffen.

Ihre Geschichte beginnt mit den Beatles, sie hören Roxy Music und der Roten Armee Fraktion zu, und sie schneiden sich zum richtigen Zeitpunkt die langen Haare wieder ab. Auch den Schock des Erwachsenwerdens überwinden sie mit Hilfe von Pop. Die drei mittlerweile sehr gesetzten Herren diskutieren wild durcheinander, streiten sich über ihre Vorlieben, versteigen sich zu kühnen Behauptungen, argumentieren furchtbar kopflastig und sind dabei sehr komisch und ironisch.

Immer wieder geht es um solche Fragen: Ist Fansein eine kulturelle Praxis? Was ist wirklich cool? Wie ist es mit den Geschlechterrollen im Pop? War nun der Punk damals wichtig? Oder doch eher Disco und Techno als sexuell dissidente Subkulturen, so wie es Meinecke sieht? «Mir geht es nur darum, dass Philosophieren oder Nachdenken mehr als Luxus ist, es ist eine Notwendigkeit», bemerkt Frank Witzel am Ende der Diskussion und gibt somit das Motto für dieses höchst unterhaltsame Buch vor.

Wolfgang Bortlik

Thomas Meinecke/Klaus Walter/Frank Witzel «Plattenspieler», Edition Nautilus, 160 Seiten, 26.80 Franken