Milena Moser - «Schlampenyoga»

26. April 2005 04:55; Akt: 25.04.2005 19:32 Print

Ein Wegweiser durch den Yoga-Dschungel

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SACHBUCH – Vielleicht triffts Sachbuch nicht ganz, denn Milena Moser packt auch viel Persönliches in ihre Darstellung des klassischen Yoga und seiner Erfolgsgeschichte in Amerika. Laut einer Berechnung aus dem Jahre 2003 machen rund 18 Millionen Amerikaner Yoga und geben dafür durchschnittlich 1500 Dollar pro Jahr aus. Das sind 27 Milliarden Umsatz jährlich, ein Riesengeschäft also.

Daneben gibt es Superstars von Yoga-Lehrern verschiedener Schulen, die sich wie ihre jeweiligen Anhänger erbittert bekämpfen. Auch die Yoga-Mode und -Designs sind speziell. Diese menschlichen Eitelkeiten werden von der Autorin genüsslich zerpflückt. Aber es geht nicht um Geld, Ruhm und Ehre, sondern um das Heil des Körpers und der Seele. Wichtigste Prämisse ist jedenfalls: Yoga muss dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Und so hat das Schlampenyoga, das Milena Moser hiermit erfunden hat, durchaus seine Berechtigung. Diese nicht ganz so seriöse Abart beruht statt auf Yama, Niyama usw. eher auf Pasta, Tagesfernsehen, Sommerschlussverkauf und inoffiziellen Feiertagen. Trotzdem steht vor dem Genuss harte Arbeit: König der Fische, Baby-Kobra und andere Stellungen müssen geübt werden, und die Atembeherrschung als Grundlage von Yoga unterscheidet es beispielsweise vom Kunstturnen.

Wer nicht unbedingt auf Ratgeber steht, kann dieses Buch immerhin auch als sehr realistische Satire lesen.

Wolfgang Bortlik

Milena Moser «Schlampenyoga», Blessing-Verlag, 250 Seiten, 28.60 Franken.