«Small World»

13. Juni 2011 19:33; Akt: 13.06.2011 19:39 Print

Dunkle Geheimnisse aus der Kindheit

Als sich der Lebemann Gunther Sachs kürzlich wegen Alzheimer das Leben nahm, fragte sich mancher: Hätte man auch so gehandelt?

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Gérard Depardieu als Konrad in der Martin-Suter-Verfilmung «Small World».

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In der französischen Martin-Suter-Adaption «Small World» ist die Versuchsanordnung ähnlich. Bonvivant Konrad kann sich immer schlechter daran erinnern, was er vor ein paar Minuten getan hat, erinnert sich aber immer präziser an seine früheste Kindheit.

Als ihm die Krankheit das Alltagsleben unmöglich macht, kehrt er zu der reichen französischen Familie zurück, in der er als Kind eines Dienstmädchens aufgewachsen ist. Seltsamerweise geht die Industriellenfamilie zu Konrad auf Distanz. Vor allem dessen Kindheitserinnerungen machen die reichen Leute nervös. Nur Simone, die kürzlich in die Familie eingeheiratet hat, interessiert sich für Konrad – und stösst auf dunkle Geheimnisse aus dessen Kindheit.

Zwar ist es für das Schweizer Publikum schade, dass die Handlung vom Zürichberg in die französische Bourgeoisie verpflanzt wurde. Doch die Geschichte entwickelt auch dort ihre Stärken: ein hochorigineller Mix aus Thriller, Drama und Milieustudie. Allein der grandios aufspielende Gérard Depardieu macht den Film sehenswert. Seine würdevolle Darstellung erinnert einen daran, dass bei Alzheimer Selbstmord sicher nicht die einzige Lösung ist.

«Small World», mit Gérard Depardieu, Regie: Bruno Chiche.

(phz/20 Minuten)