Frank Baumann

03. Juni 2011 09:11; Akt: 03.06.2011 11:03 Print

«Bohlen wollte 50 000 Euro für ein Gespräch»

von Bettina Bendiner - Heute startet Frank Baumanns neue Sendung «Grüezi Deutschland». Im Interview verrät er, warum Angela Merkel verblüfft, Dolly Buster smart und Dieter Bohlen schwierig ist.

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Warum sagen Sie Deutschland Grüezi?
Frank Baumann:
Wir haben alle Kontakt mit Deutschen. Wir nehmen sie als raumgreifend wahr, was häufig verbunden ist mit unsympathisch. Wir dachten: «Schauen wir neugierig bei den Deutschen vorbei.» Fast so, wie wenn man im Nachbarhaus klingeln geht.

Lud man sie zum Kaffee ein?
Ja. Die Deutschen sind wahnsinnig freundliche Menschen. Ich bekomme bestimmt irgendwann das Bundesverdienstkreuz, weil ich so viel schwärme. Wir sagten einfach: «Grüezi, wir kommen aus der Schweiz.» Dann entstanden lange oder kurze Gespräche. Und manchmal sind wir richtig abgestürzt.

Wenn Sie «Grüezi» sagten, fand man sie dann nicht total süss?
Der Deutsche hat keinerlei Vorurteile gegenüber uns. Natürlich ist das für die Politik und die Medien ein sehr elegantes Thema. Das hat etwas mit der Perspektive des Kleineren zu tun. Die meisten sind aus beruflichen Gründen hier, müssen hier Boden fassen, richtig «Gutzi» geben und sich integrieren. Wenn der Senf beim Grillen leer ist, denkt sich ein Schweizer: «Oh, der Senf ist leer. Dann esse ich die Wurst ohne.» Ein Deutscher hingegen sagt wahrscheinlich: «Der Senf ist leer? Ich hol einen Neuen.» Deutsche geben sich pragmatisch und lösungsorientiert.

Sie haben einige prominente Deutsche getroffen: Schlotterten Ihnen vor Angela Merkel die Knie?
Nein, es war mehr wie ein Privatgespräch. Plötzlich kam sie die Treppe heruntergestolpert. Wir haben ein bisschen geplaudert. Plötzlich fragt sie: «Was ist ihre erste Frage?» Ich sagte: «Ich habe keine Fragen. Ich höre einfach zu.» Zum Schluss sagte sie, das habe sie noch nie erlebt. Normalerweise muss man die Fragen an die Kanzlerin vorher einreichen. Für uns war klar, bei so einem Gespräch klopft man sich nicht auf die Schenkel. Weil wir keine Fragen eingereicht haben, war Merkels Assistentin sehr nervös. Für die Kanzlerin war das ein ganz normaler Job. Sie fiel nicht durch übertriebene Herzlichkeit auf. Aber es war ein sehr freundliches Gespräch.

Dieter Bohlen hat Ihnen da mehr Probleme gemacht …
Er wollte 50 000 Euro für ein Gespräch. Für 49 000 hätten wir es gemacht (lacht). Ich verstehe ihn ja auch. Was bringt ihm ein Auftritt in unserer Sendung? Jemand der so gut im Geschäft ist, nutzt seine Präsenz als Instrument für die Aufmerksamkeit. Es ist ein Geschäft. So hängt das alles zusammen.

Beim «Toten Hosen»-Sänger Campino hatten Sie mehr Glück. Was haben Sie von ihm gelernt?
Dass es absolut «bireweich» ist, nach einem Fussballspiel – so wie er – in einen Mülleimer zu treten. Dann bricht man sich den Mittelfussknochen. Campino ist eine sehr spannende, offene, politisch interessierte Persönlichkeit. Er sucht nach Inhalten und Zusammenhängen. Da sind wir uns ähnlich.

Gabs auch Ähnlichkeiten mit Ex-Aussenminister Hans Dietrich Genscher?
Genscher? Der ist glasklar. Er sagt, was er denkt, formuliert politisch sehr präzise. Wir sprachen über Bücher. Ich wollte wissen, was er selber liest. Er antwortete verschmitzt: «Ich habe in meinem Leben schon so viele Bücher gelesen. Jetzt lese ich nur noch die Speisekarte.»

Wie war Ihr Treffen mit Dolly Buster?
Die war so smart. Wir haben über Wirtschaft und Politik gesprochen. Ich habe mir zur Vorbereitung ihren Auftritt in der österreichischen Satire-Sendung «Wir sind Kaiser» angesehen: Wie sie dort die Pfeile abwehrte und Speere parierte, hat mich beeindruckt. Sie wird total unterschätzt.

Ihnen gefiel es richtig gut – wären Sie gerne in Deutschland geblieben?
Am Schluss dachten wir tatsächlich: «Schade, dass es vorbei ist.» Wir haben uns umgesehen und sofort auf die Bremse gedrückt, wenn wir etwas entdeckt haben. Einmal war es ein Imker am Strassenrand. Wir sagten «Grüezi» und prompt wurde unser Tontechniker von einer Biene am Auge gestochen. Insgesamt sind wir einfach wie Schulbuben herumgestapft und haben Eindrücke gesammelt. Und ich muss sagen, vom Essen war ich total positiv überrascht. Sogar von der Curry-Wurst. So etwas esse ich sonst nie.

«Grüezi Deutschland» mit Frank Baumann ab Freitag, 3. Juni 2011, 21.00 Uhr auf SF1.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernhard am 03.06.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind denn das für Fragen!?

    Aha, er trifft eine wichtige Persönlichkeit und fragt dann, was dieser für Bücher liest? Versteht mich nicht falsch, aber gab es keine besseren Fragen?

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  • Schorsch Baschi am 03.06.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland, schönes Land

    Ich werde das auf jeden Fall ansehen. Ich bin auch der Meinung, dass die Deutschen sehr freundliche Leute sind. Man muss halt selber ein bisschen aus sich rausgehen, dann klappt das bei den Deutschen am besten. Auf jeden Fall würde ich sogar gerne dort leben. Es hält mich nur die Steuerabzocke von Deutschland davon ab und dass die in der EU sind.

  • Nelli M. Düsseldorf (Campino-Land) am 03.06.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Tach, Schwiiz!

    Hallo, ich bin Deutsche. Und war bisher sehr erschreckt über die vielen negativen Äußerungen. Leider kann ich die Sendung nicht empfangen, auch über PC ist Zoppot(?)/Wilma(?) nicht. Schade! Schön nun zu lesen, dass es noch anderen Meinungen über uns gibt. Auch schön wäre nach der Sendung, hier über 20min.ch zu lesen was dann so die Meinung ist. Bis bald.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniela Lagerfeuer am 17.06.2011 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Werbung

    Für die Anti-Billag-Initiative von Frau Rikli.

  • Lars am 06.06.2011 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sendung!

    Das war mal wieder eine wirklich interessante, lustige und abwechslungsreiche Sendung. Frank Baumann ist halt einfach auch spitze! Ich schaue das nächste mal bestimmt wieder zu!

  • Beris Bocker am 06.06.2011 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Super (!?)

    Auch die Deutschen sind doch nur Menschen!! Aber brauchts denn so Sendungen? Na ja, man muss es ja nicht gucken, wenn man nicht will, ich auf jeden Fall, schaute was Interessantes!

  • Wim Curry am 05.06.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schau mer mal

    Wenn's auch im On Demand-Angebot von SF auftaucht.

  • David am 03.06.2011 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Sympathische Nachbarn

    Sie mögen zwar direkter und lauter sein als wir zurückhaltenden Schweizer, aber ich finde die Deutschen grundsätzlich sehr sympathisch! Als Tourist wurde ich in D immer nett behandelt und von den deutschen Einwanderern könnten gewisse andere Bevölkerungsgruppen in Sachen Umgang, Arbeits- und Integrationswille noch eniges lernen...