Keine Mister-Wahl beim SRF

11. Mai 2011 20:28; Akt: 11.05.2011 20:29 Print

«Der Titel verliert damit an Wert»

Leutschenbach zieht den Stecker bei der Mister-Schweiz-Wahl: Im kommenden Jahr verzichtet das SRF auf die Ausstrahlung.

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Ein strahlender Sieger: Luca Ruch wurde am 2. April 2011 in der ... ... Bodensee-Arena in Kreuzlingen zum schönsten Schweizer gewählt. Die Freude war riesig, dass ein Thurgauer die Wahl für sich entscheiden konnte. Seine Freundin Daniela gehörte zu den ersten Gratulanten. Sie freut sich riesig über den Sieg ihres Schatzes. Der Wirtschaftsstudent spielt am liebsten Fussball und schaut gerne Fernsehen. Faire Verlierer: die Mister-Kollegen. Der 21-Jährige im Siegestaumel. Mister Schweiz 2011, Luca Ruch, in Siegerpose. Der Frauenfelder hat seine zehn Konkurrenten hinter sich gelassen und freut sich auf ein spannendes Jahr. Beim Musterschüler-Test machte Luca aber keine gute Figur. Er wusste nicht, wie Wilhelm Tells Sohn heisst oder aus welchem Kanton die Rüeblitorte kommt. Doch seine Muskeln und sein Lächeln stopften quasi die Wissenslücken. Nach seinem Sieg stürzten sich die Medien auf den frischgebackenen Mister. Jeder wollte wissen, was dem Thurgauer durch den Kopf geht. Tumult auf der Bühne. Luca Ruch war mit 181 Zentimeter Körpergrösse einer der Kleinsten unter den Mister-Kandidaten, doch das war kein Hindernis. In verschmierter Arbeiterkluft stürmten die Kandidaten zu Beginn der Show die Bühne. Es sollte die härteste Mister Schweiz-Wahl aller Zeiten werden. Über die Blumen freute sich später seine Freundin Daniela. Luca macht ein langes Gesicht beim Musterschüler-Test. Sein Lächeln ist Lucas Markenzeichen. Er dankt dann auch seinen Eltern dafür, dass sie ihm in jungen Jahren eine Zahnspange finanzierten. Mister Schweiz 2011 Luca Ruch und sein Vize-Mister Schweiz Michel De Carolis (links). Verrucht zeigten sich die Kandidaten beim Durchgang im Anzug. Gerüchten zufolgen trugen sie darunter nichts... Zucchero sorgte für einen musikalischen Leckerbissen an der Wahl in der Bodensee Arena in Kreuzlingen. Zweites musikalisches Highlight: Stargeiger David Garret. Er spielte als Zugabe ein Michael-Jackson-Medley für Model Julia Saner, die in der Jury sass und sich als grosser Fan des Klassik-Virtuosen outete. Es wird gezupft und zurecht gerückt, denn beim neuen Mister Schweiz muss alles perfekt aussehen. Luca Ruch schlimmster Albtraum für sein Mister Jahr wäre, wenn seine Beziehung zu Freundin Daniela kaputt gehen würde. Letzte Kontrolle durch Stylistin Luisa Rossi.

Die Wahl von Luca Ruch war die letzte, die im SRF zu sehen war.

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Sendeschluss für die schönsten Männer des Landes: Das Schweizer Fernsehen kippt die Mister-Schweiz-Wahl aus dem Programm. Das Zuschauerinteresse war in den letzten Jahren laufend gesunken und erreichte in der diesjährigen Ausgabe einen Tiefpunkt.

Oben-ohne-Klimmzüge retteten nicht aus dem Quoten-Tief

Die Mister Schweiz Organisation versuchte in diesem Jahr zwar noch, der Wahlsendung einen Hauch Casting-Show zu verleihen. Doch auch Oben-ohne-Klimmzüge, Heimwerker-Wettstreit und ein Schweiz-Quiz konnten die bröckelnden Marktanteile nicht mehr retten.

Nur noch 26,3 Prozent der Fernsehzuschauer wollten am 2. April dabei zusehen, wie der Frauenfelder Luca Ruch zum schönsten Mann der Schweiz gekürt wurde - für das Schweizer Fernsehen eindeutig zu wenig für eine Samstagabendproduktion.

Wie SRF am Mittwoch mitteilte, wird das Schweizer Fernsehen künftig auf die Ausstrahlung verzichten. Grund sei das stetig sinkende Zuschauerinteresse, wie es beim SRF auf Anfrage hiess. Ausschlag gegeben habe aber auch die Tatsache, dass mittlerweile die nationale Unterstützung für die Sendung fehle.

Westschweizer Fernsehen bereits ausgestiegen

Das Westschweizer Fernsehen TSR hatte sich bereits vor der Ausstrahlung im April dazu entschlossen, aus der Sache auszusteigen. Dort waren die Marktanteile jeweils noch tiefer als in der Deutschschweiz.

Auch im Tessin mangelte es an Zuschauern. RSI verschob die Wahl in diesem Jahr deshalb auf den zweiten Kanal und beteiligte sich zudem nicht mehr an der Produktion.

Die Wahl des schönsten Schweizers war seit 2005 zur besten Sendezeit im Programm des Schweizer Fernsehens. Der Marktanteil, also der Anteil der Fernsehzuschauer, die sich für die Wahl entschieden, nahm in den letzten Jahren aber deutlich ab.

Im Jahr 2008 betrug der Marktanteil noch 31,4 Prozent, im Jahr darauf bereits nur noch 30,9 Prozent. 2010 erreichte die Sendung noch 27,7 Prozent. In diesem Jahr fiel der Anteil schliesslich auf 26,3 Prozent.

Castingshow statt Wahlsendung

Bei der Mister Schweiz Organisation gibt man sich trotz Sendeschluss optimistisch: «Die Mister-Schweiz-Wahl wird weitergehen», sagte deren Leiter Urs Brülisauer auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Man sei bereits in Gesprächen mit Privat- Sendern. Spruchreif sei aber noch nichts.

Weshalb immer mehr Zuschauer bei den schönen Männern wegsehen, kann sich Brülisauer nicht erklären. Bevor die Mister-Wahlen auf einem Privatsender weiter ausgestrahlt werden, will er aber auf jeden Fall «das Format auffrischen». Eine Möglichkeit bestehe beispielsweise darin, die Wahl zur Castingshow weiterzuentwickeln.

«Grundsätzlich kein Auffangbecken für abgesetzte Sendungen des Schweizer Fernsehens.»

Auf Anfrage von 20 Minuten liess Dominik Kaiser, Senderchef von 3+, verlauten: «Wir sind an einer Übertragung interessiert und werden nun mit den Veranstaltern sprechen. Wir haben vor ein paar Wochen unser Interesse bei den Veranstaltern deponiert. Wollten aber mit Gesprächen warten bis klar ist, ob das SF weitermacht oder nicht.»

Bei Tele Züri sieht die Situation ein wenig anders aus. Der Geschäftsführer von Tele Züri, Markus Gilli, meint: «Ich sehe TeleZüri grundsätzlich nicht als Auffangbecken für abgesetzte Sendungen des Schweizer Fernsehens. Wenn die Organisatoren der Mister Schweiz Wahl an uns gelangen möchten, sind wir gerne zu einem Gespräch bereit. Bis heute haben aber keine Kontakte stattgefunden.»

Mister Schweiz 2005, Renzo Blumenthal zeigte sich trotzdem enttäuscht über den Entscheid des Schweizer Fernsehens: «Der Titel verliert damit an Wert», so der Bio-Bauer zu 20 Minuten.

Was ist Ihre Meinung zum Ende der Schönheitswahl im SF? Schreiben Sie Ihren Kommentar unten.

(mor/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven E. am 11.05.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne TV keine Zuschauer.

    Ohne Zuschauer keine Werbung. Ohne Werbung kein Geld. Ohne Geld keine Mister Wahl. Gott sei Dank.

  • hoper am 11.05.2011 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    hoffnung

    meine hoffnung ist war noch nie so gross wie jetzt! sf kapiert doch endlich das diese blöde miss/mister wahlen an 90% von den schweizern EGAL sind! belästigt uns also nicht mehr mit diesem quatsch

  • monika am 12.05.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    vermisse es nicht

    Ich werde die Uebertragung nicht vermissen. Na ja, gut sieht der ja aus, der Luca Ruch, aber der Schönste? Hübsche Männer gibt es in diesem Alter viele und "Schön" ist Geschmacksache.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Madleina Schöni am 22.06.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kanten zeigen statt Vereinheitlichung

    Sixpacks, Biceps und braune Haut - die Mister Schweiz Wahl war für mich und meine Freundinnen jeweils ein Grossereignis. Allerdings mussten wir der Sendung jeweils durch reichlich Alkohol und unseren Kommentaren den nötigen Pfiff verleihen. Die Kandidaten erzählen alle, was sie so tolles studieren, wie glücklich sie mit ihrer Freundin sind und wie wichtig Sport für sie ist. Sogar angezogen sind sie alle gleich! Wir wollten Witz, Charakter und Schwächen sehen. Den Kandidaten etwas Kontur zur verleihen, würde sicher auch das Interesse der Zuschauer wecken.

  • Abbas Schumacher am 17.05.2011 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Missen, werden wir auch nicht Ver-Missen

    Und jetzt bitte noch die Miss Wahlen rausdonnern. Die sind derselbe Witz. Was interessieren mich so in sich selbst verliebte und deren Kampf um Platz 1?

  • Christian am 16.05.2011 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    MISS + MISTER - WAHLEN BEIM SF ABSETZEN

    Die Schweizer wollen dieses SF-Trauerspiel nicht mehr mitmachen/mitansehen.

  • Maren Simmner am 12.05.2011 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Genau... ja. Wert...

    öhhhhm... was für einen Wert hatte denn der Titel bisher? Wurde nur ein männlicher Kleiderständer gewählt... armselig und Zeit, dass man das Publikum damit verschont! Jetzt noch die Misswahl weg und gut ist's!

  • Muriel am 12.05.2011 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerliches Mister-Schweiz-Programm

    Ist auch so schon lächerlich genug. Hallo, halbnackt Holz hacken? Das ist doch absoluter Stuss. Schön, dass wir das nicht mehr sehen müssen.