GNTM by Heidi Klum

03. Juni 2011 17:12; Akt: 03.06.2011 17:12 Print

«Heul woanders»

von Bettina Bendiner - Die sechste Staffel geht in die Endrunde: In wenigen Tagen steht fest, welches dünne Nachwuchs-Model dank GNTM für lange Zeit zum C-Promi gestempelt wird.

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Heidi Klum hat es geschafft: Sie hat viele Millionen auf dem Konto und führt ein erfolgreiches Business-Unternehmen. Bei «Germany's Next Topmodel» lehrt sie Leistungsbereitschaft, Disziplin und eisernen Willen.

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Leistungsbereitschaft, Disziplin und eiserner Wille: Schlagworte einer kampfbereiten Eliteeinheit – und Heidi Klums Dreipunkteplan für angehende Topmodels.

Kaderschmiede für den Laufsteg?

Schliesslich soll «Germany’s Next Topmodel» eine Kaderschmiede für international gefragte Laufstegschönheiten sein. Fest steht: Eine Julia Saner hat der «Kluminator», wie sich Heidi Klum angeblich manchmal selbst nennt, noch nicht entdeckt. Dafür eine Schar mehr oder weniger erfolgreicher C-Promis und zukünftiger Dschungel-Camper. Doch «Nervnatter» Sarah Knappik hat im australischen Dickicht gezeigt – Heidis Dreipunkteplan ist schnell Schnee von gestern.

«Atombusen gegen Atomkraft»

Und die Mädels oftmals leider auch – es sei denn, sie schaffen es wie Laura Weyel (24, Drittplatzierte der fünften GNTM-Staffel) dank einer Brustvergrösserung ein Jahr nach der Ausstrahlung wieder in die Schlagzeilen. Der eiserne Wille treibt wohl auch Micaela Schäfer (Staffel 1) an: 2010 legte sie in der 10. «Big Brother»-Staffel eine abendliche Peep-Show hin. Und sie tingelt seit ihrer Stippvisite bei Heidi Klum durch die Reality-TV-Formate des deutschen Privatfernsehens. Löblich auch ihr Umwelt-Engagement. Die 25-Jährige setzte sich mit blanker Brust für eine Initiative «Atombusen statt Atomkraftwerk» ein.

Studio statt Catwalk

Sara Nuru, Gewinnerin der vierten Staffel, moderiert mehr schlecht als recht das Topmodel-Magazin am Freitagnachmittag, das mittlerweile den Sendeplatz wieder an die Styling-Show «Das Model und der Freak» abgeben musste. Angeblich überlegt die 21-Jährige ihr Abitur nachzuholen. Von einer Nebenrolle im Film «Otto’s Eleven» kann auch ein Model nicht für immer zehren. Zwar garantiert Heidi Klum der Gewinnerin ein paar Folgeaufträge, die haben – wie die letztjährige Gewinnerin Alisar Ailabouni (22) erfahren musste – anscheinend nur wenig mit dem Traum von einer Laufstegkarriere gemein.

Alisar: Aus Klums Vertrag raus

Sie hat sich mithilfe eines Anwalts gerade erfolgreich aus dem Vertrag mit «ONEeins», der Klum – und ProSieben-nahen Vermarktungsagentur der GNTM-Teilnehmerinnen herausargumentiert. Eine «gute Freundin» behauptete gegenüber der «Bild»-Zeitung: «Es gab von Anfang an Probleme. Alisar war mit den PR-Terminen, die man ihr auferlegte, nie zufrieden, wollte lieber auf Modeschauen, um Karriere zu machen. Da hätte sie aber als Newcomerin zunächst nicht so viel verdient wie auf einer zweitklassigen Werbeveranstaltung.»

Gut, die Damen arbeiten. Manche als Moderatorinnen, andere als Laien-Darstellerinnen im nachmittäglichen TV-Klamauk auf dem Privatkanal. Eins haben sie gemeinsam: Die meisten arbeiten – bloss nicht unbedingt in ihrem Kerngeschäft. Traurig vielmehr ist Folgendes: Dass GNTM auch in der sechsten Staffel noch suggeriert, Mädchenträume wahrzumachen. Und damit durchkommt. Müsste es Heidis potentiellen Mädchen nicht längst mal dämmern, dass Mutproben in schwindelerregender Höhe oder absurde Weltrekordversuche in Highheels auf dem Laufband nicht viel mit dem Alltag eines Supermodels zu tun haben? Nein. Auch in der sechsten Staffel strömten noch Tausende Kandidatinnen zu den offenen Castings.

Lernziel erreicht

Manche beweisen: Sie haben aus den vorhergehenden Staffeln gelernt. Als ein Mädchen, dem Heidi gerade beim Schaulaufen den Schuh gab, sich weinend im Klo einschloss, zischte eine Kontrahentin: «Heul woanders.» Sie hats erfasst. Heulen sollte die Kollegin quotenwirksam vor der Kamera. Oder gar nicht. Denken Sie an den eisernen Willen.