Ein harter TV-Hund

18. Dezember 2011 14:31; Akt: 18.12.2011 14:31 Print

«Ich bin dem Tod von der Schippe gesprungen»

von P. Dahm - Nach 30 Jahren macht Claus Theo Gärtner 2012 Schluss mit «Ein Fall für zwei». 20 Minuten Online sprach mit TV-Detektiv «Josef Matula» über gefährliche Drehtage, Autorennen und Zukunftspläne.

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Claus Theo Gärtner kam am 19. April 1943 in Berlin zur Welt. Der Sohn eines Kaufmanns und einer Balletttänzerin wuchs unter anderem in Oberhausen auf, wo er als Kind schon Theater spielte. 1962 entstand in der Ruhrpott-Stadt dieses Bild des Schauspielers mit «Fensterglasbrille», wie er sie selbst nennt. Ende der 60-er Jahre stieg er ins Filmgeschäft ein und wurde 1972 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Hier ist er mit dem gebürtigen Zürcher Mario Adorf im Jahr 1978 zu sehen. Mit einer «tollen Hose», wie Gärtner selbstironisch anmerkt. Dem breiten Publikum ist Gärtner spätestens seit dem 11. September 1981 ein Begriff: Das ZDF strahlte damals die erste Folge seiner Hitserie «Ein Fall für Zwei» aus. Als Privatdetektiv Josef Matula half er an der Seite von Rechtsanwalt Dr. Dieter Renz den Armen und Unterdrückten. Renz wurde vom 1988 verstorbenen Günter Strack gespielt. Ab Episode 60 stand Advokat Dr. Rainer Franck alias Rainer Hunold dem harten Hund Matula neun Jahre lang zur Seite. Von 1997 bis 2000 spielte Schauspieler Mathias Herrmann den Anwalt, der dem Privatdetektiv Aufträge verschafft. Dr. Johannes Voss musste jedoch in der Folge «Morgen bist du tot» den Serientod sterben. Seit Folge 182 heisst Matulas Partner Dr. Markus Lessing, der dem Detektiv bis zum Schluss die Treue hält. Er wird von Paul Frielinghaus dargestellt, mit dem Claus Theo Gärtner auch privat gut befreundet ist. So sieht ein glückliches Paar aus: Die Schweiz freute sich mit dem Schauspieler, als er am 20. September 2008 in Winterthur die Eidgenossin Sarah Würgler zur Frau nahm. Es ist seine dritte Ehe. Schon 2006 war Gärtner mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein soziales Engagement geehrt worden. Eingerahmt wird der passionierte Rennfahrer auf diesem Bild von Sarah Würgler und seiner Mutter.

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«Ein Fall für zwei» bedeutet doppelte Fernseh-Arbeit: Ein Rechtsanwalt sorgt mit Hilfe des Privatdetektivs Josef Matula für Gerechtigkeit. Während die Rolle des Juristen schon viermal neu besetzt wurde, ist Matula seit 30 Jahren derselbe: Claus Theo Gärtner spielt seit 1981 den taffen Typen mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Doch 2012 endet diese Ära: Die 300. Folge soll seine letzte werden. 20 Minuten Online sprach mit dem 68-jährigen Schauspieler.

20 Minuten Online: Nach 300 Folgen tritt Josef Matula 2012 ab. Wie reagieren die Fans?
Claus Theo Gärtner: Meiner Mutter gefällt das beispielsweise gar nicht. Es gibt auch einige bedauernde Zuschriften auf Facebook und meiner Webseite.

Welche Episode bleibt Ihnen am stärksten in Erinnerung und warum?

Das ist schwer zu sagen. Da war die eine Folge, in der ich gerade so meinen Kopf gerettet habe und dem Tod von der Schippe gesprungen bin. Das war ein Dreh, den ich nicht vergessen werde. Wir haben in der Bretagne gearbeitet und es ging darum, dass Matula von einem Schiff ins Hafenbecken springen sollte, um zu entkommen. Wir hatten uns das morgens angeguckt. Da war Flut.

Oh!

(Lacht) Alles klar, oder? Als wir am Nachmittag gedreht haben, haben wir nicht mitgekriegt, dass Ebbe war. Und Gott sei Dank bin ich in eine gepolsterte Suppe geflogen. Das war ein Fischereihafen, in dem alle Fischreste über Bord geworfen wurden und unten war eine schöne, breiige Masse, die mich aufgefangen hat. So einen Tag vergisst man natürlich nicht.

Wie sah es an den anderen Arbeitstagen aus?
Es hat viele Folgen gegeben, die richtig Spass gemacht haben und es gab auch welche, die nicht ganz so lustig waren – wie das bei 300 Folgen nun mal so ist. Aber im Grossen und Ganzen war es immer gut und ich habe mich nie gelangweilt.

Gibt es einen Kollegen, mit dem Sie besonders gerne gearbeitet haben?
Das läuft ja alles ziemlich professionell. Mit Paul Frielinghaus bin ich richtig gut befreundet. Mit anderen Kollegen bin ich auch befreundet, aber das ist eben ein intensiverer Kontakt.

Matula hat sich auch durch seine Handfestigkeit ausgezeichnet. Wie viel Matula steckt in Claus Theo Gärtner?
Ich war und bin noch immer ein recht sportlicher Typ. Vielleicht sieht es deshalb authentisch aus, was wir da treiben.

Sie waren mal Rallyefahrer und haben Auto-Stunts zumeist selbst gedreht: Suchen Sie immer noch den Kick beim Motorsport?
Jetzt nicht mehr. Ich bin ja im deutschen Langstrecken-Pokal 15 Jahre lang Autorennen gefahren. Dann hatte ich auch das Vergnügen und die Ehre, im Porsche Supercup fahren zu dürfen. Das war für mich der Ausgleich zu den Dreharbeiten und mit ein Grund dafür, das mein Leben nie langweilig war.

Mit Ihrer Schweizer Gattin wollen Sie nach der letzten Klappe 2012 ein Sabbatjahr einlegen: Was haben Sie vor?
Wir wollen im nächsten Herbst von Alaska über die Panamericana nach Feuerland reisen und haben uns einen 13,5 Tonnen schweren LKW mit Wohnabteil gekauft. Ich war schon im Wohnmobil in Kanada, aber Alaska und Mittelamerika kenne ich noch nicht. Bei den früheren Reisen stand der Rückflug-Termin immer schon fest. Jetzt haben wir ein Jahr Zeit, um kreuz und quer bis Feuerland zu fahren.

Und wie sieht das Leben des ehemaligen TV-Detektivs nach der Amerika-Reise aus?
Ich werde wieder Theater spielen. Noch habe ich kein festes Engagement, aber wir besprechen gerade, was da 2013 alles auf uns zukommt.

Stimmt es, dass Sie malen?
Nein, das ist eine Ente. Ich interessiere mich für Kunst und sammle auch das, was mir gefällt. Aber ich bin jetzt kein grosser Kunstkenner.

Sie haben 2008 in Winterthur Sarah Würgler geheiratet. Wie gut kannten Sie die Schweiz, bevor sie die Regieassistentin kennengelernt haben?
Ganz gut. Ich habe in der Schweiz ja Theater gespielt und war oft hier. Ich habe zehn Jahre eine Wohnung in Basel gehabt und jetzt wieder. Ich wohne in Basel, sonst nirgendwo. Dort habe ich eine neue grosse Familie dazubekommen.