Islamische Reality-Show

13. Dezember 2011 16:57; Akt: 13.12.2011 17:25 Print

«Muslime sind wie wir - die Nazis aber auch»

Die TV-Show «All American Muslim» ist eine simple Reality-Doku über fünf islamische Familien. Doch in den USA hat sie eine Debatte über Gehirnwäsche, Nazis und Pro-Dschihad-Propaganda entfacht.

Fans sehen in «All American Muslim» eine Reality-Doku über fünf islamische Familien in Michigan. Kritiker werden der Sendung islamische Propaganda und antidemokratische Tendenzen vor.
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Die neueste Skandalsendung im US-TV hat nichts mit Porno, nichts mit Demütigung oder Mord und Totschlag zu tun. Die Reality-Doku «All American Muslim» begleitet fünf stinknormale islamische Familien im Alltag. Beim Heiraten, beim sich Verlieben, beim Einkaufen, beim Gebet – bei Dingen des täglichen Lebens. Teilweise mit, teilweise ohne Kopftuch.

Radikal-konservative Christen erbost

Und trotzdem schlug das Format des Weiterbildungs-Senders TLC ein wie eine Bombe. Radikal christliche Kreise sind empört und wittern beim Quotenhit zur Primetime Schändliches. Den Zorn der Andersgläubigen bekam etwa der US-Baumarkt Lowe’s zu spüren. Die konservativ-christliche «Florida Family Association» rief ihre Sympathisanten dazu auf, Emails an Lowe’s Werbeabteilung zu schicken, mit der dringlichen Forderung, Werbung während «All American Muslim» zu stoppen. Die Begründung ist faszinierend: Das Programm sei «Propaganda» und verschleiere, dass manche islamische Gläubige eine «Gefahr für die amerikanische Freiheit und traditionellen Werte» darstellten, zitiert der «Spiegel» die Organisation.

Alte Ängste kochen hoch

Laut einer Studie des FBI sind die Verbrechen gegen Muslime im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Das heisst nicht, dass halb Amerika hinter jeder Hecke einen Osama bin Laden wittert. Aber es zeigt: Die unbestimmte Angst vor dem vermeintlich «Fremden» ist noch da – und bei manchen US-Bürgern besonders tief verwurzelt.

So zitiert der britische «Guardian» den Autor eines nichtgenannten islamophoben Netzwerks: «Moslems sind wie wir. Aber genau das ist das Problem. Die Nazis waren auch wie wir. Und die Kommunisten auch.» Zur Erinnerung: Des Pudels Kern ist nach wie vor eine harmlose Reality-Doku über fünf islamische Familien aus Michigan.

Genau das mögen die Fans der Sendung. Sie sehen die zweimal wöchentlich gesendete Doku als willkommene Abwechslung von gängigen Klischees. Sie rücke Moslems weg vom Bild der Terroristen, Taxi-Fahrer und Extremisten.

«bigott und beschämend»

Der Baumarkt wollte trotzdem nichts mehr mit TLC zu tun haben: «Unsere Entscheidung, die Werbung aus dem Programm zu nehmen, beruht auf Recherchen und auf den Bedenken, die uns in verschiedenen Emails, Telefonanrufen, Sozialen Medien und über Zeitungsartikel erreicht haben», sagt Lowe’s Pressesprecherin gegenüber «hollywoodreporter.com». Das sei «bigott, beschämend und unamerikanisch» kontert der demokratische Senator Ted Lieu. Das Unternehmen soll sich bei allen Muslimen im Land entschuldigen, fordert er. Auch der Leiter des Rats für amerikanisch-islamische Beziehungen in Michigan, Dawud Walid, verurteilt die «Kapitulation vor der Frömmelei».

Der Streit ist längst noch nicht beigelegt. Und soll jetzt zum Thema im Senat werden. Der ist schliesslich für die Bewahrung amerikanischer Werte wie Freiheit und Demokratie zuständig. Bis dahin freut sich der Sender TLC – und streicht zweimal wöchentlich die zweitbeste Quote zur Primetime ein. Und die fünf normalo-muslimischen Familien gehen weiterhin in Begleitung von Kamerateams einkaufen – mit oder ohne Kopftuch.


(bbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • L.HA am 16.12.2011 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    auch Moslem

    Ich bin auch Moslem, obwohl ich den Koran noch nie gelesen habe, kein Kopftuch trage, nicht faste, nicht fünf mal am Tag bete, das Einzige was ich mache, ist die Feiertage oder Feste einhalten. Ich bin keine Kriminelle, keine terroristin, würde niemand für die Ehre umbringen. Bin ich jetzt immer noch schlecht, weil ich Moslem bin? Ich verstehe die ganzen Diskussionen nicht! Jeder kann glauben was er will, jeder darf sagen woher er kommt, jeder darf sagen was er denkt, aber er sollte sich wenigstens anpassen dort wo er lebt. Mit anpassen meine ich, das man nicht kriminell ist, keine Ehrenmorde.

  • Friedrich Wilhelm von Hammersmith am 13.12.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Taxi?

    "Sie rücke Moslems weg vom Bild der Terroristen, Taxi-Fahrer und Extremisten" In was für eine Kategorie werden hier Taxifahrer gepackt? Was gibt es Negatives an diesem Beruf?

    einklappen einklappen
  • Christ am 13.12.2011 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    solche und solche

    Das sehe ich ein wenig anders. Fragen Sie sich doch mal, wo der Fremdenhass entsteht. Ich gebe gern zu, dass ich konservativ bin, doch ich persönlich erachte den Muslimischen Glauben als gefährlich. Und das aufgrung eigener Erfahrungen. Man muss aber auch beachten, dass nicht alle in den selben Topf zu werfen sind, es gibt überall extreme Menschen, egal ob muslimisch, christlich etc...

Die neusten Leser-Kommentare

  • L.HA am 16.12.2011 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    auch Moslem

    Ich bin auch Moslem, obwohl ich den Koran noch nie gelesen habe, kein Kopftuch trage, nicht faste, nicht fünf mal am Tag bete, das Einzige was ich mache, ist die Feiertage oder Feste einhalten. Ich bin keine Kriminelle, keine terroristin, würde niemand für die Ehre umbringen. Bin ich jetzt immer noch schlecht, weil ich Moslem bin? Ich verstehe die ganzen Diskussionen nicht! Jeder kann glauben was er will, jeder darf sagen woher er kommt, jeder darf sagen was er denkt, aber er sollte sich wenigstens anpassen dort wo er lebt. Mit anpassen meine ich, das man nicht kriminell ist, keine Ehrenmorde.

  • Stefan Zweifel am 15.12.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alles relativ

    Ich habe nichts gegen Ausländische Mitbürger, egal wessen Herkunft, sehe mich selbst als offen und tolerant - und konfessionslos. Deshalb sträube ich mich gegen Gesellschaftsformen, in welchen Religion ausserhalb des privaten Rahmens auch in meinen Alltag einfliesst. Fakt ist leider auch einfach, dass sich Muslime noch viel häufiger über ihre Religion definieren, als "einfache" Christen. Gewisse Vorurteile gegenüber praktizierenden Muslimen kann ich deshalb leider auch nicht abstreiten.

  • gelöscht am 14.12.2011 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gelöscht

    • Jean Hans Rime am 14.12.2011 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Wissen aneignen, dann Kommentieren!

      Das Argument Koran lesen ist sehr treffend.. schon mal das alte Testament gelesen und mit dem Koran verglichen?

    einklappen einklappen
  • Al Ban am 14.12.2011 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peace

    Egal was man ist und woher man kommt, hauptsach ein gutes Herz und ein gesunden Verstand.

  • JAY am 14.12.2011 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Diese Sendung würde mich sehr interessieren. Habe als Schweizer auch so meine Vorurteile. Einen Einblick in diesen fremden Alltag würde mir nicht schaden