«Tatort» als Vorreiter

05. November 2019 11:58; Akt: 05.11.2019 16:38 Print

SRF trimmt seine Serien auf Nachhaltigkeit

Der neue Zürcher «Tatort» wird zu einem wegweisenden Projekt: SRF setzt damit erstmalig eine nachhaltige Produktion um.

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In und um Zürich werden zurzeit die neuen «Tatort»-Folgen gedreht. Dabei wird darauf geachtet, den CO2-Fussabdruck der Produktionen möglichst klein zu halten – vom Transport über die Büromaterialien bis zur Verpflegung. Das Bild zeigt einen Drehort zur Folge «Skalpell» im Jahr 2012. Da war noch das Luzerner Ermittlerduo im Einsatz. Das ist die letzte Szene, mit der sich das Luzerner Ermittlerduo Reto Flückiger und Liz Ritschard Ende Oktober aus der «Tatort»-Reihe verabschiedeten. «Schade, bist du keine Frau», sagt die lesbische Kommissarin. Und Flückiger antwortet: «Nobody is perfect.» Zuvor wurde Flückiger noch von seinem Chef entlassen – und Ritschard zur neuen Leiterin der Abteilung Leib & Leben ernannt. Die Schlussszenen wurden allem Anschein nach im Ausland gedreht – eine Praxis, die unter den neuen Umweltschutz-Massnahmen womöglich wegfallen dürften. «Tatort»-Fans rechneten in der letzten Folge durchaus damit, dass Reto Flückiger bei seinem letzten Fall noch umkommen könnte. Und tatsächlich ... ... gab es in den letzten Minuten noch einen spektakulären Unfall, bei dem Flückiger seinen dunkelgrauen SUV absichtlich in ein anderes Auto crashte. Damit vereitelte er ein weiteres Attentat. Für einen kurzen Moment ist der bewusstlose Kommissar zu sehen, mit Blut auf der Stirn. Doch in der nächsten Szene kommt schon die Erlösung: Flückiger lebt. Die letzte Luzerner «Tatort»-Folge lief unter dem Titel «Der Elefant im Raum». Am Anfang der Story stand ein Anschlag während eines VIP-Dinners der lokalen Wirtschafts- und Polit-Elite auf einem Dampfer auf dem Vierwaldstättersee. Kommissar Flückiger war privat an Bord des Schiffes – und begann sogleich zu ermitteln. Es ist Stefan Gubsers (62) letzter Einsatz in der Rolle nach acht Jahren und 17 Fällen. Die finale Folge wurde von Regisseur Tom Gerber inszeniert. Er arbeitete schon bei «Der Bestatter» mit und war für die SRF-Filme «Der Hamster» und «Liebe und andere Unfälle» verantwortlich. Im Mittelpunkt der Handlung stand unter anderem ein unabhängiges Newsportal – beziehungsweise dessen Chef (hinten Mitte), gespielt von Fabian Krüger. Einige Exponenten der Innerschweizer Polit- und Wirtschaftselite geriten unter Verdacht. Sowie der Chef von Flückiger und Ritschard. Reto Flückiger musste derweil noch einmal die unangenehmen Seiten des Ermittlerseins durchleben. 2011 wurde erstmals ein «Tatort» aus Luzern gesendet, damals ermittelte Stefan Gubser als Kommissar Flückiger noch allein. Ab 2012 war dann Delia Mayer als Liz Ritschard ebenfalls dabei. Pro Jahr gab es zwei Folgen aus Luzern. Hach, Flückiger und Ritschard, ihr wart ein gutes Team! Und wenns dafür noch einen Beweis braucht: In der letzten Folge bringt der Kommissar seiner erkrankten Kollegin ein paar frische Vitamine vorbei. Jetzt übergeben die Luzerner an ein neues Duo in Zürich. Ab Mai 2020 werden Anna Pieri (links) und Carol Schuler (die aktuell in der Netflix-Serie «Skylines» zu sehen ist) in der grössten Stadt der Schweiz ermitteln.

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Das Schweizer Fernsehen will die Produktionsabläufe für eigene Serien und Filme neu und nachhaltig gestalten. In Zusammenarbeit mit Myclimate wurde eine Liste von «ökologischen Nachhaltigkeitsmassnahmen» erarbeitet, die sogenanntes «Green Filming» möglich machen sollen, wie SRF am Dienstag in einer Mitteilung schreibt.

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Als Pilotprojekt gilt der «Tatort» – die neuen Folgen, die aktuell in Zürich gedreht werden, sollen möglichst klimafreundlich umgesetzt werden. Dazu wurden die CO2-Emissionen bei einem «Tatort»-Dreh von Myclimate erhoben und «mithilfe von externen Spezialistinnen und Spezialisten» analysiert.

CO2-Fussabdruck wird verringert

«Auf Basis dieser konkreten Verbrauchsdaten konnte ein CO2-Fussabdruck der Schweizer ‹Tatort›-Produktion aus dem Jahr 2018 erstellt werden», schreibt SRF weiter. Nun arbeite man in den aktuellen Produktionen daran, diesen Fussabdruck zu verkleinern.

Gemäss Dr. Bettina Kahlert, die bei Myclimate Leiterin der Abteilung für Ressourceneffizienz ist, wurden die «klima- und umweltrelevanten Aktivitäten und Verbrauche aus den Bereichen Energie, Transport, Geschäftsverkehr, Mitarbeitermobilität, Büromaterialien, Verpflegung und Abfälle» untersucht. Und auf Verminderungspotenzial geprüft.

Konkret bedeutet das etwa: Das Catering wird auf vegetarisch umgestellt, auf Einwegplastik wird verzichtet, Kostüme und Requisiten werden wo möglich ausgeliehen oder wiederverwendet. Die Crew verzichtet auf Flüge an Orte, die per Zug in unter fünf Stunden erreichbar wären. Und die Produktionsbüros werden mit Ökostorm betrieben.


Die neuen «Tatort»-Kommissarinnen Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher im Interview. (Video: 20 Minuten)

SRF als Vorbild für gesamte Filmbranche

SRF will mit dem nachhaltigen «Tatort» eine Vorreiterrolle übernehmen – und weitere Filmschaffende dazu inspirieren, ökologischer zu arbeiten. Die Daten und Erkenntnisse sollen der gesamten Schweizer Filmbranche zugänglich gemacht werden.

Urs Fitze, Leiter Fiktion beim SRF, beschreibt, was den Auslöser für das Umdenken gab. «Mich hat eine Studie aus Amerika aufgeschreckt, die besagt, dass die Film- und Fernsehindustrie in der Region Los Angeles der zweitgrösste Umweltverschmutzer ist. Nur die in der Region angesiedelten Ölraffinerien stossen noch mehr Schadstoffe aus.»

Da habe er realisiert, dass auch mit Filmproduktionen ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden könne. Und dass SRF hier «als gutes Beispiel vorangehen sollte».

(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Was denn noch am 05.11.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Meistens unterirdisch

    Noch klimaneutraler wäre es, gar keine CH-Tatorts mehr zu drehen! Da wären auch die Zuschauer und Kritiker zufrieden...

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  • Mephistofeles am 05.11.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwort des Jahrtazsends

    Ich kann dieses dämliche Un-Wort "nachhaltig" nicht mehr hören geschweige denn will ich darüber lesen. Wir sind alle nicht gemacht für die Ewigkeit. Das Leben endet nämlich mit dem Tod und dann ist sowieso Schluss mit "Nachhaltigkeit". Vielleicht noch der Nachruf aber auch der ist nicht sicher oder gar nachhaltig!

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  • Damian am 05.11.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Absetzen wäre Unweltbewusst

    Nachhaltig wäre wohl nur diese Sendung abzusetzen. An die Qualität der Amis kommen sie sowieso nicht heran.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Berner am 06.11.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wir zahlen...

    Würde mich interessieren wie viel mehr Gebühregelder verschwendet werden unter dem Deckmantel Klimahysterie. Aber egal, ist ja nur unsere Kohle.

  • Berner Bär am 06.11.2019 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Wann kommt die Oekoleiche? Da kann man nur noch einen Toten/eine Tote erwarten, die zuvor vegan und klimaneutral gelebt habt und verstorben ist.

  • Noblock Buster am 05.11.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    gut, aber auch Inhalt überdenken

    Mich würde in diesem Zusammenhang sowieso schon lange interessieren, wieviel CO2 weltweit bei Filmproduktionen unnötigerweise in die Atmosphäre gelangen. Ich denke da vor allem an Actionfilme, wo in den Studios massenweise Autos und vieles anderes gesprengt und angezündet etc. werden. Wurde das mal ausgerechnet? Ich tippe auf die Actionfilme aus der US-Filmindustrie, auch wenn sie nicht die grösste ist.

  • bkw am 05.11.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bkw

    co2 neutral, aber den strom aus dem akw. 36% des schweizer stroms stammte letztes jahr aus akws. wieviele teslas wohl damit geladen wurden....

  • daniel.b am 05.11.2019 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre dann Sondermüll,

    ..... CO2 - und talentfrei produziert.

    • Talentierter Mitleser am 06.11.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Der war...

      ...einfach nur gut :-D

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