Contest Interruptus

27. Mai 2010 20:58; Akt: 21.06.2010 17:32 Print

Alle Jahre wieder: Das Aus vor dem Höhepunkt

von Oliver Baroni - Einmal mehr hat es die Schweiz nicht ins ESC-Finale geschafft. Erfolgreicher waren dagegen Dänemark, Irland und eine Menge Länder, die im Osten der Schweiz liegen.

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Mit im Vergleich zu der letztjährigen Show eher dezentem Intro-Pomp werden die Zuschauer des grössten Musikwettbewerbs der Welt begrüsst. Die Moderatoren Nadia Hasnaoui, Haddy Jatou N'jie und Erik Solbakken haben die Aufgabe, 17 Beiträge aus ganz Europa innert kürzester Zeit durchzujassen. Und los geht's: Litauen – Darf man so was eine Boyband nennen, oder muss man doch Manband dazu sagen? InCulto bieten Klamaukdisco mit homophilem Einschlag. Immerhin ist ihre Show lebhaft und halbwegs lustig. Vor allem dank einer wohl nicht ganz so ernst gemeinten Strip-Einlage, die Glitzerunterwäsche zum Vorschein bringt. Armenien hat dafür gesorgt, dass dem donnernden Berg von einer Frau kein Backgoundtänzer zu nahe kommt. Denn andernfalls würde Eva Rivas unglaubliche Grösse noch mehr ins Auge stechen. Doch trotz aller Üppigkeit bei Kleidung, Körpergrösse, Decolletée und beim Song dürfte dieser Act problemlos weiterkommen. Israel - Viele Kommentatoren befürchten, dass Harel Skaats über lange Strecken eher fragile Ballade inmitten des Bombasts der Konkurrenz untergehen könnte. Der Grosi-Stimmenanteil ist allerdings nicht zu unterschätzen. Sven Epineys verlorener Bruder hat aber ein Manko: Der Mann harzt mit den etwas ehrgeizig hohen Tönen. Dänemark – Trotz fantasielosem Klischee-Pop dürften Chanée & N'evergreen bei den Westeuropäern punkten. Derweil steht ganz Osteuropa auf und nutzt diese drei Minuten, um ein Bier zu holen. Schweiz – Da ist er also, der Michael. Britische Medien bezeichneten ihn als «wirklich lieben Kerl» - um gleich danach zu bedauern, dass der Song «fad, stampfend und vielleicht ein klein wenig zu tuntig» («Popbitch.com») sei. Hinter vorgehaltener Hand wird noch ein fiesen Spruch über seine Ohren gemacht. Pfui! Sowohl die Statistik als auch die Wettbüros sprechen gegen Michael, und dabei ist die Performance ganz ordentlich. Solide Schweizer Arbeit, doch eben das konnte bisher Resteuropa kaum begeistern... Schweden – Eine Ausnahmeerscheinung am ESC: Da singt also ein ganz nettes Mädchen einen ganz netten Song auf ganz nette Weise – und scheint wirklich noch Spass dabei zu haben. Ausserdem ist der Song in der mainstreamtauglichen Moll-Tonart verfasst. Anna Bergendahls hätte das Zeugs zum Geheimtip ... Aserbaidschan – Reichlich hölzern, der Auftritt der attraktiven Safura. Und insgesamt vorhersehbar, so wie der Song selbst. Bei den Wettbüros liegt der Beitrag - vielleicht gerade deswegen - vorne. Eine schwedische Komposition und eine azerbaidschanische Sängerin: Man darf Stimmen von beiden Seiten des eisernen Vorhangs erwarten. Ukraine – Alyosha steht alleine auf der Bühne, heult, kreischt und zeugt vom Untergang der Welt. Beim Publikum dürfte sie durchfallen. Doch heuer dürfen seit Langem wieder Profi-Juroren mitreden – und die könnten ihr eine zweite Chance geben. Die Niederlande holten «Schlümpfe»-Vader Abraham aus dem Ruhestand, der dann einen Song komponierte, der alles glorios Schlechte des alten Concours D'Eurovision verkörpert. Nach diesem Song ist man vieles, nur nicht «verliefd». Rumänien – Ein Attraktivitätsgefälle macht sich bemerkbar bei diesem ach so unpassenden Gesangspaar, das sich über ein Plastikpiano hinweg anschreit. Slowenien bietet einer der wenigen wirklich schrägen Beiträge des Contests - so nach dem Motto «Oeschs die Dritten trifft Status Quo». Irland schickt eine Vorjahres-Siegerin ins Rennen - mit einer Alternativ-Version des Titanic-Songs «My Heart Will Go On». Was in früheren Jahren ein Erfolgskonzept war, könnte heuer Mühe bekunden. Bulgarien – Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Miro ein bisschen sehr zuversichtlich ist – wenn nicht gar selbstverliebt. Seine Balkan-Elvis-Christus-Show dürfte die Zuschauer eher zum Lachen als zum Wählen bringen. Zypern schickt einen trinkfesten Waliser ins Rennen. Sein Song (Ronana Keating lässt grüssen) ist auffallend unauffällig, doch sollte er im richtigen Augenblick deiner Grossmutti zuzwinkern, wäre er im Finale mit dabei. Kroatien bietet eine der wenigen echten Balkan-Balladen - mit viel Decolletée, viel Bein und viel Blond. Schade um den Bandnamen, Feminnem, der reichlich doof ist. Georgien soll Insidern zufolge eine Rekordsumme für ihre Party in Oslo ausgegeben haben - zudem sind die Strassen mit Sofia-Nizharadze-Plakaten regelrecht zugepflastert. Nur eines haben sie vergessen - den Song. Sofias Grossgesangs-Passagen können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Komposition reichlich beliebig ausgefallen ist. Türkei - Hey Jungs, Muse hat angerufen. Sie wollen ihren Sound wieder zurück. Der einzige rockhafte Beitrag des Abends könnten an den wichtigen Zielpublikums-Gruppierungen vorbeischiffen: Zu laut für die Grosis, zu wenig tanzbar für die Girlies und zu wenig stylish für die Gays. Am Schluss werden noch die Stimmen ausgezählt. Neuerungen gibt es heuer übrigens beim Abstimmungsverfahren: So können die Zuschauer bereits nach dem ersten Song anrufen. Die Punktevergabe erfolgt aus jedem Land zu je 50 Prozent von den Fernsehzuschauern und einer Jury. Ob dadurch die Chancen für die Schweiz steigen ...? Öhm, nein. Einmal mehr ist die Schweiz nicht unter den zehn Finalisten des Abends. Am 29. Mai mit dabei sind: Dänemark, Armeinen, Rumänien, Azerbaidschan, Zypern, Irland, Israel, die Türkei, Ukraine und Georgien.

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2. Halbfinale des Eurovision Song Contest 2010 in Oslo - das Live-Protokoll:

Mit im Vergleich zu der letztjährigen Show eher dezentem Intro-Pomp werden die Zuschauer des grössten Musikwettbewerbs der Welt begrüsst. Die Moderatoren Nadia Hasnaoui, Haddy Jatou N'jie und Erik Solbakken haben die Aufgabe, 17 Beiträge aus ganz Europa innert kürzester Zeit durchzujassen. Und los geht's:

Litauen – Darf man so was eine Boyband nennen, oder muss man doch Manband dazu sagen? InCulto bieten Klamaukdisco mit homophilem Einschlag. Immerhin ist ihre Show lebhaft und halbwegs lustig. Vor allem dank einer wohl nicht ganz so ernst gemeinten Strip-Einlage, die Glitzerunterwäsche zum Vorschein bringt.

Armenien hat dafür gesorgt, dass dem donnernden Berg von einer Frau kein Backgoundtänzer zu nahe kommt. Denn andernfalls würde Eva Rivas unglaubliche Grösse noch mehr ins Auge stechen. Doch trotz aller Üppigkeit bei Kleidung, Körpergrösse, Decolletée und beim Song dürfte dieser Act problemlos weiterkommen.

Israel - Viele Kommentatoren befürchten, dass Harel Skaats über lange Strecken eher fragile Ballade inmitten des Bombasts der Konkurrenz untergehen könnte. Der Grosi-Stimmenanteil ist allerdings nicht zu unterschätzen. Sven Epineys verlorener Bruder harzt aber mit den etwas ehrgeizig hohen Tönen ...

Dänemark – Trotz fantasielosem Klischee-Pop dürften Chanée & N'evergreen bei den Westeuropäern punkten. Derweil steht ganz Osteuropa auf und nutzt diese drei Minuten, um ein Bier zu holen.

Schweiz – Da ist er also, der Michael. Britische Medien bezeichneten ihn als «wirklich lieben Kerl» - um gleich danach zu bedauern, dass der Song «fad, stampfend und vielleicht ein klein wenig zu tuntig» («Popbitch.com») sei. Hinter vorgehaltener Hand wird noch ein fiesen Spruch über seine Ohren gemacht. Pfui! Sowohl die Statistik als auch die Wettbüros sprechen gegen Michael, und dabei ist die Performance ganz ordentlich. Solide Schweizer Arbeit, doch eben das konnte bisher Resteuropa kaum begeistern...

Schweden – Eine Ausnahmeerscheinung am ESC: Da singt also ein ganz nettes Mädchen einen ganz netten Song auf ganz nette Weise – und scheint wirklich noch Spass dabei zu haben. Ausserdem ist der Song in der mainstreamtauglichen Moll-Tonart verfasst. Anna Bergendahls ist so was wie ein Geheimtip.

Azerbaidschan – Reichlich hölzern, der Auftritt der attraktiven Safura. Und insgesamt vorhersehbar, so wie der Song selbst. Bei den Wettbüros liegt der Beitrag - vielleicht gerade deswegen - vorne. Eine schwedische Komposition und eine azerbaidschanische Sängerin: Man darf Stimmen von beiden Seiten des eisernen Vorhangs erwarten.

Ukraine – Alyosha steht alleine auf der Bühne, heult, kreischt und zeugt vom Untergang der Welt. Beim Publikum dürfte sie durchfallen. Doch heuer dürfen seit Langem wieder Profi-Juroren mitreden – und die könnten ihr eine zweite Chance geben.

Die Niederlande holten «Schlümpfe»-Vader Abraham aus dem Ruhestand, der dann einen Song komponierte, der alles glorios Schlechte des alten Concours D'Eurovision verkörpert. Nach diesem Song ist man vieles, nur nicht «verliefd».

Rumänien – Ein Attraktivitätsgefälle macht sich bemerkbar bei diesem ach so unpassenden Gesangspaar, das sich über ein Plastikpiano hinweg anschreit.

Slowenien bietet einer der wenigen wirklich schrägen Beiträge des Contests - so nach dem Motto «Oeschs die Dritten trifft Status Quo».

Irland schickt eine Vorjahres-Siegerin ins Rennen - mit einer Alternativ-Version des Titanic-Songs «My Heart Will Go On». Was in früheren Jahren ein Erfolgskonzept war, dürfte heuer Mühe bekunden.

Bulgarien – Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Miro ein bisschen sehr zuversichtlich ist – wenn nicht gar selbstverliebt. Doch seine Balkan-Elvis-Christus-Show dürfte die Zuschauer eher zum Lachen als zum Wählen bringen.

Zypern schickt einen trinkfesten Waliser ins Rennen. Sein Song (Ronan Keating lässt grüssen) ist auffallend unauffällig, doch sollte er im richtigen Augenblick deiner Grossmutti zuzwinkern, wäre er im Finale mit dabei.

Kroatien bietet eine der wenigen echten Balkan-Balladen - dazu noch mit viel Decolletée, viel Bein und viel Blond. Schade um den Bandnamen, Feminnem, der reichlich doof ist.

Georgien soll Insidern zufolge eine Rekordsumme für ihre Party in Oslo ausgegeben haben - zudem sind die Strassen mit Sofia-Nizharadze-Plakaten regelrecht zugepflastert. Nur eines haben sie vergessen - den Song. Sofias Grossgesangs-Passagen können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Komposition reichlich beliebig ausgefallen ist.

Türkei - Hey Jungs, Muse hat angerufen. Sie wollen ihren Sound wieder zurück. Der einzige rockhafte Beitrag des Abends könnte an den wichtigen Zielpublikums-Gruppierungen vorbeischiffen: Zu laut für die Grosis, zu wenig tanzbar für die Girlies und zu wenig stylish für die Gays.

Und dann werden auch schon die Stimmen ausgezählt. Neuerungen gibt es heuer übrigens beim Abstimmungsverfahren: So können die Zuschauer bereits nach dem ersten Song anrufe. Die Punktevergabe erfolgt aus jedem Land zu je 50 Prozent von den Fernsehzuschauern und einer Jury. Ob das die Schweizer Chancen erhöht ...?

Öhmmm ... nein. Einmal mehr hat es der Schweizer Beitrag nicht ins Finale des ESC geschafft. Am Finale am Samstag mit dabei sind: Dänemark, Armeinen, Rumänien, Azerbaidschan, Zypern, Irland, Israel, die Türkei, Ukraine und Georgien.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton Soodersobesserweiss am 28.05.2010 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bitteschön....

    Ich habs ja von Anfang an gesagt, dass dies der grösste Fehler war, den MVH dahin zu schicken. Machts doch wie Italien und Oesterreich. Boykotiert diesen Schwachsinn,. Die Schweiz hat keine Künstler welche auch nur annähernd an internationales Niveau ran kommen.

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  • Roland Baur am 27.05.2010 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Übertragungs-STOP

    Wir Schweizer können uns auch selber für doof verkaufen. Fertig mit Fehrnseh- Übertragung, was Interessiert uns das ganze noch, wenn wir jedes Jahr von neuem Bojkotiert werden.Fragt sich nur was da eigentlich abgeht. (LIEBE SCHWEIZER MACHT EUCH EINEN SCHÖNEN GRILL-ABEND USW ABER BITTE SCHAUT KEINE MINUTE EUROVISON SONG CONTEST (BITTE, BITTE)

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  • Karl Kluge am 27.05.2010 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist die Realität.

    Die Bewertung ist absolut in Ordnung! Ich wäre vom Hocker gefallten wenn Michi unter die ersten 10 gekommen wäre.

Die neusten Leser-Kommentare

  • heidi von burg am 04.06.2010 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    nix für die schweiz

    na ja leute, ganz ehrlich diesen typen, den die schweiz in den evc geschickt hat, kann ich nicht verstehn. jedoch ist es immer so lustig, was für leute die ch schickt!!! einfach nur lächerlich!! es muss ein sound sein der einfach nur ein hit ist? was soll gölä oder dj bobo!! einfach nur schwachsinn.. die schweiz ist weit weg von diesem erfolg!! 2 punkte ist zuuu gut!!

  • Binchen am 02.06.2010 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    Hier mein Vorschlag, ein eventuelles Erfolgsrezept: - junge Person - gutes Aussehen - einzigartige Stimme - Ohrwurm!!! - etwas rockiges, keine Ballade/Chansons bitte schickt nicht Marc Sway, Baschi oder ähnliche.. Wenns denn ein Vertreter der schweizer Musikszene sein soll, dann bitte sowas wie: - Stress - Ritschi - Bligg usw., jemand der Ahnung hat von der aktuellen Musik ODER wir suchen uns per Castinshow ein solches Ausnahmetalent. Allerdings scheint die Schweiz kein solches zu haben oder es sind alle wirklichen Talente zu schüchtern...

    • Sarah am 05.06.2010 14:49 Report Diesen Beitrag melden

      ...find ich super...

      Genau, lasst das Publikum entscheiden wie es am ESC auch gemacht wird. So hat der Künstler bereits die erste Feuerprobe bestanden. Ich bin mir sicher dass der Song von Von der Heide bei einem Publikumsvoting in der Schweiz niemals gewählt worden wäre!!

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  • Clodi am 31.05.2010 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    die schweizer Presse sollte endlich lernen positiv zu berichten und nicht schon vor dem Event den Teilnehmer schlecht machen! Und wieso nicht aufhören? Das ersparte Geld könnte für gute deutesche Unterhaltungsfilme verwendet werden.

  • Beat Schwager am 31.05.2010 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jodlergruppe

    Ich als Grossstädter und in keinster Weise Ländlerfreund, bin überzeugt, dass die Schweiz mehr Punkte mit einer guten Jodlergruppe einfahren würde, als mit all denen Leuten , welche in den letzten Jahren für die Schweiz am Start waren. Entweder etwas wirklich inovatives, spriziges, oder eben total traditionel, aber kein 08 15 mehr, einfach nur langweilig.

  • Igor Bandalo am 31.05.2010 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    ESC im 21. Jahrhundert

    Ja, der Song erinnerte noch an Chanson, aber der Event heisst schon seit Jahren Eurovision Song Contest. Das haben wir nur noch nicht begriffen... Und spätestens seit diesem Jahr ist es auch mehr als ein Altweiber- und Tuckenevent. Nun gilt es auch ein jüngeres Publikum zu begeistern!