«Tatort»

28. Oktober 2019 06:42; Akt: 28.10.2019 06:42 Print

Auch für den letzten Luzerner Fall hagelts Kritik

Das Luzerner «Tatort»-Team ist Geschichte. Die Abschlussfolge hinterlässt bei den meisten einen faden Nachgeschmack.

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Das ist die letzte Szene, mit der sich das Luzerner Ermittlerduo Reto Flückiger und Liz Ritschard aus der «Tatort»-Reihe verabschiedet. «Schade, bist du keine Frau», sagt die lesbische Kommissarin. Und Flückiger antwortet: «Nobody is perfect.» Zuvor wurde Flückiger noch von seinem Chef entlassen – und Ritschard zur neuen Leiterin der Abteilung Leib & Leben ernannt. «Tatort»-Fans rechneten durchaus damit, dass Reto Flückiger bei seinem letzten Fall noch umkommen könnte. Und tatsächlich ... ... gab es in den letzten Minuten noch einen spektakulären Unfall, bei dem Flückiger seinen dunkelgrauen SUV absichtlich in ein anderes Auto crashte. Damit vereitelte er ein weiteres Attentat. Für einen kurzen Moment ist der bewusstlose Kommissar zu sehen, mit Blut auf der Stirn. Doch in der nächsten Szene kommt schon die Erlösung: Flückiger lebt. Die letzte Luzerner «Tatort»-Folge lief unter dem Titel «Der Elefant im Raum». Am Anfang der Story stand ein Anschlag während eines VIP-Dinners der lokalen Wirtschafts- und Polit-Elite auf einem Dampfer auf dem Vierwaldstättersee. Kommissar Flückiger war privat an Bord des Schiffes – und begann sogleich zu ermitteln. Es ist Stefan Gubsers (62) letzter Einsatz in der Rolle nach acht Jahren und 17 Fällen. Die finale Folge wurde von Regisseur Tom Gerber inszeniert. Er arbeitete schon bei «Der Bestatter» mit und war für die SRF-Filme «Der Hamster» und «Liebe und andere Unfälle» verantwortlich. Im Mittelpunkt der Handlung stand unter anderem ein unabhängiges Newsportal – beziehungsweise dessen Chef (hinten Mitte), gespielt von Fabian Krüger. Einige Exponenten der Innerschweizer Polit- und Wirtschaftselite geriten unter Verdacht. Sowie der Chef von Flückiger und Ritschard. Reto Flückiger musste derweil noch einmal die unangenehmen Seiten des Ermittlerseins durchleben. 2011 wurde erstmals ein «Tatort» aus Luzern gesendet, damals ermittelte Stefan Gubser als Kommissar Flückiger noch allein. Ab 2012 war dann Delia Mayer als Liz Ritschard ebenfalls dabei. Pro Jahr gab es zwei Folgen aus Luzern. Hach, Flückiger und Ritschard, ihr wart ein gutes Team! Und wenns dafür noch einen Beweis braucht: In der letzten Folge bringt der Kommissar seiner erkrankten Kollegin ein paar frische Vitamine vorbei. Jetzt übergeben die Luzerner an ein neues Duo in Zürich. Ab Mai 2020 werden Anna Pieri (links) und Carol Schuler (die aktuell in der Netflix-Serie «Skylines» zu sehen ist) in der grössten Stadt der Schweiz ermitteln.

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Der Abgang

Das Ermittler-Duo Reto Flückiger/Liz Ritschard hat seinen letzten Fall gelöst: Mit «Tatort – Der Elefant im Raum» endet nach acht Jahren und 17 Fällen die Luzerner Ära.

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Flückiger/Ritschard treten Seite an Seite ab: In den Schlussszenen stehen sie an einem Meer. «Gehen wir?», fragt Flückiger, natürlich zweideutig. Und Ritschard nickt wortlos. In der letzten Einstellung segeln sie zusammen auf einem Boot davon.

Zuvor boten die finalen 85 Minuten mit einem Anschlag auf einem Vierwaldstättersee-Dampfer und einem spektakulären Auto-Crash einiges an bildgewaltiger Action. Doch die Abschluss-Folge fällt bei Kritikern durch – wie schon viele der 17 Luzerner Folgen zuvor.

Die Kritik

«Der Spiegel» vergibt einen von zehn (!) möglichen Punkten. «‹Der Elefant im Raum› sollte wohl ein besonders düsterer Abschied werden; es ist leider ein besonders dummdreister geworden», lautet das Fazit.

SWR 3 schreibt, dass der Abgang der Luzerner Crew «schwach» sei. Der Schluss wurde «glorios vergeigt: statt einem fulminanten Abgang, den man Flückiger gegönnt hätte, gibt es ein grauenhaft gewolltes Ende». In der Bilanz gibt das einen von fünf möglichen Punkten.

T-online.de bemängelt, dass die Story «konstruiert» wirke, die «Münchner AZ» nennts «ein heilloses Durcheinander». Filmstarts.de findet das Drehbuch «so unbeholfen arrangiert, dass man diesen ‹Tatort› von Minute zu Minute weniger ernst nehmen kann». Und so kommt die «Augsburger Allgemeine» zur Erkenntnis: «Die eingeschworene ‹Tatort›-Fangemeinde wird den Eidgenossen nicht gross nachtrauern.»

Nicht nur deutsche Medien lassen wenig Gutes an der Folge. Die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt: «Man muss bei diesem Film mehr als einmal den Kopf schütteln. ‹Der Elefant im Raum› ist eine dramaturgische Achterbahnfahrt und eine erzählerische Bankrotterklärung.»

Die Zukunft

Im Mai 2020 übernimmt das neue Schweizer Ermittler-Duo Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zürcher) und Tessa Ott (Carol Schuler). Die Dreharbeiten für die neuen Folgen finden zwischen Mitte November 2019 bis Ende Januar 2020 in Zürich und Umgebung statt. Das neue Team kann es nur besser machen.

(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Akire am 28.10.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatort adieu

    Ich fand ihn gut, es wird immer nur alles herunter und schlecht gemacht. Mal sehen, ob die Zürcher dann besser werden. Das war nur der Neid, dass diese in Luzern und nicht in Zürich gedreht wurden. Übrigens, ich schaue mir schon lange keinen Tatort von Deutschland mehr an, die werden immer brutaler, aber anscheinend ist es das was die Leute wollen, das passt ja zur heutigen Zeit, leider. Die Deutschen Tatorte sind öfter mal schlechter gewesen als die Schweizer.

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  • Laura am 28.10.2019 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation den Schweizer Tatort machern

    Es hatte wohl zu wenig Blut, Sadismus und wiederliche Szenen! Es war ein toller letzter Film der Beiden. Schade dass man immer alles in die Tonnne treten muss. Die letzte deutsche Folge haben wir nicht zu Ende geschaut. Die Gestrige war voller Spannung von uns als Zuschauer die Note 9. Aber das scheint nicht wichtig zu sein was wissen denn die blöden Konsumenten schon.!

  • Martin H. R. am 28.10.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War doch gut!

    Die schlechte Kritik in den deutschen Medien ist für mich nicht nachvollziehbar. Immerhin habe ich die Schauspieler akustisch verstanden und die Folge hatte einen logischen Ablauf, die Kameraführung gut mit angenehmen Überraschungen aus der Vogelperspektive Wie oft war dies bei andern Tatorten nicht der Fall! Mir hat dieser letzte Tatort gefallen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ah am 28.10.2019 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hat gefallen

    Ausgezeichneter Tatort. Die Darstellung der Politiker und dem Establishment ist naturgetreu. So sind wir Schweizer halt eben. Die Kommissare haben nichts falsch gemacht

  • Joschy47 am 28.10.2019 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Deutschen .....

    Nun die Deutschen verstehen unsere Mentalitäten nicht und unseren Humor. Ich verstehe ihre deutsche Mentalität nicht und ihren deutschen Humor. So ist das, der Unterschied, man kann sie nicht ernst nehmen Der Tatort war suppper

  • JB45 am 28.10.2019 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    deutsche Kritik

    Die Kritik glaubt immer, bösartig und überhöht formulieren zu müssen, um sich vermeintlich interessant zu machen. Schade

  • HpL am 28.10.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatort

    Ich habe nach einer Viertelstunde den Fernseher ausgeschaltet

  • Alois am 28.10.2019 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    André

    Mir hats gefallen. Adieu Tatort Luzern.